Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1103/81883.html    Veröffentlicht: 03.03.2011 17:10    Kurz-URL: https://glm.io/81883

Prozessor

AMD zeigt Llano-Notebook und schlägt Intel

Der kommende mobile Quad-Core mit Codenamen "Llano" von AMD soll sparsamer als Intels Sandy Bridge und besser im Multitasking sein. Das behauptet AMD in Hannover anhand einer Vorführung mit Standardprogrammen.

Auf der Cebit führt AMD PC-Herstellern und Journalisten den Prototyp eines Notebooks mit der kommenden APU Llano vor. AMD legt Wert darauf, dass die Hersteller der Notebooks nicht genannt werden. Daher sei an dieser Stelle nur gesagt, dass es sich bei dem Sandy-Bridge-Rechner um ein Seriengerät eines großen US-Herstellers handelt.

Bis auf Mainboard und Prozessor sind die beiden Notebooks gleich bestückt: 4 GByte DDR3-1333-Speicher und eine Crucial-SSD C300 mit 128 GByte stecken AMD zufolge in den Systemen. Im Intel-Rechner arbeitet ein Core i7-2630QM mit 2,0 GHz Basistakt. Dessen integrierte Grafikeinheit HD Graphics 3000 ist eines der schnelleren Modelle, mit 1.100 MHz erreicht die GPU aber nicht den Maximaltakt von 1.200 MHz.

Schnellere Grafik als Intel

Auch mit diesen neun Prozent mehr Takt würde HD Graphics kaum den Radeon-Kern in AMDs APU schlagen. Die DirectX-11-Einheit erreicht in Furmark 1.80 mit achtfachem Anti-Aliasing - was auf Notebooks mit aktuellen Spielen aber kaum nutzbar ist - noch rund zehn Bilder pro Sekunde, bei Intel sind es zwei. Genaue Angaben zu seiner "Accelerated Processing Unit" (APU) machte AMD nicht. Nur die Anzahl der Kerne steht fest, vier bei 1,8 GHz.

Wie hoch die reale Rechenleistung der Cores ist, will AMD partout nicht verraten, vor allem, weil es sich bei Llano noch um verbesserte K10-Kerne handelt. Notebookprozessoren mit der neueren Bulldozer-Architektur hat AMD erst für 2012 geplant. Dass die in 32-Nanometer-Technik gefertigte erste Quad-Core-APU aber beim Stromsparen und beim Multitasking besser als Intels Flaggschiff Sandy Bridge sein soll, wollte AMD in Hannover schon einmal vorführen.

Sparsam, aber auch schnell?

Dazu starteten die AMD-Mitarbeiter nacheinander den Benchmark von Final Fantasy XIV, Excel mit einer mehrere tausend Formeln umfassenden Tabelle, SPEC Viewperf und ein HD-Video. Unter dieser extremen Last zeigten sich zwei Effekte: Während das Sandy-Bridge-Notebook bis zu 67 Watt aufnahm, kam der AMD-Rechner nur wenig über 50 Watt. Ob dabei die Rechenleistung auch vergleichbar war, ist die große Frage - mit mehr Energie mehr Performance zu erzeugen, ist bei Prozessoren keine Kunst.

Die Messwerte an sich sind aber glaubwürdig. Sie wurden von hinter den Rechnern aufgestellten professionellen Power-Metern erzeugt, die ihre Werte über eine Software auf die Displays der Notebooks übertrugen. Im Idle-Modus waren dabei die Werte des Llano-Rechners nicht überzeugend, was AMD mit einem noch nicht optimierten BIOS erklärte: Die Demomaschine nutzt den Angaben zufolge nur wenige der Stromsparmechanismen der APU bei geringer Last aus.

Verblüffend war AMDs Beleg dafür, dass Llano ein besseres Multitasking als Sandy Bridge beherrschen soll. Auf die Tastenkombination Windows+Tab reagierte das AMD-System beinahe sofort. Der Intel-Rechner brauchte mehrere Sekunden, um das Bild der in den Vordergrund geholten Anwendung darzustellen. Ob sich dabei der Ringbus von Sandy Bridge oder der gegenüber Llano langsamere Grafikkern als Bremse auswirken, ist vorerst ungeklärt.

Mit seiner ersten Vorführung von Llano mit mehreren echten Anwendungen hat AMD die Erwartungshaltung für seine neue Notebook-APU kräftig gesteigert. Wann sie auf den Markt kommen soll, steht weiterhin nicht genau fest. Das Unternehmen gibt dafür weiterhin nur die erste Hälfte des Jahres 2011 an. Wie von Notebookherstellern zu hören ist, könnte es schon im April oder Mai so weit sein.  (nie)


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