Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/81940.html    Veröffentlicht: 07.03.2011 12:21    Kurz-URL: https://glm.io/81940

Red Hat

Versteckte Kernel-Änderungen sollen Konkurrenz schwächen

Red Hat liefert seit RHEL 6 die eigenen Änderungen am Linux-Kernel nicht mehr als getrennte Patches aus. Damit will es die Supportangebote von Konkurrenten schwächen.

Red Hat will künftig seine eigenen Änderungen am Linux-Kernel nicht mehr als Patches ausliefern. Entwickler, die den Kernel nachbauen wollen, müssen die Änderungen selbst ausfindig machen. Das betrifft nicht nur den freien Red-Hat-Nachbau CentOS, sondern auch Firmen wie Oracle oder Novell, die selbst Support für Red-Hat-basierte Systeme bieten.

Entwickler kritisierten die Strategieänderung, die Red Hat sofort versuchte zu beschwichtigen. Dem britischen Nachrichtenportal The Register sagte Red-Hat-Chef Brian Stevens, seine Firma wolle mit der Strategie vor allem gegen Oracle und Novell vorgehen, die den Red-Hat-Kernel in ihre eigenen Produkte integriert oder ihren Support auf Red-Hat-Produkte ausgedehnt haben. Oracles Unbreakable-Linux-Kernel basiert auf dem von Red Hat. Novell hingegen erweitert seit geraumer Zeit seine Administrationswerkzeuge für die Verwendung mit Red-Hat-Distributionen.

Kein GPL-Verstoß

Kernel-Entwickler Jonathan Corbet hatte die Entscheidung von Red Hat kritisiert: Zwar bleiben die entsprechenden Linux-Kernel GPL-konform, das Verhalten Red Hats, die Änderungen zu verstecken, sei aber neu und entmutigend.

Von der Maßnahme ist auch der freie Red-Hat-Nachbau CentOS betroffen. Dessen Entwickler sehen darin aber kein Problem: "Ich werde deshalb keine schlaflosen Nächte haben", sagte CentOS-Gründer Russ Herold. Er habe bereits Kernel aus dem veröffentlichten RHEL-6-Quelltext nachgebaut und keine Probleme entdeckt. Nichts halte jemanden davon ab, den Quellcode der zwei Versionen per Diff zu vergleichen, um die Änderungen herauszufiltern.

Red Hat wolle sein Wissen eher von Distributionen von Novell und Oracle fernhalten, sagte Stevens, die Maßnahmen sollten nicht die freien Distributionen wie CentOS treffen. "CentOS ist ja nicht im Supportgeschäft." Letztendlich wolle Red Hat, dass seine Konkurrenten mehr Arbeit und größere Investitionen hätten, wenn sie den Red-Hat-Kernel verwenden wollten.  (jt)


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