Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1101/81091.html    Veröffentlicht: 31.01.2011 17:04    Kurz-URL: https://glm.io/81091

Intel

Bug in Chipsätzen der Serie 6 für Sandy-Bridge-CPUs (Update)

Die Serie "Cougar Point" der Chipsätze für Intels neue Core-i-Prozessoren hat einen Fehler. Intel hat das Problem, durch das SATA-Geräte nicht richtig funktionieren können, nach eigenen Angaben bereits gefunden und gelöst. Es ist so schwerwiegend, dass das Unternehmen seine Umsatzprognose gesenkt hat.

In einer technisch sehr knappen Mitteilung macht Intel die Öffentlichkeit auf einen Bug aufmerksam. Die Leistung der SATA-Ports der Serie-6-Chipsätze könne sich "mit der Zeit verschlechtern", heißt es darin. SATA-Geräte wie Festplatten würden dann nicht mehr korrekt arbeiten. Ob auch das Risiko eines Datenverlusts besteht, was wahrscheinlich ist, erklärt Intel nicht. Das Unternehmen will in Kürze weitere Details in einer Telefonkonferenz bekanntgeben.

Die direkten Kunden, also die Hersteller von PCs, hat Intel über den Fehler bereits informiert. Die Lösung des Problems besteht in neuen Chipsätzen - per Software ist der Fehler offenbar nicht zu beheben. Derzeit ist noch unklar, ob auch bereits verkaufte PCs mit Chipsätzen der Serie 6 zurückgerufen werden. Intel deutet das jedoch in seiner Stellungnahme an und will PC-Hersteller dabei unterstützen. Das Unternehmen hat die Produktion der fehlerhaften Bausteine bereits eingestellt und will Ende Februar 2011 korrigierte Versionen liefern. Das bisher erreichte Volumen der Produktion soll aber erst im April 2011 erneut erreicht werden.

Im ersten Quartal 2011 erwartet Intel eine Belastung des Umsatzes von 300 Millionen US-Dollar durch den Vorfall. Damit erwartet Intel im ersten Quartal 2011 einen Umsatz von 11,3 bis 12,1 Milliarden US-Dollar. Zuvor lag die Prognose bei 11,1 bis 11,9 Milliarden US-Dollar. Zu der Erhöhung kommt es durch den Abschluss der Übernahme der Mobile-Chipsparte von Infineon durch Intel. Dagegen sinkt die erwartete Bruttomarge von 64 auf 61 Prozent. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen von 3,4 Milliarden US-Dollar auf 3,6 Milliarden US-Dollar.

Nachtrag vom 31. Januar 2011, 18:25 Uhr

Wie Intel im Rahmen einer Telefonkonferenz erläuterte, erwartet das Unternehmen zusätzlich zum Umsatzausfall von 300 Millionen US-Dollar noch Kosten von 700 Millionen US-Dollar für den Austausch der fehlerhaften Chipsätze. Wie der Umtausch ablaufen soll, klärt das Unternehmen derzeit mit den Herstellern von PCs und Mainboards. Diese müssen dazu auf jeden Fall den Chipsatz austauschen, der bei Cougar Point immerhin nur noch aus einem Baustein besteht.

Intel legte Wert auf die Feststellung, dass es sich um ein Problem mit dem Chipsatz, nicht um ein Problem mit dem Prozessor handelt - der nützt allerdings ohne einen Chipsatz der Serie 6 nichts, weil nur Intel die passenden Bausteine anbietet. Dennoch will Intel die Prozessoren weiter anbieten, die korrigierten Chipsätze kommen frühestens Ende Februar 2011 bei den PC-Herstellern an.

Wie Steve Smith, Leiter der PC-Client-Abteilung bei Intel, auf Nachfrage erklärte, ist dem Chiphersteller das Problem seit knapp zwei Wochen bekannt. Erst in der Nacht vor der Bekanntgabe des Fehlers hat sich Intel zu der ungewöhnlichen Aktion entschlossen.

Zwei der sechs SATA-Ports können verschleißen

Das Problem sei "beim Design übersehen worden", sagte Smith. Erst nach der Fertigung von über 100.000 Sandy-Bridge-Systemen bei den PC-Herstellern habe es entsprechende Rückmeldungen von diesen Unternehmen gegeben. Sie hätten herausgefunden, dass sich die Qualität der Datenübertragungen über vier der sechs vorhandenen SATA-Ports verschlechtern kann, wenn der Chipsatz länger höheren Temperaturen oder Spannungen am Rande der Spezifikationen ausgesetzt war. Laut Steve Smith entsprechen diese Tests einem Zeitraum von "zwei oder drei Jahren", in denen ein PC konstant genutzt wurde.

Da es sich um einen Verschleiß handle, könne Intel die Ausfallrate der Chipsätze nur hochrechnen, sagte Smith. Das Ergebnis der Prognose: Auf fünf Prozent der aktuellen Notebooks mit einem Sandy-Bridge-Chipsatz könnte bei drei Jahren fortlaufender Benutzung das Problem auftauchen.

Der Fehler sei bis zum Test von sehr vielen Systemen auch bei Intels eigenen Tests nicht bemerkt worden, habe dann aber nach dem Hinweis eines namentlich nicht genannten PC-Herstellers schnell nachgestellt werden können. Die Entwickler der Chipsätze hätten daraufhin in einem der Metal-Layer den Fehler in der Schaltung gefunden. Er betreffe die vier 3-GBit-Ports für SATA-Laufwerke, die auf manchen Serie-6-Chipsätzen vorhandenen zwei 6-GBit-Ports seien nicht betroffen.

Smith zufolge kann sich die Fehlerrate auf den SATA-Verbindungen erhöhen, bis eventuell irgendwann die Festplatte nicht mehr erkannt wird. Ob es davor auch schon zum Übertragen von fehlerhaften Daten - und damit Fehlern in Dateisystemen - kommen kann, erklärte der Intel-Manager nicht.

Für Intel selbst soll das Problem leicht zu lösen sein. Da nur ein Metal-Layer der Chipsätze betroffen sei, seien die Änderungen an dem Baustein gering, sagte Smith. Zudem würden die Chips in einer gut laufenden 65-Nanometer-Fabrik gefertigt, die schnell umgestellt werden könne. Die Einführung der Dual-Core-Versionen von Sandy Bridge, die sich ohnehin schon verzögert hatte, werde sich dadurch erneut "um einige Wochen" verschieben, sagte Smith. Für den Rest der Intel-Pläne gelte aber: "Unsere Roadmap ändert sich nicht, und die Herstellungskapazitäten auch nicht."

Deutlich mehr Probleme dürfte der Fehler den PC-Herstellern bereiten, weil sie auf fertigen Sandy-Bridge-Produkten sitzen, die erst geändert werden müssen. Der Austausch eines auf dem Mainboard verlöteten Chipsatzbausteins ist zwar möglich, aber vor allem bei einem Notebook fehleranfällig - der Mobilrechner muss erst zerlegt werden. Zudem müssen die PC-Hersteller ihre eigenen Tests des fertigen Geräts erneut durchführen. Vorerst werden also vor allem die bisherigen Core-i-Prozessoren weiter verkauft, für diese sieht Intel im ersten Quartal 2011 eine erhöhte Nachfrage - wie lange diese befriedigt werden kann, ist aber noch ungewiss. [von Achim Sawall und Nico Ernst]  (nie)


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