Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81145.html    Veröffentlicht: 02.02.2011 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/81145

Australien

Erst scannen, dann trinken

Clubs und Kneipen in Australien setzen auf Biometrie, um Schläger fernzuhalten. Wer tanzen oder ein Bier trinken gehen möchte, muss vorher seinen Fingerabdruck scannen lassen.

Wer in Australien Clubs oder Kneipen besuchen möchte, wird immer häufiger aufgefordert, sich fotografieren oder einen Finger scannen zu lassen. Die australische Tageszeitung Sydney Morning Herald berichtet, auf diese Weise wollten die Betreiber von Gaststätten und Diskotheken gewalttätige Gäste fernhalten.

Abgleich mit Datenbank

Die Daten - neben Foto und Fingerabdruck auch ein Scan des Ausweises - werden zum Teil in großen Datenbanken gespeichert, die von Unternehmen betrieben werden. Sie sind jedoch nicht mit den Datenbanken der Polizei gekoppelt. Betritt ein Gast einen Pub oder eine Diskothek, muss er seinen Finger auf ein biometrisches Lesegerät legen. Der Fingerabdruck wird mit einer Datenbank abgeglichen. Ist die Person dort registriert, erscheint der entsprechende Eintrag mit Name, Foto und Grund der Registrierung. Der Türsteher kann dann entscheiden, ob er die Person einlässt oder nicht.

In den Datenbanken werde ein Mensch nicht erfasst, nur weil er nicht nach Hause gehen wolle, sondern nur, wenn er ein akutes Sicherheitsrisiko darstelle, sagte Peter Perrett, Chef des Unternehmens ID-Tect dem australischen Branchendienst ZDNet Australia. ID-Tect betreibt mit idEye die größte dieser Datenbanken. Derzeit melden sich Gaststätten und Diskotheken in Scharen bei solchen Datenbanken an. Die Nachfrage explodiere geradezu, sagte Perret.

Jahrelange Speicherung

Die Daten werden zum Teil jahrelang gespeichert - manche Betreiber von Datenbanken werben sogar mit langer Speicherdauer. Deren Kunden können Daten einsehen und untereinander austauschen. Ein Gast kann verlangen, dass seine Daten gelöscht werden. Das gilt aber nicht für diejenigen, die schon auffällig geworden und deshalb vorgemerkt sind; ihre Daten bleiben gespeichert.

Möglich ist das Geschäft, weil diese Datenspeicherung nicht unter das australische Datenschutzgesetz fällt. Tim Pilgrim, oberster Datenschützer des Landes, kritisierte, dass er nicht berechtigt sei, diese Datenbanken zu überprüfen. So könnten die Datenbankbetreiber unkontrolliert personenbezogene Daten speichern, nutzen und austauschen.

Kritik der Branche

Möglicherweise ist das aber nicht mehr lange der Fall. Denn Kritik daran kommt sogar aus den eigenen Reihen: Der Branchenverband Biometrics Institute Of Australia hat eine Änderung des Datenschutzgesetzes gefordert. So fordert der Verband beispielsweise eine obligatorische Überprüfung der Auswirkungen von Datenspeicherungen auf die Privatsphäre.  (wp)


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