Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81546.html    Veröffentlicht: 19.02.2011 10:00    Kurz-URL: https://glm.io/81546

Mobile World Congress 2011

Android dominiert

2009 war Android auf dem Mobile World Congress nur ein Randthema, 2011 dominiert Googles Betriebssystem die Messe. Jedes auf der Messe neu vorgestellte Smartphone und Tablet läuft mit Android. Es gibt aber auch interessante Ausnahmen. Die Neuerungen der Messe im Überblick.

Nach der Vorstellung von Android 3.0 alias Honeycomb Anfang Februar 2011 sind auf dem Mobile World Congress 2011 diverse neue Tablets gezeigt worden, viele davon verwenden Nvidias ARM-Prozessor Tegra2. Bereits auf der CES vorgestellt wurde Motorolas Xoom, das im zweiten Quartal 2011 in Europa auf den Markt kommen soll. Auch LGs Optimus Pad wurde schon auf der CES gezeigt, dort unter dem Namen T-Mobile G-Slate. Auch hier kommen ein Tegra 2 und Android 3.0 zum Einsatz. Als Besonderheit bietet das Tablet eine 3D-Kamera. Das Tablet, das rund 600 Gramm wiegt, soll hierzulande allerdings rund 1.000 Euro kosten.

Erstmals gezeigt wurde Samsungs Galaxy Tab 10.1. Es läuft über ein weitgehend unverändertes Android 3.0, verfügt über ein 10,1 Zoll großes Display mit 1.280 x 800 Pixeln Auflösung und wiegt 600 Gramm. 7-Zoll-Tablets will Samsung künftig nicht mehr herstellen.

Das HTC Flyer verwendet hingegen Android 2.4, das der Hersteller mit seiner Bedienoberfläche Sense versehen hat. Sein 7-Zoll-Display liefert eine Auflösung von 1.024 x 600 Pixeln. Dank des integrierten Dienstes Onlive ist es möglich, moderne Windows-Spiele wie Unreal Tournament auf dem Tablet zu spielen. Sie laufen dabei auf dem Onlive-Server und werden auf das Flyer gestreamt.

Auf dem Viewpad 10Pro von Viewsonic laufen gleich zwei Betriebssysteme: Windows 7 und Android 2.2. Während die verwendete Android-Version schon etwas älter ist, kommt als Prozessor die kommende Generation von Intels Atom alias Oak Trail zum Einsatz. Ob und ab wann ein Update auf Android 3.0 Honeycomb für das Gerät verfügbar sein wird, gab der Hersteller ebenso wenig an wie einen Liefertermin für das Tablet.

Wenige Tage vor dem Mobile World Congress hatte HP mit dem Touchpad sein erstes WebOS-Tablet vorgestellt und es in Barcelona gezeigt. Es läuft mit der für Tablets angepassten WebOS-Version 3.0. Einige Applikationen wurden an das größere Tablet angepasst und der Benachrichtigungsbereich wurde an eine andere Stelle verschoben.

Research In Motion (RIM) zeigte wieder einmal sein Blackberry Playbook. Es soll in vier Varianten auf den Markt kommen: einmal mit WLAN und drei 4G-Varianten mit LTE, HSPA+ und Wimax. Das Bedienkonzept vom Blackberry Tablet OS erinnert stark an das, was Palms WebOS vormacht.

Während all die neuen Tablets mit dem Tegra 2 erst einmal auf den Markt kommen müssen, kündigte Nvidia schon die nächste Tegra-Generation an. Der nach Superman benannte Chip mit dem Codenamen "Kal-El" verfügt über vier Kerne und soll laut Nvdia knapp schneller sein als ein Intel Core 2 Duo der ersten Generation. Der Chip wird seit einigen Tagen bereits produziert und soll noch 2011 auf den Markt kommen.

Qualcomm will seinen ARM-Prozessor Snapdragon auf 2,5 GHz beschleunigen. Texas Instruments wird einen OMAP 5 mit zwei Cortex-A15-Kernen sowie zwei zusätzlichen M4-Kernen auf den Markt bringen.

Alle neu vorgestellten Smartphones laufen mit Android

Besonders deutlich fällt die Übermacht von Android bei den neu vorgestellten Smartphones aus: Sony Ericsson zeigt wie angekündigt sein Playstation-Phone Xperia Play. Das 4-Zoll-Smartphone (854 x 480 Pixel) läuft mit Android 2.3. Es verfügt über zwei Touch Slider zur Spielesteuerung und wird mit vorinstallierten Spielen wie Asphalt Adrenaline 6, The Sims 3 oder Tetris ausgeliefert.

Ebenfalls neu sind die Android-Smartphones Xperia Neo und Pro von Sony Ericsson. Letzteres verfügt über eine ausschiebbare QWERTZ-Tastatur. Gleich fünf neue Smartphones präsentierte HTC. Noch nie hatte der Smartphone-Hersteller mehr Geräte auf einen Schlag angekündigt. Neu sind unter anderem die Modelle Desire S und Wildfire S, die mit dem kommenden Android 2.4 erscheinen sollen. Das Incredible S läuft mit Android 2.2 und ist schon auf dem US-Markt verfügbar. Die HTC-Smartphones Chacha und Salsa verfügen über einen speziellen Facebook-Knopf, mit dem sich Inhalte bequem zu Facebook weiterleiten lassen. Bei einem Anruf zeigen sie die aktuellen Facebook-Informationen, Fotos oder den Geburtstag des Anrufers an. Als Betriebssystem soll auch hier Android 2.4 zum Einsatz kommen.

