Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1102/81103.html    Veröffentlicht: 01.02.2011 12:26    Kurz-URL: https://glm.io/81103

Viewpad 7 im Test

Günstiges Android-Tablet mit UMTS

Wer ein kleines Android-Tablet sucht und nicht so viel Geld ausgeben will wie für Samsungs Galaxy Tab, der findet in Viewsonics Viewpad 7 vielleicht eine Alternative. Der niedrigere Preis ist dem Viewpad allerdings auch anzumerken.

Die Zahl der Tablets, die sich einfach in die Manteltasche stecken lassen, ist noch gering. Eines dieser Geräte ist das 7-Zoll-Tablet von Viewsonic. Das Viewpad 7 ist aufgrund der geringen Größe, des Gewichts von unter 380 Gramm und der integrierten Kommunikationslösung eine Alternative zu dem von uns getesteten Galaxy Tab von Samsung. Die Eckdaten sind also gleich, mit rund 400 Euro ist das Viewpad allerdings günstiger als Samsungs Tablet, das ursprünglich das Doppelte gekostet hat.

Ausstattung

Das Viewpad bietet WLAN und WWAN (Datenblatt). Während beim WLAN nur 802.11b/g unterstützt werden, ist die UMTS/GSM-Einheit vielfältiger. Vorwiegend für Freisprechtelefonate bietet das Viewpad 7 eine Quadbandlösung. Auch für schnellen Datentransfer ist das Tablet mit den Frequenzen 850, 900 und 1.800 MHz erfreulich vielseitig. In den meisten Ländern kann der Anwender mit dem Gerät also arbeiten und etwa eine lokale und günstige Prepaid-Karte einsetzen.

Neben dem Schacht für die SIM-Karte gibt es auch einen Schacht für SD-Karten. Normale SD-Karten, wie beispielsweise aus einer Kamera, passen allerdings nicht in das Gerät. Es nimmt nur Micro-SD-Karten an. Die werden in der Regel auch gebraucht, denn das Viewpad 7 hat mit 512 MByte internem Speicher erstaunlich wenig Speicherkapazität. Es ist so wenig Kapazität vorhanden, dass die halbwegs brauchbare Kamera die Arbeit verweigert, wenn keine SD-Karte eingelegt ist.

Der Prozessor ist ein Qualcomm Arm11 mit 600 MHz. Das ist kein schneller Prozessor und so werden einige Anwendungen vom Android-Store gar nicht erst angeboten. Beispielsweise konnten wir uns den Flugsimulator X-Plane im Android-Market nicht herunterladen. Dieses Spiel fragt über den Marktplatz direkt ab, ob die Hardware ausreichend schnell ist. Dass der Prozessor nicht der schnellste ist, merkt der Anwender auch beim normalen Nutzen gelegentlich. Der Browser ruckelt ein wenig beim Scrollen und beim Spiel Angry Birds ruckelt es zum Teil erheblich. Auch das Flash-Plugin wird nicht unterstützt, was wohl der langsamen Hardware geschuldet ist. Sie würde eine flüssige Flashdarstellung wohl kaum möglich machen.

Bildschirm mit schwerfälligem Touchscreen

Der Touchscreen arbeitet kapazitiv. Allerdings ist er für diesen Typ ungewöhnlich schwerfällig. Selbst nach einiger Benutzung ist der Touchscreen zu glatt und die Finger bleiben leicht hängen. Vor allem, nachdem das Gerät geputzt wurde, ist die Bedienung hakelig. Zudem reagiert der Touchscreen häufig nicht auf leichte Berührungen. Der Anwender muss sich an einen kräftigeren Druck mit den Fingern gewöhnen.

Das Display mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln ist ein typisches TN-Panel. Bei ungünstigem Blickwinkel schaut der Anwender also auf invertierte Farben. Das passiert in der Regel nur im Querformat. Von dieser Position aus fällt das Display nach unten hin qualitativ ab. Im Hochformat stört das fast gar nicht. Außerdem sind einfarbige Farbflächen etwas unruhig. Es sieht aus, als wäre das Bild leicht verrauscht.

Wie bei Tablets typisch, spiegelt das Display. Aufgrund der recht hohen Helligkeitswerte, die das Viewpad 7 erreichen kann, stört das aber nur selten. Viewsonic gibt einen Helligkeitswert von 350 cd/qm an.

Laden per USB

Auf proprietäre Anschlüsse oder den noch sehr seltenen PDMI-Standard verzichtet Viewsonic. Geladen und synchronisiert wird das Viewpad mit einem Mini-USB-Anschluss. Zum Aufladen sollte allerdings das mitgelieferte Netzteil verwendet werden. An einem Notebook braucht das Viewpad beispielsweise deutlich länger als eine Nachtruhe für einen vollständigen Ladevorgang.

Die Akkulaufzeiten sind im Test nicht negativ aufgefallen. Bei gelegentlicher Nutzung war fast eine Woche Standby möglich. Vor allem bei hohen Helligkeitseinstellungen muss der Nutzer aber damit rechnen, dass das Tablet alle ein bis zwei Tage aufgeladen werden muss. Wer es darauf anlegt, bekommt das Viewpad in etwa vier Stunden leer.

