Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81199.html    Veröffentlicht: 04.02.2011 11:10    Kurz-URL: https://glm.io/81199

Ägypten

Vodafone und France Télécom versenden Regierungspropaganda

Ägyptens Regierung lässt Propaganda per SMS verbreiten. Die Mobilfunknetzbetreiber beklagen, dass bewaffnete Polizisten sie dazu zwingen würden.

Die ägyptischen Mobilfunkbetreiber versenden Regierungspropaganda an alle Teilnehmer des Landes. Das gab Vodafone Egypt bekannt. Laut den Angaben wurde der Konzern gezwungen, die SMS auszusenden.

"Nach den Notstandsbefugnissen im Telekommunikationsgesetz können die ägyptischen Behörden die Mobilfunknetzbetreiber Mobinil, Etisalat und Vodafone anweisen, Nachrichten an die Menschen in Ägypten zu verschicken", so Vodafone Egypt. "Sie haben seit dem Beginn der Proteste davon Gebrauch gemacht. Diese Nachrichten wurden nicht von einem der Netzbetreiber verfasst, und es ist uns nicht möglich, gegenüber der Staatsgewalt Einfluss auf die Inhalte der Nachrichten zu nehmen."

Die Vodafone-Konzernmutter habe gegen diese "unerträgliche Situation" protestiert und gefordert, dass der Absender der Nachrichten für die Menschen eindeutig kenntlich gemacht werden müsse.

Vodafone Egypt gehört mehrheitlich zu Vodafone. Im September 2010 hatte das Unternehmen 28,8 Millionen Kunden und war damit der größte Betreiber des Landes. Konkurrenten von Vodafone Egypt sind Mobinil und Etisalat. Egyptian Co. for Mobile Services ist bekannt unter dem Namen Mobinil. Etisalat Egypt ist ein Tochterunternehmen der staatlichen Gesellschaft für Telekommunikation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mobinil ist ein Gemeinschaftsunternehmen der France Télécom und der ägyptischen Orascom Telecom. Egyptian Co. for Mobile Services, wie der Mobinil-Betreiber heißt, hat circa 25 Millionen Nutzer.

Seit Beginn der Massenproteste sei der Kurznachrichtendienst der Netzbetreiber eingeschränkt oder ganz abgeschaltet worden, erklärte Vodafone Egypt weiter. Doch für die Regierungspropaganda sei der Versand ermöglicht worden. Die Nachrichten hatten Inhalte wie: "Die ägyptische Jugend muss sich davor hüten, Gerüchten zu glauben und muss stattdessen auf die Stimme der Vernunft hören. Jeder ist dafür verantwortlich, Ägypten zu schützen." Die Regierung hatte tagelang eine Abschaltung des Internets und der Mobilfunknetze angeordnet.

France-Télécom-Chef Stephane Richard sagte dem Wall Street Journal am 3. Februar 2011: "Wenn bewaffnete Polizisten in ihre Büroräume kommen, können sie nicht viel machen." Bei der Lizenzvergabe habe sich die Regierung Vollmachten zugesichert, nach denen die Netze jederzeit abgeschaltet werden können.  (asa)


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