Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1101/80812.html    Veröffentlicht: 19.01.2011 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/80812

Offmaps 2.0 im Kurztest

OpenStreetMap für iPhone und iPad mit neuem Ansatz

Die erste Version von Offmaps gefiel uns so gut, dass wir sie in unseren Werkzeugkasten aufgenommen haben. Offmaps 2 will bei der Nutzung von OpenStreetMap einiges besser machen, doch manche Detailveränderungen erfordern eine deutliche Umgewöhnung.

Offmaps 2.0 ist eine Kartenanwendung von Felix Lamouroux, die es ermöglicht, Material von OpenStreetMap herunterzuladen und auch ohne Internetverbindung zu benutzen. Im Vergleich zum Vorgänger hat Lamouroux die Art des Downloads deutlich verändert. Es werden nun nicht mehr Bilder heruntergeladen, sondern nur noch die Datengrundlage. Das Rendern des Materials übernimmt das iPhone oder ein iPad.

Das Konzept, nun statt Karten nur noch die Daten herunterzuladen, gefällt im ersten Moment. Der Datenbedarf reduziert sich deutlich. Die Karte für Berlin ist damit etwa nur noch 56 MByte groß. Vorher mussten mehr als 400 MByte heruntergeladen werden. Dementsprechend gibt es beim ersten Offmaps unterschiedliche Detailstufen zum Herunterladen. Offmaps 2.0 verzichtet auf diese Stufen. Erfreulich: Die Dauer des Downloads einer ganzen Stadt ist entsprechend kurz.

Langsames Rendern der Daten

Die Ernüchterung kommt allerdings kurz nach dem Download. Die Karten müssen extrahiert werden, was teils länger als der eigentliche Download dauert. Es kommt aber auch auf die Komplexität der Karte an. Das Extrahieren von Berlin dauerte beim Test unverhältnismäßig lange und kostete rund 6 Prozent der Ladekapazität des iPhone 4. Karten des Umlands waren hingegen deutlich schneller extrahiert, was nicht nur an der geringen Kartengröße in MByte lag.

Auf einem iPhone 3G dürfte der Prozess deutlich länger dauern und damit auch den Akku stärker belasten. Offmaps 2.0 startete aber nicht korrekt und geriet bei einem iPhone 3G in eine Endlosschleife beim Überprüfen, ob der Nutzer die Vorgängerversion erworben hatte. Wer Offmaps in der ersten Version hat, bekommt statt zwei gleich fünf der für das iPhone aufbereiteten Karten.

Das Rendern der Karten durch Offmaps 2.0 kann in einigen Situationen nicht überzeugen. So sind Straßen mit Mittelstreifen manchmal unleserlich. Der Straßenname taucht dann doppelt auf: je Richtung einmal. Außerdem gibt es einige Situationen, in denen das Rendern recht viel Zeit beansprucht. Offmaps in der ersten Version ist da schneller bei der Darstellung.

Neue Funktionen, aber auch weggefallene alte Möglichkeiten

Die Weltkarte wird nun von Mapquest dargestellt. Die sieht zwar hübscher aus als die automatisiert erzeugten Karten von OpenStreetMap, jedoch lässt diese Karte Details vermissen. So ist Zoomen gerade einmal auf die Ebene von Hauptstraßen möglich. Straßennamen fehlen. Nur Autobahnen, Landstraßen und Bundesstraßen sind mit Nummern versehen. Offline nutzen lässt sich die Weltkarte nicht, zudem ist dort der Wechsel in die OpenStreetMap-Karten nicht ohne weiteres möglich.

Es fehlt auch die Möglichkeit, Offlinedaten eines Weges herunterzuladen. Wer beispielsweise von Berlin nach Hannover fährt, der konnte mit Offmaps für diese Strecke und die unmittelbare Umgebung relevante Daten herunterladen. Mit Offmaps 2.0 ist das nur noch regionsbasiert möglich: Es müssen alle Regionen in höchster Qualitätsstufe heruntergeladen werden. Das Herunterladen grober Kartendaten ist nicht mehr möglich. Zudem kann der Anwender sich nicht mehr flüssig zwischen Karten bewegen. Wer von Berlin nach Oranienburg im Norden will, der muss am Rand zur anderen Karte umschalten.

Es ist auch nicht mehr möglich, ein Land durch Eingrenzung des Downloadbereichs mit einem Auswahlfeld grob herunterzuladen.

Neu hinzugekommen sind Overlays. So kann der Nutzer etwa den Nahverkehr über die Karte blenden lassen, eine Funktion, die vermutlich mit kostenlosen Kartenupdates noch verfeinert wird. Stark überarbeitet wurden die Points of Interests von OpenStreetMap, also wichtige Punkte auf einer Karte, wie etwa Banken oder Haltestellen des Nahverkehrs. Der Anwender findet leicht eine Bank oder ein Restaurant in der Gegend. Mit einer neuen Lupe kann der Anwender auch direkt auf entsprechende Punkte gehen.

Offmaps 2.0 ist bereits im App Store verfügbar und kostet 79 Cent. Zwei bis fünf Karten sind inklusive. Jeweils drei Karten gibt es für weitere 79 Cent. Eine Kartenflatrate kostet rund 5 Euro. In der Anfangsphase bleibt das Hinzukaufen von Download-Tokens allerdings deaktiviert, so dass Kartenmaterial im Moment kostenlos ist.

Fazit

Offmaps und Offmaps 2.0 sind zwei Anwendungen mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Die neue Version hat nicht nur deutliche Vorteile, sondern leider auch genauso deutliche Nachteile. Was in Offmaps funktioniert, klappt in Offmaps 2.0 nicht unbedingt genauso gut. Wer beispielsweise die Deutschlandkarte nur grob braucht, weil er überregional unterwegs ist, der muss nun mühsam die einzelnen Kartenteile zusammensuchen, herunterladen und vom Programm extrahieren lassen. Zudem muss der Anwender bei seiner Tour von Karte zu Karte wechseln, was früher nicht notwendig war. Die alte Version ermöglichte noch den Download eines Wunschareals.

Wer hingegen in einer Region unterwegs ist, der hat deutliche Vorteile mit Offmaps 2.0. Maximale Details etwa bei nur 50 MByte für Berlin schafft Offmaps in der ersten Version nicht. Da sind noch rund 500 MByte des knappen Speichers nötig. Allerdings fehlen noch einige Regionen außerhalb Deutschlands. Das soll aber laut Lamouroux nachgebessert werden.

Die Wikipedia-Einträge, Details zu Restaurants und die zuschaltbare Anzeige von Nahverkehr sind nützlich. Als Reiseführer ist Offmaps 2.0 damit etwas besser als sein Vorgänger. Dennoch: Wer Offmaps in der ersten Version hat, sollte diese nicht löschen. Sie ist Offmaps 2.0 einfach häufig überlegen.  (ase)


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