Android

Zu der Android-Version lässt sich nicht besonders viel sagen. Es ist die Version 2.2 alias Froyo, die nur wenig an das Gerät angepasst wurde. Bei vielen Konkurrenzgeräten wurde in die Anpassung mehr Mühe investiert. Allerdings bewahrt Viewsonics Ansatz die Firma auch vor Problemen, wie sie andere Tablets aufgrund unfertiger Software haben. Viewsonic beschränkt sich auf einige vorinstallierte Anwendungen, darunter Dateibrowser, Notizblock und RSS-Reader. Außerdem gibt es eine CooTek T+ genannte virtuelle Tastatur, die dem Tastaturkonzept von Rims Blackberry-Smartphones ähnelt. Zwei Buchstaben müssen sich hier trotz QWERTZ-Layout eine Taste teilen. Das funktioniert dank eingebautem Wörterbuch ganz gut und ist im Hochformat recht angenehm.

Im Vergleich zum Galaxy Tab fällt auf, dass Viewsonic sich dafür entschieden hat, das Tablet primär im Querformat zu nutzen. Nicht alle Anwendungen erlauben den Wechsel ins Hochformat. Dazu gehört auch der Startbildschirm. Samsung geht den umgekehrten Weg.

Zu den Anpassungen gehören auch etwas seltsam anmutende Android-Tasten. Das Kontextmenü und die Such-Taste sind als solche noch zu erkennen. Die seltsamen Symbole auf den anderen Tasten sind jedoch etwas verwirrend.

Viewpad 7 gegen das Galaxy Tab

Unterschiede zum Galaxy Tab gibt es - trotz vergleichbarem Formfaktor und Gewicht - reichlich. Das Viewpad in fast jeder Hinsicht dem Galaxy Tab unterlegen; nur der Preis ist geringer. Sehr deutlich merkt der Anwender die Schwächen beim Display. Während sich das Galaxy Tab durch eine schöne Farbdarstellung auszeichnet, egal von wo der Anwender guckt, muss sich der Viewpad-Anwender mit einer schlechteren Farbdarstellung begnügen und zudem aufpassen, in welchem Winkel er auf den Bildschirm schaut.

Der Hauptprozessor von Samsung ist dem Viewpad-Kern ebenfalls deutlich überlegen. Samsung nutzt einen Kern, der Apples A4-Chip recht ähnlich ist. Außerdem gibt es viel mehr Speicher. Während das Galaxy Tab mit seinen 16 GByte auch ohne Zubehör vernünftig einsetzbar ist, muss der Viewpad-Besitzer nach dem Auspacken erst einmal eine Speicherkarte kaufen, um mehr als 512 MByte Speicher nutzen zu können.

Abstriche muss der Anwender auch beim WLAN machen. Samsungs Galaxy Tab, wie auch Apples iPad, kann zusätzlich auf dem 5-GHz-Band funken, das Viewpad nur nach 802.11b und g (2,4 GHz). Die Geschwindigkeit ist für die meisten Aufgaben ausreichend. Allerdings bremst ein 802.11g-Gerät einen modernen Access Point etwas aus.

Ungewisse Zukunft

Ob das Viewpad 7 noch eine neue Android-Version bekommt, sagte der Hersteller Golem.de nicht. Wir gehen daher davon aus, dass das Gerät nur noch wenig gepflegt wird. Ohnehin hat Viewsonic schon durchblicken lassen, dass auf dem Mobile World Congress in Barcelona neue Modelle präsentiert werden.

Das Viewpad 7 ist bereits im Handel verfügbar. Der Preis liegt bei knapp 400 Euro.

Fazit

Wäre das Tablet gleichzeitig mit dem Galaxy Tab erschienen, wäre es als preisgünstigere Alternative infrage gekommen. Mittlerweile ist der Preis des Galaxy Tabs von 800 Euro auf knapp 500 Euro stark gefallen und damit der preisliche Abstand des Viewpads zum Galaxy Tab mit dem deutlich besseren Display und sehr viel mehr integrierten Speicher zu gering. Das liegt vor allem am kommenden Mobile World Congress: Die Hinweise verdichten sich, dass Samsung einen Nachfolger des Galaxy Tabs auf den Markt bringen will. Gegen eine Anschaffung des Viewpads spricht außerdem die anstehende Veröffentlichung von Android 3.0. Wer jetzt unbedingt ein Android-Tablet braucht, sollte doch lieber zum Galaxy Tab greifen, auch wenn Samsungs Tablet 100 Euro mehr kostet.

Zum Viewpad können wir derzeit einfach nicht raten. Das liegt nicht nur an der Hardware. Es sind einfach zu viele Neuheiten zu erwarten und günstige Restposten wie Samsungs Tablet lassen das Viewpad wahrlich nicht gut aussehen.  (ase)


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