Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81639.html    Veröffentlicht: 23.02.2011 12:18    Kurz-URL: https://glm.io/81639

Streusand

Gegenmittel für den digitalen Radiergummi X-pire

Mit dem Firefox-Plugin "Streusand" wollen Forscher der Uni Regensburg zeigen, dass das als digitaler Radiergummi bezeichnete Firefox-Plugin X-pire nicht nur wirkungslos ist, sondern schon die Idee dahinter schädlich.

Der digitale Radiergummi X-pire schütze nicht die Privatsphäre der Nutzer, sondern gefährde sie zusätzlich, sagt eine Regensburger Forschergruppe. Mit ihrem Plugin Streusand will sie das demonstrieren. Das von einer Ausgründung der Universität des Saarlandes entwickelte Firefox-Plugin X-pire soll Bilder im Internet mit einem Verfallsdatum versehen und so dafür sorgen, dass Bilder nach einer gewissen Zeit beispielsweise aus sozialen Netzwerken verschwinden.

Dazu werden die Bilder verschlüsselt. Sie können dann nur noch mit einem speziellen Browser-Plugin angezeigt werden. Dieses fordert zur Entschlüsselung einen entsprechenden Schlüssel von einem X-pire-Server an. Nach Erreichen des Ablaufdatums wird der Schlüssel vom Server gelöscht und folglich kann das Bild nun nicht mehr angezeigt werden.

Seit Vorstellung des digitalen Radiergummis gibt es Kritik an dem Verfahren. Ende Januar 2011 hatte die Schweizer Scip AG aufgezeigt, dass sich X-pire leicht aushebeln lässt: Eine modifizierte Version des Browser-Plugins speichert die Schlüssel, so dass ein Bild auch nach seinem digitalen Verfallsdatum weiter angesehen werden kann. Ein Zutun des Benutzers sei aufgrund der Automatisierung des Angriffs nicht notwendig, so Scip. Ganz abgesehen davon hindert X-pire niemanden daran, von einem angezeigten Bild einen Screenshot anzufertigen und es damit dauerhaft betrachten zu können.

Eine Forschergruppe um Hannes Federrath von der Universität Regensburg geht noch einen Schritt weiter. Die Forscher gehen davon aus, dass vom Einsatz von X-pire "sogar eine zusätzliche Gefahr für die Privatsphäre von Nutzern ausgehen kann", heißt es in der Ankündigung ihres Plugins Streusand, das die Schwachstelle demonstrieren soll. Streusand ist mit X-pire kompatibel und in Anlehnung an den Streisand-Effekt benannt.

Streusand fertigt im Hintergrund zusätzlich Kopien der Schlüssel aller betrachteten Bilder sowie der Bilder selbst an und kopiert sie auf einen separaten "Streusand-Server", wo sie auch über das Verfallsdatum hinaus aufbewahrt werden. "Dadurch wird nicht nur die Schutzfunktion von X-pire! ausgehebelt, sondern es werden zudem gerade die besonders schützenswerten Bilder in einer öffentlichen Bildergalerie unbegrenzt zugänglich gemacht", so Federrath, der Streusand aus ethischen und lizenzrechtlichen Gründen vorerst nicht veröffentlichen will.

Federrath rät von einem Einsatz von X-pire "für ernsthafte Anwendungen" ab, da "solche Anti-Erweiterungen relativ leicht nachgebaut werden können". Damit sei dann eher ein Verlust an Selbstbestimmung im Internet und in sozialen Netzen verbunden als das Gegenteil.

Weitere Informationen zu Streusand gibt es unter www-sec.uni-regensburg.de.  (ji)


Verwandte Artikel:
X-pire: Digitaler Radiergummi angeblich unsicher   
(31.01.2011, https://glm.io/81075 )
Digitales Vergessen: "Ein digitaler Radiergummi ist nur ein Teil der Lösung"   
(11.01.2011, https://glm.io/80648 )
E-Privacy-Verordnung: Verleger und Startups wollen mehr Daten verarbeiten dürfen   
(07.03.2018, https://glm.io/133201 )
Analyse: Keine höhere Aufklärung durch Vorratsdatenspeicherung   
(27.01.2011, https://glm.io/81039 )
BSA-Studie: Deutschland ist favorisierter Standort für die Cloud   
(06.03.2018, https://glm.io/133175 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/