Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/82068.html    Veröffentlicht: 14.03.2011 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/82068

Erdbeben in Japan

Roboter suchen nach Erdbebenopfern

Nach dem Erdbeben in Japan setzen Rettungskräfte Roboter ein, um nach Verschütteten zu suchen.

Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan setzen Rettungskräfte Roboter ein, berichtet das US-Wissenschaftsmagazin IEEE Spectrum. Die Roboter sollen in den Trümmern nach Überlebenden suchen.

Zum Zeitpunkt der Katastrophe befanden sich mehrere japanische Rettungsrobotiker in den USA. Sie hatten an einer Konferenz am Center for Robot Assisted Search & Rescue (Crasar) der Texas A&M Universität in College Station teilgenommen. Nach dem Erdbeben flogen sie umgehend zurück, wie Crasar-Leiterin Robin Murphy schreibt.

Das Team um Satoshi Tadakoro, der als einer der führenden Spezialisten für Rettungsrobotik gilt, hat einen Roboter mit dem Namen Active Scope Camera (die Seite ist aufgrund des schweren Erdbebens derzeit nicht erreichbar) entwickelt. Das ist ein 8 Meter langer schlangenförmiger Roboter, an dessen Kopf eine Kamera sitzt.

Der Roboter ist umwickelt mit so etwas wie Härchen, was ihm das Aussehen einer Bürste gibt. Die Härchen haben die Funktion von Zilien: Sie vibrieren und bewegen so den Roboter fort - das Prinzip nutzen beispielsweise Wimperntierchen zur Fortbewegung. Auf diese Weise kann sich die Active Scope Camera auch durch enge Hohlräume schlängeln. Die Geschwindigkeit beträgt dabei bis zu 7 Zentimeter in der Sekunde. Tadakoro lehrt an der Tohoku-Universität in Sendai, einem der am schwersten betroffenen Gebiete.

Das andere Team, das in Texas war, stammt von Future Robotics Technology Center (Furo) in Chiba. Die Wissenschaftler haben einen Roboter zur Erkundung entwickelt. Quince bewegt sich auf zwei Ketten aus Gummi fort und hat zusätzlich vier weitere Ketten, die beweglich angebracht sind, was es ihm erleichtert, Hindernisse zu überwinden. Der etwa 1,10 Meter lange und knapp 50 Zentimeter breite Roboter wird unter anderem mit einer Kamera, einem Infrarotsensor sowie einem Kohlendioxidsensor ausgestattet, mit denen er verschüttete Personen aufspüren kann.

Crasar hat nach Angaben von Murphy den japanischen Behörden Hilfe bei der Rettungsarbeiten angeboten. Sobald eine offizielle Anfrage eintrifft, werden die Texaner ihre Rettungsroboter zur Verfügung stellen. Darunter sind Flugroboter, um die Situation aus der Luft beurteilen zu können oder um die oberen Stockwerke von einsturzgefährdeten Häusern zu inspizieren, ein Tauchroboter, der Bauwerke wie Brücken kontrolliert, sowie eine Reihe weiterer Roboter, die in Trümmern nach Verschütteten suchen. Solche Systeme waren erstmals 2010 nach dem Erdbeben auf der Insel Haiti eingesetzt worden.

Am Freitagmittag Ortszeit hatte ein Erdbeben der Stärke 8,9 Japan erschüttert. Das Epizentrum lag etwa 130 km östlich von Sendai, im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu. Auf das Beben folgte ein Tsunami, der schwere Schäden an der Ostküste Honshus anrichtete. Bedrohlich sind die Auswirkungen auf mehrere Atomkraftwerke in der Region: Nach dem Ausfall der Kühlsysteme ereigneten sich Explosionen in den Reaktoren, es drohen Kernschmelzen.

Die Folgen des Bebens und des Tsunamis auf die IT-Industrie sind noch nicht absehbar. Das US-Marktforschungsunternehmen Objective Analysis befürchtet jedoch, dass es in absehbarer Zeit zu Engpässen bei der Produktion von NAND- und DRAM-Speicherbausteinen kommen wird, berichtet IEEE Spectrum. Japan produziert über 40 Prozent der NAND- und 15 Prozent der DRAM-Speicher. Ein Produktionsausfall von zwei Wochen könne, so Objective Analysis, zu einer Verknappung der Bausteine und zu einer Preissteigerung führen.

Wegen der Ausfälle mehrerer Atomkraftwerke hat die japanische Regierung zum Stromsparen aufgerufen. Deshalb hat der Spielehesteller Square Enix einige Onlinespieleserver abgeschaltet.  (wp)


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