Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81542.html    Veröffentlicht: 18.02.2011 15:37    Kurz-URL: https://glm.io/81542

Gedankensteuerung

BCI wird multitaskingfähig

Wissenschaftler aus der Schweiz haben ein Auswertungssystem entwickelt, das die Bedienung einer Gehirn-Maschine-Schnittstelle vereinfacht. Der Nutzer muss sich weniger auf die Kommandos konzentrieren und kann gleichzeitig an etwas anderes denken.

Wissenschaftler von der Eidgenössischen Technischen Hochschule im schweizerischen Lausanne (Ecole Polytechnique Federale de Lausanne, EPFL) haben eine Gehirn-Computer-Schnittstelle (Brain-Computer-Interface, BCI) entwickelt, mit der Patienten einen Rollstuhl steuern sollen. Das Besondere an dem BCI ist, dass es multitaskingfähig ist, was es dem Patienten ermöglicht, sich neben der Steuerung des Rollstuhls noch auf etwas anderes zu konzentrieren.

Drei Kommandos

Ein typisches BCI verstehe drei Kommandos, erklärt Projektleiter José del R. Millán: rechts, links, kein Kommando. Letzteres ist dabei ein Zustand zwischen links und rechts, der beispielsweise dafür gebraucht wird, dass ein damit gesteuerter Rollstuhl weiter geradeaus fährt. Diesen Zustand zu halten, erfordere eine hohe Konzentration und sei für den Nutzer jedoch recht anstrengend.

Das von Millán entwickelte BCI jedoch kann die Kommandos rechts und links von dem dritten Zustand unterscheiden und lernt, wann er eines der beiden statt des Kein-Kommandos aussendet. Die Bedienung des BC wird dadurch weniger anstrengend, der Nutzer kann dabei sogar anderen geistigen Tätigkeiten nachgehen, etwa Lesen.

Gedankenlesen

Dafür lernen die Wissenschaftler das BCI zunächst auf den Nutzer an: Dieser soll sprechen sowie laut oder leise lesen und dabei gleichzeitig an so viele der drei Steuerkommandos wie möglich denken. Mit Hilfe eines auf Wahrscheinlichkeitstheorie beruhenden Auswertungsprogramms, das die Wissenschaftler entwickelt haben, können sie verschiedene Kommandos unterscheiden. Das bedeutet, der Computer erkennt die Absichten des Nutzers.

Die Wissenschaftler haben ihre Entwicklung auf der Jahrestagung der wissenschaftlichen Gesellschaft der USA, der American Association for the Advancement of Science (AAAS), vorgestellt. Die Konferenz findet aktuell in der US-Hauptstadt Washington statt. Sie endet am 21. Februar.  (wp)


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