Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0006/8190.html    Veröffentlicht: 14.06.2000 14:56    Kurz-URL: https://glm.io/8190

Software-Test: Microsoft MapPoint 2001

Umfangreiche Business-Kartografiesoftware

Microsoft MapPoint 2001 ist eine Kartografiesoftware für Unternehmen, die neben einer nahtlosen Integration in Microsoft Office zahlreiche Möglichkeiten bietet, Kartenmaterial unter statistischen Gesichtspunkten zu betrachten als auch Routenplanung zu betreiben.

MS MapPoint 2001
MS MapPoint 2001
Das Einarbeiten in die Software gelingt dank der Office-Symbolik des Programms recht schnell. Unerfahrene Benutzer sind allerdings gut beraten, die bei den Analysemodulen zur Verfügung gestellten Methoden erst einmal der Sache nach zu verstehen, sonst können schnell Fehlschlüsse aus den gewonnenen Daten getroffen werden. Dem Produkt ist allerdings zugute zu halten, dass es unmittelbareren Zugriff auf die mitgebrachten geografischen und demografischen Funktionen erlaubt, wie sie sonst nur in weitaus kostspieligeren Kartografieprodukten zu finden sind.

Screenshot #1
Screenshot #1
Gedacht ist MapPoint vor allem für Anwender aus den Bereichen Marketing, Vertrieb, Management und für Außendienstler, die für ihre tagtäglichen Aktivitäten und Entscheidungen auf geografische Informationen angewiesen sind und Unternehmensinformationen auf einfache Weise räumlich analysieren und vermitteln müssen.

Das Programm kann beispielsweise Unternehmen unterstützen, die ihre Kundenbesuche und Vertriebsaktivitäten effektiver gestalten wollen, indem beispielsweise Vertreterrundfahrten mit dem Routenplanermodul besser terminiert und kostengünstiger gestaltet werden können oder Verkaufspotenziale anhand von Bevölkerungsdichten, verfügbarem Einkommen und Unternehmensdaten gezielter ausgewertet werden und so beispielsweise Vertriebsgebiete effizienter zu planen sind.

Screenshot #2
Screenshot #2
Dank Importmöglichkeiten von Access, Excel oder von SQL-Servern kann unternehmenseigenes Datenmaterial wie Kundenadressen oder verknüpfte Umsatzzahlen leicht geocodiert werden und beispielsweise Umsätze geographisch nach Markttrends analysiert und mit demografischen Trends verglichen werden. So lassen sich Marketingaktionen z. B. durch gezielte Postwurfsendungen und Konzentration von Werbekampagnen in ihrer Effizienz steigern.

Die Importmöglichkeiten bieten die Möglichkeit, auf der Landkarte exakte Kunden- oder Unternehmensstandorte in ganz Europa zu markieren. Die Adresssuche für Großbritannien und die Suche für alle Ballungsräume in Frankreich und Deutschland ist laut Unternehmensangaben vollständig, während es nur eine eingeschränkte Adresssuche für Italien, Spanien und angrenzende europäische Regionen gibt.

Screenshot #3
Screenshot #3
Das gewonnene Kartenmaterial kann in andere Office-Anwendungen mittels OLE oder einfach nur als Grafik eingefügt und weiterverarbeitet werden. Dank der integrierten Zeichenwerkzeuge können Landkarten den eigenen Bedürfnissen entsprechend vereinfacht werden. Mit Radiusmarken, Ovalen, Kreisen, Skizzen und Freihandformen können beispielsweise unwichtige Informationen ausgeblendet werden.

Screenshot #4
Screenshot #4
Der eingebaute Routenplaner ist mehrfahrzeugfähig, d.h. es können mehrere Fahrer/Fahrzeuge verwaltet und ihre Wege optimiert werden. Sind beispielsweise mit Hilfe der Adressdatenbank die Lieferorte auf einer Karte visualisiert worden, zeichnet man einfach grob die Umrisse des Gebietes auf, das der einzelne Fahrer bedienen soll. Im zweiten Schritt berechnet MapPoint in diesen Gebieten die optimale Route des Fahrers. Damit sind beispielsweise auch Informationen verbunden, wann ein Fahrer voraussichtlich welches Ziel erreicht und was die Lieferfahrt insgesamt oder für einen Teil der Strecke kostet. Die Ausgabe der Route erfolgt vermutlich in den meisten Fällen auf Papier, aber auch an die Besitzer von Windows-CE-Geräten hat Microsoft gedacht. Die Routenbeschreibung als auch die Landkarte lassen sich mit Pocket Streets auch von unterwegs nutzen.

MapPoint selbst ist auch GPS-fähig (NMEA 2.0), ob allerdings die exportierten Routen für Windows-CE-Geräte die Positionsangaben ebenfalls enthalten, konnte leider nicht getestet werden. PalmPilots werden von der Software nicht originär unterstützt, doch auch diese Geräte können wenigstens die Routenbeschreibung als Text importieren.

Screenshot #5
Screenshot #5
MapPoint ist durch COM-Add-Ins weiter entwickelt und angepasst. Durch OLE-Automatisierung lassen sich Kartenfunktionen wie Adresssuche, Routenberechnung oder -filter weiter nutzen und in Office-Lösungen integrieren. Microsoft MapPoint unterstützt ein Objektmodell, das auf dem Visual Basic für Applikationen (VBA) basiert. In Microsoft MapPoint 2001 wurden digitale Kartendaten von Ordnance Survey verwendet, während die demografischen Daten und Lifestyledaten zur Europakarte von Claritas zusammengestellt wurden.

MapPoint läuft sowohl auf Windows 9x als auch auf Windows NT und 2000 und ist ab sofort zu einem Preis von circa 685,- DM im Fachhandel erhältlich.

Fazit:
MapPoint eignet sich gut für die kartografische Auswertung von Datenmaterial. Durch den Markteintritt von Microsoft dürfte das Interesse und die Verwendung von diesen Tools in Unternehmen deutlich steigen und insgesamt den Markt für Raumdatentechnologie öffnen, der weltweit von IDC auf über 20 Millionen Benutzer geschätzt wird.

Der Vorteil des Microsoft-Produkts liegt klar in seiner Zugehörigkeit zur verbreiteten Office-Produktfamilie. MapPoint hat deswegen einen Vorsprung in Sachen Benutzerfreundlichkeit, Kompatibilität und Kosten, den andere Hersteller bislang abgeschreckt haben, in den Markt einzutreten.  (ad)


© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/