Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81207.html    Veröffentlicht: 07.02.2011 12:10    Kurz-URL: https://glm.io/81207

WeTab Revisited

Nach Updates ein wenig Besserung

Die WeTab-Entwickler haben dem WeTab etliche Updates spendiert und damit die gröbsten Fehler beseitigt. Tatsächlich funktioniert das Gerät nun besser - aber immer noch nicht gut genug.

Auf der Verpackung des WeTabs wird mit der neuen Version 2.0 seiner Benutzeroberfläche WeTabOS geworben. Das 4tiitoo-Team versprach nach der ersten desaströsen Veröffentlichung des WeTabs, fehlende Funktionen nachzureichen. Inzwischen ist Version 2.1.1 der Benutzeroberfläche aktuell. Grund genug für Golem, sich die Fortschritte der Entwicklung des Tablets anzusehen.

Das aktuelle Update integriert Apps aus dem Adobe-Air-Marketplace besser: Verknüpfungen zu den Minianwendungen landen auf dem Desktop. Vorher konnten sie lediglich über den App-Launcher gestartet werden, der Verknüpfungen zu weiteren nachinstallierten Anwendungen beherbergt. Das WeTabOS erhielt die Unterstützung für Java 1.6 durch Icedtea, das auch als Plugin für den Browser zur Verfügung steht. Im Netzwerk kann das WeTabOS auf Windows-Freigaben zugreifen. Auch ein Rechtsklick ist in den einzelnen Anwendungen jetzt möglich: Dazu muss die entsprechende Schaltfläche 0,5 Sekunden lang gedrückt werden. Zusätzlich haben die Entwickler die Unterstützung für KDE-Anwendungen aktiviert.

Ärgerlichste Fehler beseitigt

Der ärgerlichste Mangel an der ersten Version des WeTabs war sicherlich die fehlende Multitouch-Funktion - vor allem weil sie groß auf der Verpackung, auf der beiliegen Beschreibung und in der Onlinehilfe des Geräts beworben wurde. Sie fehlte zunächst gänzlich und wurde scheibchenweise nachgereicht. Erst allmählich wanderte Multitouch in weitere Anwendungen, etwa in den Browser, die Bing-Maps-Anwendung und den zweiten Bildbetrachter. Diese Anwendungen können jetzt alle per Pinch-and-Zoom gesteuert werden. Multitouch funktioniert aber nicht in anderen Anwendungen, die durchaus davon profitieren könnten, etwa in dem beigelegten E-Book-Reader.

Multitouch oder auch nicht

Die beiden beigelegten Bildbetrachter bieten auch nicht die gleichen Multitouch-Funktionen: Der 4tiitoo-Picture-Viewer startet nur, wenn Bilder über den Dateimanager geöffnet werden. Dort ist die Multitouch-Funktion am weitesten ausgereift; die angezeigten Bilder können sogar rotiert werden. Ruft man den Bildbetrachter von der Benutzeroberfläche oder dem USB-Tab aus auf, startet die Anwendung 4tiitoo-Media-Gallery, die zwar Multitouch beherrscht - nicht aber die Rotation.

Im Browser kann per Multitouch in Webseiten gezoomt werden, allerdings rendert der Browser die Schriften zögerlich, oft erst, nachdem das Vergrößern beendet ist. Immerhin sieht die Schrift in der neuen Auflösung ordentlich aus und der Browser reagiert flink auf die Eingaben. Das Gleiche gilt auch für die Anwendung Bing Maps, hier verpixelt bei hohen Auflösungen lediglich das gebotene Kartenmaterial.

Aktualisierte Benutzeroberfläche

An der Handhabung der Benutzeroberfläche haben die 4tiitoo-Entwickler offensichtlich gearbeitet: Die Schaltflächen der E-Mail-, Kalender- und Adressbuchanwendungen wurden ebenso vergrößert wie die der beigelegten Bürosoftware Openoffice.org. Damit wirkt die Oberfläche konsistenter als zuvor. Die Gtk-basierten Dialogfenster hingegen sehen etwas altbacken aus.

In der aktuellen Version von WeTabOS ist die Rotation um 180 Grad so beschleunigt worden, dass sich der Bildschirminhalt weitgehend ohne Flackern dreht. Bei einer Rotation um 90 Grad hingegen, die beispielsweise mit dem geöffneten Browser möglich ist, flackert der Bildschirm jedoch nach wie vor recht heftig.

