Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81572.html    Veröffentlicht: 21.02.2011 12:08    Kurz-URL: https://glm.io/81572

Blackout

Libyens Regierung unterbricht Internetversorgung erneut

Trotz erneuter Internetabschaltung und Terror durch Sicherheitskräfte weiten sich die Proteste in Libyen aus. Auch Telefonverbindungen sind weitgehend blockiert.

Laut Angaben des Monitoring-Unternehmens Arbor Networks ist die Internetversorgung in Libyen seit Samstag erneut weitgehend blockiert worden. Arbor Networks wertet Daten von 110 Internet Service Providern aus. Auch die Telefonverbindungen sind laut Medienberichten weitgehend unterbrochen. Die offizielle Website der libyschen Regierung ist derzeit nicht erreichbar.

Die libysche Regierung hatte in der Nacht zum Samstag die Internetverbindung des Landes bereits einmal abschalten lassen. Die Blockade erfolgte um 01:18 Uhr Ortszeit am 19. Februar 2011. Um 08:01 Uhr Ortszeit sei die Verbindung schrittweise wiederhergestellt worden, erklärte James Cowie von Renesys im Blog des Unternehmens.

Craig Labovitz von Arbor Networks berichtete im Blog des Unternehmens: "Insgesamt zeigen unsere Daten während der letzten Woche ausgeprägte Veränderungen des Internetdatenverkehrs in zwei Ländern des Nahen Ostens: Bahrain und Libyen. Während Netzwerkausfälle oder andere exogene Ereignisse eine Rolle bei dem verringerten Datenverkehrsaufkommen spielen können, beobachten wir, dass die Veränderungen in Bahrain und Libyen zeitlich mit dem Beginn der jüngsten Proteste zusammenfallen."

Libyens Internetversorgung hängt im Wesentlichen von dem Telekommunikationskonzern Libya Telecom & Technology ab. Aufsichtsratschef Muhammad al-Gaddafi ist der älteste Sohn des Machthabers Muammar al-Gaddafi. Das Unternehmen bietet Internetzugänge per Dial-up, DSL, Wimax, Satellit und FTTH (Fiber To The Home).

Ausländische Medien sind in Libyen nicht zugelassen, weshalb die Berichterstattung sehr schwierig ist. Dem Nachrichtensender Al-Jazeera berichtete eine Anruferin, Scharfschützen schössen von den Hausdächern auf die demonstrierenden Menschen. Überall auf den Straßen lägen Tote. Nach unbestätigten Berichten wurden mindestens 200 Menschen getötet, doch die Proteste breiten sich weiter aus. Einige Städte sollen nach Angaben der Opposition ganz oder teilweise in der Hand der Massenbewegung sein.  (asa)


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