LG präsentierte das Optimus 3D, mit dem sich 3D-Inhalte abspielen und auch aufnehmen lassen. 3D-Videos lassen sich direkt vom Mobiltelefon auf Youtube hochladen. Als Prozessor kommt dabei ein OMAP4-Prozessor von Texas Instruments mit Dual-Core-Technik und einer Taktrate von 1 GHz zum Einsatz.

Samsung präsentierte ausführlich sein Galaxy S2. Es verfügt über ein 4,27 Zoll großes Super-Amoled-Plus-Display, das dank mehr Subpixeln für ein noch klareres und detaillierter wirkendes Bild sorgen soll. Zudem sind eine 8-Megapixel-Kamera, ein HDMI-Ausgang und Near Field Communication (NFC) integriert. Als Betriebssystem kommt Android 2.3 mit Samsungs eigener Oberfläche Touch Wiz 4.0 zum Einsatz.

Motorola stellte mit dem Pro ein Android-Smartphone im Blackberry-Stil vor, das mit Android 2.2 läuft. Als Droid Pro gibt es das Modell schon seit einiger Zeit in den USA. Wann und zu welchem Preis Motorola das Pro auf den deutschen Markt bringen will, ist vollkommen unklar.

Neben dem ersten WebOS-Tablet zeigte HP auch die beiden neuen WebOS-Smartphones Veer und Pre3, die eine Woche vor der Handymesse erstmals vorgestellt wurden. Das Veer besticht durch seine kompakten Maße, während das Pre3 das bislang größte WebOS-Smartphone ist. Der 1,4-GHz-Prozessor im Pre3 beschleunigt den Start von Applikationen, so dass die Wartezeiten nicht mehr ganz so lang sind. Das Veer arbeitet mit 800-MHz-Prozessor; hier ist mehr Geduld gefragt.

Der auf Outdoor-Handys spezialisierte Hersteller Sonim zeigte sein XP3300 Force in einem Eisblock. Es soll bei Temperaturen von -20 Grad Celsius ebenso funktionieren wie bei hohen Temperaturen von 55 Grad Celsius.

Microsoft kündigte einige Neuerungen für Windows Phone 7 an. So soll der Internet Explorer 9 noch 2011 seinen Weg auf die Smartphone-Plattform finden. Keine Neuigkeiten gab es bei Microsofts neuem Partner Nokia. Mit ersten Geräten auf Basis von Windows Phone 7 ist bei Nokia wohl erst 2012 zu rechnen.



Mehr als nur Telefone und Tablets

Für Aufsehen sorgte die Firma Cupp: Sie integriert ARM-Prozessoren in herkömmliche Macbooks und bindet diese direkt an den Chipsatz an. So kann der ARM-Chip ebenso wie die Notebook-CPU auf Hardwarekomponenten des Rechners zugreifen. Auf einem Macbook Pro wurde das mit einer Netbook-Variante von Ubuntu-Linux gezeigt, auf einem anderen lief Android.

Das schwedische Unternehmen Myfc hat mit Powertrekk eine tragbare Brennstoffzelle vorgestellt, die einen internen Lithium-Ionen-Akku lädt. Darüber lassen sich per USB-Kabel Akkus in beliebigen mobilen Geräten laden, ohne dass ein Stromanschluss erforderlich ist. Von Synaptics gibt es neue kapazitive Touchscreens, die sich auch mit Handschuhen bedienen lassen. Synaptics zeigte, dass die berührungsempfindliche Oberfläche selbst dann noch reagiert, wenn ein Stapel Visitenkarten auf den Touchscreen gelegt wird. Die Reaktion war allerdings deutlich abgeschwächt. Auch haarnadelgroße Elemente kann der Touchscreen erkennen. Snapkeys verspricht schnelles Tippen mit sechs unsichtbaren Tasten: Auf nur vier der virtuellen Tasten bringt die Firma Snapkeys alle Buchstaben des Alphabets unter. Eine Worterkennung soll helfen, damit schneller zu tippen als mit jeder anderen virtuellen Tastatur.

People, Things, Places und Time alias Petitpetit (PTPT) heißt ein alternatives Bedienkonzept für Touchscreen-Geräte wie Tablets und Smartphones. Die Münchner Firma ExB will damit den Umgang mit Computern revolutionieren - muss aber noch an der Stabilität des in Entwicklung befindlichen Android-Aufsatzes arbeiten.

Die alternative Android-Oberfläche für Fipplr vereint diverse soziale Netzwerke unter einer speziellen Startbildschirmapplikation. Bei der Rotation des Android-Geräts um 90 Grad zeigt Fipplr seine Oberfläche im Expose-Modus.

Die GSMA, Organisator des Mobile World Congress, zog eine sehr positive Bilanz der Messe: Unter dem Strich steht ein Umsatzplus von 20 Prozent im Vergleich zu 2010 - insgesamt kamen 60.000 Besucher aus 200 Ländern nach Barcelona und fanden dort fast 1.400 Aussteller vor. 2012 findet die Veranstaltung vom 27. Februar bis 1. März erneut in Barcelona statt.  (ji)


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