Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81498.html    Veröffentlicht: 17.02.2011 11:42    Kurz-URL: https://glm.io/81498

Auswärtiges Amt

Umstieg auf Windows nach massiven Mitarbeiterprotesten

Beschwerden der Mitarbeiter haben bewirkt, dass das Auswärtige Amt seine Clientrechner von Linux auf Windows XP umstellt. Das belegt ein internes Rundschreiben der IT-Abteilung.

90 Prozent der Mitarbeiter im Auswärtigen Amt, auf deren Rechnern Linux und Windows parallel installiert sind, nutzen vornehmlich die Windows-Version, wie ein internes Rundschreiben belegt, das netzpolitik.org vorliegt. Grund seien die vielen "ungelösten Interoperabilitätsprobleme", durch die die "Kommunikation und damit die Arbeitsfähigkeit zum Teil beeinträchtigt ist." Vor allem der Dokumententausch mit anderen Ressorts habe Probleme bereitet.

Die IT-Abteilung im Auswärtigen Amt beklagt, dass kein anderes Ressort dem Ansatz des Außenministeriums gefolgt sei. Zudem sei "ein übergreifendes Projekt zur Entwicklung eines Open Source Bundesclients" im Sommer 2010 vom Bundesministerium des Inneren (BMI) eingestellt worden, heißt es im Memorandum des Leiters des IT-Referats Michael Groß.

"Dies überforderte die Ressourcen der eigenen IT und ist auf Grund der Alleinstellung des AA und des damit verbundenen Aufwands - auch dies hat uns die Organisationsberatung mit Zahlen belegt - auf lange Sicht sogar teurer als der konventionelle Ansatz im Geleitzug mit anderen Bundesressorts."

McKinsey-Studie sagt höhere Kosten voraus

Die besagte Organisationsberatung ist das McKinsey Institut, das in einer Studie vom 19. März 2010 allerdings notiert, die Windows-Single-Boot-Variante sei "technisch möglich und aus Nutzersicht attraktiv, jedoch teuer, aufwendig und als Schritt schwer vermittelbar". Zudem bringe die Migration zu Windows "mittelfristig signifikante Lizenz- und Migrationskosten."

Dennoch hatte das Auswärtige Amt bereits im August 2010 beschlossen, die Arbeitsplatzrechner wieder komplett auf Windows umzustellen. 2011 sollen zunächst 3.000 Rechner in der Zentrale und in den Auslandsvertretungen auf das "vertraute" Windows XP umgestellt werden. Die übrigen 9.000 Arbeitsplätze sollen ab 2012 auf Windows 7 mit Office 2010 umgestellt werden, samt Outlook als neuem Mailsystem mit integrierter Kalender- und Kontaktfunktion.

Auswärtiges Amt spricht von gleichbleibenden Kosten

In der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Oliver Kazcmarek heißt es zu der Kostenfrage: "Es entstehen keine mittelbaren Kosten, im Gegenteil, durch die Einführung von standardisierten Softwareprodukten und die Nutzung von im Bund bereits vorhandenen Softwarelösungen sowie Hardwareproduktpaletten werden Effizienzgewinne (insbesondere im Hardwarebereich und bei nachfolgenden Betreuungsaufgaben) erwartet."

Die entlastete IT-Betreuung soll Mitarbeiter besser betreuen können, "weil die IT-Mitarbeiter nicht mehr eine Vielfalt von PC-Varianten mit ganz unterschiedlichen Problemen zu bearbeiten haben."  (jt)


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