Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1101/80847.html    Veröffentlicht: 20.01.2011 11:51    Kurz-URL: https://glm.io/80847

Ffmpeg

Programmierer setzen Hauptentwickler ab

Ohne Ankündigung hat der Großteil der Entwickler des Ffmpeg-Projekts ein neues Führungsgremium gewählt und den Code der Werkzeug- und Codecsammlung in einem neuen Repository auf ffmpeg.org untergebracht.

Ein Teil der Entwickler des Ffmpeg-Projekts hat den Code auf einen neuen Git-Server übertragen und den Zugang dazu eingeschränkt. Auch der bisherige Hauptentwickler Michael Niedermayer darf auf den Code nicht mehr zugreifen und wurde damit quasi entmachtet. Der Grund für den überraschenden Umzug soll vor allem die Unzufriedenheit mit Niedermayer sein. Er zeigte sich vollkommen überrumpelt durch den Umzugs des Projekts und beschwerte sich darüber, dass er und weitere Entwickler keinen Zugriff auf das neue Repository hätten. Zudem seien die wenigsten Entwickler rechtzeitig informiert worden.

Entwickler Roland Bultje wirft Niedermayer vor, streitsüchtig und unflexibel zu sein. Zudem halte er die Entwicklung des Projekts durch übermäßige Diskussionen und kleinliche Optimierungsvorschläge auf. Außerdem beschäftige er sich zu sehr damit, Wrapper für den Videoplayer Mplayer zu schreiben, statt Code beizutragen. Das sei für einen Projektleiter nicht angebracht. Er wünsche sich aber, dass sich Niedermeyer weiterhin als Programmierer an dem Projekt beteilige.

Niedermayers Unflexibilität ist laut Diego Biurrun der Grund für den "Putsch", wie ihn andere Entwickler nennen. Statt eine große Diskussion zu starten, wollten er und seine Mitstreiter schnellstmöglich mit einer effektiven Entwicklung des Projekts weitermachen. Deshalb habe er den Code verlagert. Es sei keine Absicht gewesen, die anderen Entwickler auszuschließen, er habe sie lediglich über IRC nicht erreicht.

Gegenwärtig soll ein siebenköpfiges Entwicklerteam das Projekt leiten. Neuer Code soll zunächst auch nur über sie in das Git-Repository auf ffmpeg.org eingepflegt werden können. Insgesamt 18 Entwickler haben sich an dem Putsch beteiligt. Das bisher verwendete Repository auf videolan.org soll nicht mehr genutzt werden, auf den Code darauf kann aber noch zugegriffen werden.

Längst nicht alle Entwickler des Projekts sind mit dem Putsch einverstanden. Zunächst beschwerten sich einige über den überfallartigen Umzug und darüber, dass es keine Abstimmung gab. Andere halten die Vorwürfe gegen Niedermayer für überzogen. Er will die weitere Zusammenarbeit mit dem Projekt von der Reaktion der Entwickler abhängig machen.  (jt)


Verwandte Artikel:
Mplayer: Erste Unterstützung für Crystal-HD-Chips   
(02.01.2011, https://glm.io/80406 )
NetVC und AV1: Der Standard-Videocodec fürs Netz kommt erst 2018   
(16.11.2017, https://glm.io/131186 )
Google: Chrome wird künftig mit Clang statt Visual C++ entwickelt   
(06.03.2018, https://glm.io/133171 )
US Air Force: Biegbares Arduino-Board für die Uniform oder den Jetflügel   
(12.02.2018, https://glm.io/132721 )
Mycroft Mark II: Smarter Open-Source-Lautsprecher vorgestellt   
(26.01.2018, https://glm.io/132404 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/