Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/81900.html    Veröffentlicht: 04.03.2011 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/81900

Smart Control Room

Intelligenter Raum wird mit Gesten gesteuert

Das Fraunhofer IOSB zeigt in Hannover einen intelligenten Raum, der erkennt, wer sich gerade darin befindet. Menschen interagieren mit dem Raum per Gesten.

Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) aus Karlsruhe stellt auf der Cebit 2011 das Lagezentrum der Zukunft vor: Der sogenannte Smart Control Room ist ein intelligenter Raum, der die Menschen erkennt, die sich darin aufhalten, und der mit Gesten gesteuert wird (Halle 9, Stand B36).

Digitale Einsatzplanung

Der Smart Control Room besteht aus einer Wandkarte und einem Lagetisch. Die Karte zeigt die Stadt, in der sich das Lagezentrum befindet. Dort werden Ereignisse, etwa ein Brand, angezeigt. Auf dem Lagetisch planen die Einsatzkräfte, wie sie das Feuer bekämpfen wollen.

Um im Smart Control Room arbeiten zu können, meldet sich der Nutzer zunächst per Gesichtserkennung an. Sofort erscheint auf der Wandkarte ein ringförmiges Menü, über das der Nutzer mit der Karte interagieren kann. Sind mehrere Mitarbeiter anwesend, haben die Menüs unterschiedliche Farben. Der Nutzer kann über das Menü beispielsweise eine Ausschnittskarte der Umgebung des Brandortes aufrufen oder eine 3D-Ansicht, in der auch zusätzliche Informationen wie die Hitzeverteilung vor Ort erkennbar sind. Des Weiteren kann er Livebilder von Überwachungskameras einblenden oder sich die Standorte von Einsatzfahrzeugen anzeigen lassen.

Fotos an die Karte anheften

Nutzer können auch Daten auf die Wandkarte übertragen: Hat ein Feuerwehrmann mit seinem Mobiltelefon Fotos vom Einsatzort gemacht, kann er diese einfach in die Karte eintragen. Er richtet die Kamera des Geräts auf die Wandkarte, auf der dann ein Symbol erscheint. Ist das Symbol am richtigen Ort, überträgt er die Fotos, die dann an der ausgewählten Stelle erscheinen.

Der Einsatz selbst wird am digitalen Lagetisch geplant. Gehen die Planer von der Karte zum Tisch, verschwinden die Menüs von der Karte und erscheinen auf dem Tisch, und zwar dort, wo der Betreffende gerade steht. Wechselt er die Position, folgt ihm das Menü - um den Lagetisch herum, entlang der Karte oder vom Tisch zur Wand und wieder zurück.

Planung am digitalen Lagetisch

Auf dem Tisch wird jener Teil der Stadt angezeigt, an dem das Feuer ausgebrochen ist. Die Einsatzplaner können den Ausschnitt über Gesten verändern, vergleichbar den Multitouchgesten auf dem Smartphone. Wird ein Tablet-PC, ein sogenanntes Fovea-Tablett, auf die Karte gelegt, wird dieser zu einer Lupe: Der Kartenausschnitt, den er abdeckt, erscheint vergrößert auf dem Bildschirm.

Die Planer können nun mit dem Stift auf dem Tablet-PC den Einsatz planen, etwa Anfahrtswege für Feuerwehr und den Krankenwagen einzeichnen. Ist der Einsatzplan fertig, können ihn die verschiedenen Mitarbeiter einfach auf ihr Smartphone übertragen: Sie legen das Gerät auf die entsprechende Stelle auf dem Lagetisch und über eine bestimmte Geste werden die Daten auf das Smartphone übertragen.

Optische Steuerung

Wandkarte und Lagetisch verfügen nicht über eine berührungsempfindliche Oberfläche. Das System wird über eine Reihe von Kameras gesteuert - in dem auf der Cebit aufgebauten Szenario sind es neun: Vier Kameras sind über der Wandkarte angebracht und sind für die Interaktion mit der Karte verantwortlich. Zwei befinden sich über dem Tisch und nehmen auf, was die Nutzer dort machen. Die anderen Kameras sind in den Raum gerichtet. Sie erkennen, wo sich die Nutzer befinden und wohin sie schauen. Sollte während der Arbeit ein weiteres Ereignis eintreffen, erscheint die Meldung auf der Fläche, auf die die Mitarbeiter gerade ihre Aufmerksamkeit richten.

Bei dem Smart Control Room handele es sich noch um einen Prototyp, erzählt ein Mitarbeiter des Fraunhofer IOSB im Gespräch mit Golem.de. Allerdings hätten mehrere Feuerwehren und Polizeien eben Interesse an dem System bekundet. Eine Stadt in Deutschland plane bereits die Einrichtung ein solches Lagezentrums.

Das System könne außer für Lagezentren auch für die unterschiedlichsten Leitstellen etwa in Kraftwerken oder Industrieanlagen genutzt werden, sagte der Fraunhofer-Wissenschaftler. Selbst in einem Smarthome könne es eingesetzt werden.  (wp)


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