Im Vergleich zur neuen Honeycomb- oder iOS-Oberfläche wirkt das WeTabOS oft wie ein Sammelsurium von Anwendungen, das teilweise an die Linux-Benutzeroberflächen von früher erinnert. Das dürfte auch dem Last-Minute-Wechsel von Debian/Ubuntu auf das noch nicht ganz marktreife Meego geschuldet sein.

Bessere Hardwareunterstützung

Immerhin stürzte das Tablet in unserem Test kein einziges Mal ab und die Anwendungen, die wir ausprobiert haben, liefen ebenfalls problemlos. Auch über den USB-Port angeschlossene externe Geräte werden weitgehend vom System erkannt, etwa ein angeschlossener Cynergy-T2-DVB-T-Stick. Von einigen Digitalkameras ließen sich die daraufliegenden Bilder jedoch nicht öffnen, etwa von einer Canon EOS 400D.

Erfreulicherweise wurde das Einstellungsmenü deutlich erweitert. Darüber lässt sich beispielsweise ein Drucker anschließen, der Umgebungslichtsensor ein- und ausschalten oder der inzwischen weitgehend funktionsfähige HDMI-Ausgang aktivieren. Nachdem zunächst Updates ungefragt auf dem WeTab landeten, können Anwender diese Option jetzt ausschalten. Der Netzwerkmanager merkt sich jetzt Passwörter, vergisst aber eingegebene WPA-Schlüssel.

Der WeTab-eigene App-Market enthält weiterhin nur wenige Applikationen. Neu hinzugekommen sind hauptsächlich Anwendungen aus dem Open-Source-Bereich, die die Funktionen des Tablets erweitern sollen. Dazu zählt auch die Applikation Me-TV, über die per DVB ferngesehen werden kann. Zwar können Apps inzwischen auch über den Adobe-Air-Marketplace bezogen werden, allerdings fehlt immer noch die versprochene Unterstützung für Android-Apps.

Fazit

Die Hardware ist die gleiche wie im Oktober 2010, daran wird sich auch sobald nichts ändern. Das 4tiitoo-Team hat das System gleich mehrmals aktualisiert und vor allem an der Hardwareunterstützung gefeilt. Insgesamt reagiert das Tablet zügiger auf Eingaben, bis auf einige Aussetzer beim Wischen über den Desktop. Der Lüfter springt hingegen öfter an als zuvor.

Im Vergleich zu den Oberflächen von iOS oder Android wirkt das WeTabOS unmodern bis altbacken. Mit den geplanten Compositing-Effekten soll sich das ändern. Der Spagat zwischen einem Tablet und einem PC, den das WeTab wagte, rächt sich nach wie vor, denn die Tabletfunktionen, etwa Multitouch, rücken bei der Entwicklung in den Hintergrund.

Die zahlreichen Anwendungen aus der Linux-Welt bieten einen üppigen Anwendungsfundus, allerdings ist die Portierung auf die Touchscreen-Oberfläche offensichtlich nicht einfach. Als Beispiel soll hier die Anwendung Stellarium dienen, die zwar schicke Effekte bietet, aber die Eingabe des aktuellen Standorts erschwert, weil die Tastatur dort nicht verfügbar ist.

Es sind auch noch einige Baustellen offen: Die angekündigte Dockingstation, mit der das WeTab als PC verwendet werden kann, ist noch nicht erhältlich. Zudem fehlt auch immer noch die versprochene Möglichkeit, Android-Apps zu installieren. Dort stehen die 4tiitoo-Entwickler vor der technischen Hürde, die Dalvik-Engine auf das WeTabOS zu portieren. Ob das kürzlich veröffentliche SDK Entwickler motiviert hat, Apps für das Tablet zu erstellen, lässt sich bislang noch nicht feststellen. Der WeTab-eigene App-Marketplace wirkt weiterhin verwaist.

Unzulänglichkeiten sind immer noch sichtbar, obwohl sich die Entwickler offensichtlich bemühen, das WeTab konkurrenzfähig zu machen. Immerhin darf sich das Tablet mit Intel-Atom-CPU regelmäßig als Intel-Partner präsentieren - als erstes Tablet überhaupt mit dem Meego-Betriebssystem.

Man merkt dem WeTab die Verbesserungen an, allerdings wirken das WeTab und seine Benutzeroberfläche WeTabOS noch immer unfertig. War die erste Version des Tablets noch fast unbrauchbar, ist die aktuelle Version weitgehend funktionsfähig. Abstriche müssen Anwender aber weiterhin bei der Benutzeroberfläche hinnehmen, die inkonsistent ist.  (jt)


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