Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81686.html    Veröffentlicht: 24.02.2011 19:46    Kurz-URL: https://glm.io/81686

Thunderbolt

Intels Light Peak vereint Displayport und PCI-Express

Intel hat die unter dem Codenamen Light Peak entwickelte Schnittstelle umbenannt. Sie heißt jetzt Thunderbolt - ein Hinweis auf das vorläufige Fehlen optischer Verbindungen. Thunderbolt hat das Potenzial, zahlreiche Schnittstellen überflüssig zu machen.

Thunderbolt ist Intels neue Schnittstelle, die sowohl Displayport- als auch PCI-Express-Signale über ein Kabel führt. Damit erweitert Intel die Displayports um eine weitere Funktion: die schnelle Übertragung von Daten zu Speichermedien. Displayport-Kabel werden hauptsächlich für Video- und Audiodaten übertragen. Sie sind allerdings schon länger darauf vorbereitet, andere Daten zu übertragen.

Mit 10 GBit/s in beiden Richtungen ist die neue Schnittstelle theoretisch deutlich schneller als Netzwerkschnittstellen in Notebooks (meist 1 GBit/s) oder auch USB 3.0 (5 GBit/s). Auch die überwiegend von Apple eingesetzte Firewire-800-Schnittstelle (IEEE 1394b, 800 MBit/s) wird übertroffen. Zudem verspricht Intel niedrige Latenzen, geringe Leistungsaufnahme und Kompatibilität zu Displayport-Produkten. Entdeckt der Thunderbolt-Controller ein Displayport-Gerät, wird automatisch in einen Kompatibilitätsmodus geschaltet.

Power over Thunderbolt

Laut dem Thunderbolt Technology Brief (PDF) ist auch das Führen von Strom über Thunderbolt vorgesehen. Da allerdings neben der elektrischen Datenübertragung auch eine optische prinzipiell vorgesehen ist, ist das kein Muss, was Intel auf Nachfrage auch bestätigt hat. Die für die Zukunft geplanten optischen Thunderbolt-Kabel werden voraussichtlich keinen Strom übertragen. Ähnlich ist es auch bei Firewire-Equipment, wo einige Anschlüsse keinen Strom liefern.

3 Meter per Kupferkabel

Prinzipiell kann Thunderbolt zahlreiche Anschlüsse überflüssig machen. Ein einfacher Adapter soll ausreichen, um Geräte mit anderen Schnittstellen anzuschließen. Für die Stromführung soll es laut Intel bereits ein 3-Meter-Kabel geben, welches 10 Watt elektrische Leistung übertragen kann. Im Laufe des Jahres 2011 soll es für Entfernungen jenseits der zehn Meter auch rein optische Kabel geben, die dann keine elektrische Leistung führen. Die Kabel sollen über denselben Anschluss an einem Gerät funktionieren.

Intel hatte in den zwei Jahren seit Ankündigung immer wieder vorgenommenen Demonstrationen von Light Peak zwar erwähnt, dass die Schnittstelle auch PCI-Express beherrscht, dies aber lediglich als Option bezeichnet. In der langen Vorlaufphase für das, was jetzt Thunderbolt heißt, musste sich der Chiphersteller viel Kritik gefallen lassen, weil er USB 3.0 - bis auf Chips von Fremdherstellern auf Intel-Mainboards - nicht unterstützte. USB 3.0 ersetzen soll Thunderbolt nicht. Intel hält weiter daran fest, USB 3.0 zu unterstützen. Wann das aber in eigenen Chipsätzen der Fall sein wird, wollte das Unternehmen nicht angeben.

USB 3.0 über bisherige Controller

Mit Thunderbolt erklärt sich aber, dass sich USB 3.0 in Geräte mit der Schnittstelle leicht einbauen lässt. Thunderbolt überträgt die Daten von zwei Lanes nach PCI-Express 2.0, was 5 Gigatransfers pro Sekunde entspricht. Das ist auch für die Anbindung von verfügbaren USB-3.0-Hostadaptern schnell genug, jedenfalls so lange, bis beispielsweise SSDs diese Bandbreite überschreiten.

Ebenso lassen sich auch alle anderen Schnittstellen wie USB 2.0, Firewire oder eSATA in externen Thunderbolt-Boxen leicht realisieren, weil dafür viele Controllerbausteine zur Verfügung stehen. Diese werden auch in Desktop-PCs und Notebooks per PCI-Express angebunden. Eine Ausnahme stellt Intels "HD Graphics" der Sandy-Bridge-Prozessoren dar. Der Display-Port-Ausgang muss eigens mit dem Thunderbolt-Controller verbunden werden, was für die Mainboardhersteller zusätzliche Kosten bedeutet.

Thunderbolt-Geräte können hintereinander geschaltet werden (Daisy Chain). Nutzer von Firewire-Equipment kennen dies bereits. Dabei können Displayport- und PCIe-Geräte kombiniert werden. Auch Displayports besitzen Daisy-Chain-Fähigkeiten. AMD nutzt dies für die Eyefinity-Lösungen von Radeon-Grafikkarten, um so die Anschlüsse der Displayports zu reduzieren.

Sieben Geräte hintereinander

Laut Intel können bis zu sieben Geräte miteinander verbunden werden. Ein bis zwei dieser Geräte können Monitore mit hohen Auflösungen sein. Es hängt allerdings von der Implementierung ab, wie viel möglich ist. Bei Notebooks lassen sich so Anschlüsse sparen, vorteilhaft für besonders kleine Geräte.

Die ersten Geräte, die auf Thunderbolt setzen, sind Apples neue Macbook-Pro-Modelle. Power over Thunderbolt mit 10 Watt wird von Apple erwähnt, eine Unterstützung von optischen Verbindungen fehlt offenbar.

Hersteller wie Lacie, Western Digital und Promise wollen künftig Speichersysteme verkaufen, die einen Thunderbolt-Anschluss bieten. Auch im Bereich des Videoschnitts werden Firmen aktiv: Hier sollen Avid und Blackmagic an einer Unterstützung der Thunderbolt-Schnittstelle arbeiten. Preise zu Kabeln konnte Intel noch nicht nennen. [von Jens Ihlenfeld, Nico Ernst und Andreas Sebayang]  (ase)


Verwandte Artikel:
Linux: Bolt bringt Thunderbolt-3-Security für Linux   
(15.12.2017, https://glm.io/131701 )
LG 32UD99-W im Test: Monitor mit beeindruckendem Bild - trotz unausgereiftem HDR   
(12.12.2017, https://glm.io/131398 )
Sicherheitslücke: Spectre-Angriff kann Intel SGX überwinden   
(07.03.2018, https://glm.io/133209 )
Magsafe: Apples Kabel für Light Peak   
(22.02.2011, https://glm.io/81587 )
Prozessor: Modder startet Coffee Lake auf H110-Board   
(06.03.2018, https://glm.io/133178 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/