Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81161.html    Veröffentlicht: 04.02.2011 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/81161

3D-Brillen

Drehen, bis der Bildschirm schwarz wird

Wer eine 3D-Brille zu Hause hat, kann sie zweckentfremden. Mit ihr lässt sich im Geschäft der Paneltyp von Bildschirmen bestimmen, wenn der Verkäufer nicht genau weiß, was er verkauft. Und der Monitor putzen: Ein Dreh, und der Dreck leuchtet.

Mit bestimmten 3D-Brillen lassen sich nicht nur Filme ansehen - ihre Polarisationsfilter machen zwei originelle Arten der Zweitverwertung möglich: die Bestimmung des Paneltyps und die Reinigung des Monitors - im Dunkeln. Dafür muss der Anwender einfach die Brille umdrehen, also von vorne hindurchschauen, und sie anschließend drehen, bis der Bildschirm schwarz wird - ein Effekt, der von Polarisationsfiltern von Kameras bekannt ist. Je nach Paneltyp geschieht das bei unterschiedlichen Drehwinkeln; bei einigen gar nicht. Golem.de hat das an zahlreichen Displays mit LC-Display und OLED-Technik ausprobiert.

Benutzt wurde dafür eine Polarisationsbrille, wie sie in 3D-Kinos verwendet wird (Real D 3D), da sie am gebräuchlichsten ist. Außerdem wurde Nvidias Shutterbrille ausprobiert, die allerdings andere Effekte erzeugt als die Real-D-Brille. Blickt der Nutzer durch die Real-D-Brille, werden TN-Panel bei einer Rechtsdrehung um 135 Grad schwarz, VA-Panel bei 0 Grad - also in der Waagerechten - und IPS-Panel bei 90 Grad. An der nachfolgenden Tabelle lässt sich gut erkennen, dass sich so recht zuverlässig der Paneltyp bestimmen lässt.

Bei der inaktiven Nvidia-Shutterbrille müssen 45 Grad von den Werten abgezogen werden. Ohne diese Abweichung würde der Nutzer beim Blick auf ein VA-Panel mit der Shutterbrille in der Waagerechten ein schwarzes Bild sehen; die Shutterbrille wird in beiden Blickrichtungen dunkel.

Die Ausrichtung des Panels

Für die Displayanalyse mit 3D-Brille ist es notwendig zu wissen, in welcher Ausrichtung ein Panel verbaut wurde. Die meisten TN-Panel-Hersteller verarbeiten ihre Panels so, dass sie bei der Blickwinkelstabilität nach unten hin qualitativ abfallen. Bei Tablets ist allerdings schwer zu beurteilen, wo unten ist. Die Panels von Toshibas Folio 100, des WeTab und von Viewsonics Viewpad 7 fallen nach unten hin ab, wenn das Tablet in der Hauptposition, also quer, gehalten wird.

Anders ist das bei Sharps hierzulande nicht verfügbarem 5-Zoll-Tablet Galapagos. Hier ist das Panel um 270 Grad nach rechts gedreht, das Tablet wird allerdings primär hochkant gehalten; demzufolge wird aus dieser Position nach unten hin der Bildschirm schlechter.

Bei Tablets, die tatsächlich kein definiertes Unten haben, lässt sich besonders schwer herausfinden, in welcher Ausrichtung das Panel verbaut wurde. Beim iPad von Apple ist mit der 3D-Brille nicht zu unterscheiden, ob es sich um ein IPS- oder ein VA-Panel handelt. Hier hilft nur der Blick ins Datenblatt. Das Risiko, die Ausrichtung des Panels falsch zu beurteilen, besteht grundsätzlich bei jedem Gerät; allerdings ist es unwahrscheinlich, dass ein TN-Panel um 90 Grad nach rechts gedreht in einen Monitor eingebaut wird, da der Nutzer dann von links kaum noch ein Bild erkennen würde. Auch Vergleiche mit den Datenblättern der getesteten Geräte haben keinen Irrtum bei der Beurteilung mit der 3D-Brille aufgedeckt.

Monitore mit Beschichtung nicht immer erkennbar

Bei einigen Geräten lässt sich der Paneltyp mit Hilfe der 3D-Brille jedoch einfach nicht bestimmen. Eins davon ist das HP Elitebook 2740p mit Outdoor-Panel von BOE Hydis. Neben einer speziellen Outdoor-Beschichtung hat der Bildschirm auch einen Digitizer und einen kapazitiv arbeitenden Touchscreen. Der Bildschirm zeigte interessante Regenbogeneffekte mit verschiedenen Mustern in verschiedenen Winkeln.

Ein iPhone 4 - hier wissen wir aus dem Datenblatt, dass es ein IPS-Panel hat - zeigt ähnliche Effekte. Das WeTab zeigte die Farbeffekte nicht, wurde aber auch nicht schwarz, trotz des verbauten TN-Panels. Das iPad - mit IPS-Panel und kapazitivem Touchscreen - wurde schwarz. Zwischen iPad und iPhone 4 gibt es also einen produktionstechnischen Unterschied bei den Displayschichten.

Mit dem Nokia E55 und dem Motorola Razr V3 brachte die Analyse mit der 3D-Brille überraschenderweise kein Ergebnis. Der Bildschirm wurde nie dunkel.

Monitore mit der 3D-Brille putzen

Außer für die Monitorbestimmung kann eine 3D-Brille auf eine weitere Weise zweckentfremdet werden: Sie hilft beim Putzen des Monitors im Dunkeln. Dafür muss die Brille ebenfalls umgedreht und anschließend so lange gedreht werden, bis der Bildschirm schwarz ist. Flecken, Staub und anderer Schmutz bleiben durch die Brille sichtbar und lassen sich so leicht entfernen.

Wie die Effekte zustande kommen

Die Effekte werden durch die Brechung des Lichts verursacht, wie Bernd Duckstein vom Fraunhofer Heinrich Hertz Institut im Gespräch mit Golem.de erklärt. Ein Schmutzteilchen wird vom austretenden Licht des Bildschirms mit seiner Polarisation bestrahlt. Das polarisierte Licht wird allerdings so weit gebrochen und abgelenkt, dass die strenge Polarisation dort aufgehoben wird. Eine derart gestörte Ausbreitungswelle des Lichts wird also sichtbar, obwohl die Lichtquelle selbst mit der 3D-Brille abgedunkelt wurde.

Ein ähnliches Phänomen vermutet Duckstein bei den Geräten, die durch die Brille nicht abgedunkelt werden können und teils Farbenspiele bieten. Bei der Herstellung müssten Produzenten eines Bildschirms darauf achten, dass zum Beispiel eine Touchscreen-Schicht die Wellenrichtung des austretenden Lichts nicht ungleichmäßig beeinflusse, wenn dieser 3D unterstützen solle.

Der Werkzeugkasten von Golem.de ist eine Sammlung kleiner Hilfsprogramme, die die Redaktion einsetzt. Vielleicht gibt es Alternativen, die ein Problem besser lösen? Wir freuen uns über Rückmeldungen und Tipps zu vergleichbaren Werkzeugen - auch für andere Betriebssysteme - im Forum.  (ase)


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