Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1101/80978.html    Veröffentlicht: 26.01.2011 15:09    Kurz-URL: https://glm.io/80978

Test

KDE SC 4.6 zeigt Aktivität und glättet Fenster

Das KDE-Team hat bei der Entwicklung der KDE SC 4.6 viel Arbeit in den Unterbau der Softwaresammlung gesteckt. Über den Fenstermanager Kwin werden deren Ergebnisse sichtbar.

KDE SC 4.6 bringt zahlreiche Änderungen an den unsichtbaren Schnittstellen der Anwendungssammlung. Das Solid-Framework von KDE kommuniziert künftig über die modernen Linux-Frameworks Udev, Udisks und Konsorten mit dem Linux-Kernel beziehungsweise mit angeschlossener Hardware. Die Fensterverwaltung Kwin wurde weiter optimiert. Das gilt unter anderem für den Lanczos-Filter, der jetzt Texturen speichert und so den Bildschirmaufbau deutlich beschleunigt, vor allem beim Rendern von Icons.

Kwin kann fortan vom Alpha-Kanal Gebrauch machen, wenn Symbole diesen nutzen. Zusätzlich wurde das Theme Oxygen komplett überarbeitet und soll besser mit GTK-Anwendungen funktionieren. Weitere Optimierungen hat das Compositing erfahren: Statt jedes Mal ein Fenster neu aufzubauen, werden lediglich Texturen neu gerendert. Trotz Optimierungen, proprietärer Nvidia-Treiber und schneller Grafikkarte wirkte der Bildschirmaufbau im Test oft träge.

Die Kwin-Entwickler sehen sich noch im ersten Streckenabschnitt auf einem langen Weg zur Optimierung der Fensterverwaltung. Im Vordergrund steht der Compositing Manager, der zwar inzwischen mit zahlreichen Effekten aufwartet, beim Bildaufbau aber bisweilen langsam wirkt und zumindest auf Rechnern mit schwacher CPU und Grafikkarte den Benutzer dazu zwingt, auf den Augenschmaus zu verzichten. Eine wesentliche Rolle auf dem weiteren Weg wird der Wechsel zu einer vollständigen OpenGL- und Open-GL-ES-Implementation spielen, die für die nächsten Versionen geplant ist. Allerdings bemängelt Entwickler Martin Gräßlin fehlende OpenGL-Funktionen in vielen Treibern.

Delfine mit semantischer Suche

Für die Arbeit am Desktop hat das KDE-Team die sogenannten Aktivitäten erweitert. Mit ihnen können Anwendungen oder Widgets gruppiert und bei Bedarf auf dem Hauptbildschirm angezeigt oder gestartet werden. Sie können damit die Verwendung virtueller Desktops ergänzen oder gar ersetzen. Die Aktivitäten gefallen gut, könnten sich allerdings funktional noch weiter von den virtuellen Desktops abheben, etwa durch eine Zeitsteuerung. So sind sie vor allem für das schnelle Ein- und Ausblenden von Applets sinnvoll.

Im Dateimanager Dolphin wurde eine wichtige Funktion überarbeitet: die Spaltenansicht, die den Inhalt mehrerer Ordner einer Verzeichnishierarchie anzeigt. Dateien können von Dolphin auch ohne laufenden Nepomuk-Server inhaltlich durchsucht werden. Allerdings muss Nepomuk zuvor die Daten indiziert haben. Nepomuk wurde um Filter erweitert, die das Durchsuchen von Metadaten in Dateien oder Verzeichnissen weiter verfeinern, etwa um assoziierte Schlagwörter, die sich aus den Resultaten des ersten Suchbegriffs ergeben. Zusätzlich zum Filtern per Text bietet Dolphin auch Filteroptionen, die per Checkbox an- oder ausgeschaltet werden können.

Die unzähligen Optionen im Dateimanager Dolphin könnten den Anwender verwirren. Hier wären Aktivitäten hilfreich. So können in einer Nutzungssituation überflüssige Optionen deaktiviert werden. Das Hauptfenster wirkt angesichts der beiden mit Optionen gefüllten Rahmen links und rechts überfrachtet. Allerdings kann der Anwender - wie unter KDE gewohnt - das Fensterlayout anpassen und weitgehend selbst gestalten.

Bei der Entwicklung des virtuellen Atlas Marble haben sich die Entwickler ebenfalls ins Zeug gelegt: Der Routenplaner wurde weiter verbessert, allerdings liest sich die Ausgabe eher wie das sogenannte Gebetsbuch eines Beifahrers einer Rallye: Angaben wie "halblinks abbiegen" kommen mehrmals in einem einzigen Straßenzug vor. Kstars macht hingegen einen guten Eindruck: Die Anwendung verwendet für die Darstellung OpenGL.

Kmail 2 lässt auf sich warten

Auf Kmail & Co. in der Version 2 haben die Entwickler noch verzichtet. Die PIM-Anwendungen sowie das Akonadi-Framework funktionieren zwar, allerdings gebe es noch Probleme bei der Migration von Daten aus der Vorgängerversion. Zwar ist eine Lösung in Sicht, dennoch wollen die Entwickler Kmail 2 und Kontact 2 erst mit dem nächsten kleineren Update 4.6.1 nachreichen.

An den APIs der KDE SC haben die Entwickler ebenfalls gefeilt: Kwin kann künftig über Javascript angesprochen werden. Auch die Basisbibliothek für den Desktop Libplasma kann künftig auf Applikationen und Widgets zugreifen, die in der an Javascript angelehnten Skriptsprache QML geschrieben sind. Die integrierten QML-Bindings bringen für die Verwendung von Touchscreens optimierte Widgets mit und greifen auf SVG-basierte Themes und die von dem Plasma-Desktop bereitgestellten Datenframeworks zu, etwa Akonadi.

Fazit

KDE SC 4.6 hat wie alle seine Vorgänger ein paar Macken und viel Neues zu bieten. Da große Versionssprünge meist komplexe Änderungen enthalten, können die kleinen Fehler meist verziehen werden. In der Regel werden sie in den nachfolgenden kleinen Updates nach und nach bereinigt. Allerdings macht KDE auch deshalb oftmals einen unfertigen Eindruck. KDE SC 4.6 hingegen wirkt recht stabil. Lediglich der träge Fensteraufbau der Fensterverwaltung Kwin bei aktivierten Compositing-Effekten trübt den Gesamteindruck. Trotzdem haben es die Entwickler wieder geschafft, mit der schicken und modernen Benutzeroberfläche samt Anwendungen zu überraschen.  (jt)


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