Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/81914.html    Veröffentlicht: 04.03.2011 16:26    Kurz-URL: https://glm.io/81914

Tarifkonflikt

Deutsche Telekom nennt Verdi rüde

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Telekom wird nach drei Wochen Warnstreik der Ton schärfer. Die Gegner sprechen von rüder Verhandlungskultur, Verdi nannte das bisherige Angebot der Manager eine "Sauerei". 65.000 Beschäftigte streiken bisher.

Der Personalchef der Deutschen Telekom, Thomas Sattelberger, hat im laufenden Tarifkonflikt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als rüde bezeichnet. "Verdi muss seine Blockadehaltung aufgeben und die Entrüstungsrituale einstellen. Es ist unverantwortlich, dass unser Angebot bislang ohne Diskussion rüde zurückgewiesen wurde", sagte Sattelberger am 4. März 2011. Verdi solle stattdessen gemeinsam mit dem Arbeitgeber ein Zukunftsbündnis für das Unternehmen schmieden.

Die Gewerkschaft hatte die Tarifverhandlungen für 105.000 Beschäftigte am 16. Februar 2011 abgebrochen. Die Konzernführung hatte eine Lohnerhöhung von knapp 2,2 Prozent über 24 Monate vorgeschlagen. Auf das Jahr umgerechnet sind dies 1,08 Prozent. "Sauerei. Das ist nicht verhandlungsfähig, sondern eine Frechheit", soll Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder gesagt haben.

Sattelberger sprach von einer moderaten Lohnerhöhung. "Auf Basis dieses Angebots ist mit gutem Willen ein Kompromiss möglich." Verdi sollte ernsthaft verhandeln. Die Gewerkschaft fordert für die Telekom-Beschäftigten 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Ausbildungsvergütungen sollen um monatlich 70 bis 90 Euro angehoben werden. Die unteren Einkommensgruppen wollen monatlich mindestens 170 Euro mehr.

Bis einschließlich heute hatten sich seit Beginn der Arbeitsniederlegungen insgesamt mehr als 65.000 Telekom-Beschäftigte aus Deutschland beteiligt. Rund 70 Jugendliche haben mit einer Aktion am Telekom-Stand auf der Cebit für höhere Ausbildungsvergütungen demonstriert: "Die Botschaft sollte allmählich auch bei der Telekom angekommen sein: Die Beschäftigten fordern ihren gerechten Anteil am Erfolg des Unternehmens und sind bereit, dafür zu kämpfen", sagte Verhandlungsführer Lothar Schröder vom Verdi-Bundesvorstand. Die Menschen schafften die Arbeit kaum noch, hohe Krankenstände und schlechtere Servicequalität für die Kunden seien die Folge. In dieser Situation mit noch mehr Frühverrentung noch mehr Personal abzubauen und die Arbeitszeit verlängern zu wollen, sei kein "Zukunftsbündnis". Die vierte Verhandlungsrunde findet am 8. und 9. März 2011 in Königswinter bei Bonn statt.  (asa)


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