Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1101/80605.html    Veröffentlicht: 10.01.2011 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/80605

Ausprobiert

Microsofts Multitouch-Maus mit Apple-Magie

Apple machte es mit der Magic Mouse vor: Sie hat eine Mausoberfläche, die auf separate Tasten und ein Scrollrad verzichten kann. Microsofts Multitouch-Maus funktioniert ähnlich und erleichtert vor allem die Bedienung von Windows 7.

Microsofts drahtlos arbeitende Multitouch-Maus trägt den einfachen Namen Touch Mouse. Sie besitzt nur eine einzelne Maustaste und weder ein Scrollrad noch einen Scrollball. Die Funktionen anderer Tasten, das Scrollen und weitere Funktionen werden über eine Touchoberfläche realisiert. Was der Nutzer auf der Maus mit seinen Fingern macht, wird vom Treiber entsprechend interpretiert. Da der Touchbereich der Maus leicht angeraut ist, weiß der Nutzer, wo seine Finger interpretiert werden.

Ein Finger

Um die Maustaste für das Kontextmenü zu drücken, muss der Finger für die primäre Maustaste angehoben werden. Andernfalls wird ein Klick als Primärklick erkannt, bei den meisten Anwendern also als linke Maustaste. Ein Umschalten auf Linkshänderbetrieb ist möglich. Daran gewöhnen sich die Anwender in der Regel recht schnell. Wer das von Apples Magic Mouse kennt, kommt damit sofort zurecht.

Durch diese Art der Bedienung ist das Drücken von zwei Maustasten gleichzeitig allerdings nicht möglich. Für Spieler ist die Maus damit nur bedingt geeignet. Und auch Nutzer des Opera-Browsers, die sich etwa mit zwei gedrückten Maustasten vor- und zurückbewegen, müssen sich umgewöhnen. Stattdessen kann aber einfach die Vor- und Zurückgeste benutzt werden. Mit dem Daumen wird seitlich an der Maus vor- und zurückgewischt. Das funktionierte beim Testen ziemlich gut.

Single- und Multi-Wisch

Richtig interessant wird die Touch Mouse aber erst bei Multitouch und beim Scrollen. Scrollen ist sehr einfach: Wird der Finger über die angeraute Oberfläche bewegt, verschiebt sich der Bildschirminhalt, sofern er gescrollt werden kann. Mit zwei Fingern werden Gesten bezogen auf das aktive Fenster durchgeführt. Ein Wisch nach oben maximiert ein Fenster. Ein Zweifingerwisch nach unten verkleinert es und nochmaliges Wischen lässt es in der Taskleiste verschwinden.

Wischen nach rechts und links ist ebenfalls möglich. Dann wird ein Fenster an der Seite mit halber Größe angedockt. Wer nochmals in die gleiche Richtung mit zwei Fingern wischt, lässt das Fenster auf der anderen Seite andocken. Diese Interpretation spart einen Wischvorgang, falls der Nutzer das Fenster auf die andere Seite schieben will. Auf dem Rückweg wird das Fenster nämlich zwischendurch wieder auf Normalgröße gebracht.

Wichtig ist es dabei, den Fokus auf dem richtigen Fenster zu haben. Kontextbezogenes Multitouch beherrscht die Maus nicht. Hier sind Unterschiede zu Mac OS X zu erkennen, wo nicht immer für Interaktionen der Fokus auf dem jeweiligen Fenster liegen muss.

Wischen mit drei Fingern

Dreifingergesten auszuführen, erfordert die meiste Übung. Das Wischen mit drei Fingern nach oben lässt eine Übersicht über die vorhandenen Fenster erscheinen, ähnlich dem Exposé von Mac OS X. Nach unten wird der Desktop freigegeben.

Sehr schick sind die Anzeigen auf dem Bildschirm die zeigen, welche Geste gerade ausgeführt wurde. Sie sind nicht aufdringlich und helfen anfangs enorm, die richtigen Gesten auszuführen. Wer sich dennoch an den Anzeigen stört, kann sie auch einfach abschalten. Das gilt auch für Gesten.

Schwächen zeigte die Maus noch beim Scrollen von Inhalten. Scrollen mit Schwung funktionierte zwar, und auch das Scrollen in alle Richtungen geht, dies ist aber noch nicht so einfach wie mit scrollradbasierten Mäusen - die allerdings auch kein 360-Grad-Scrollen umsetzen müssen. Microsoft verspricht hier noch Verbesserungen, die in den kommenden Monaten im Treiber umgesetzt werden sollen.

Wie Microsoft angab, ist die Maus vor allem auf Windows 7 zugeschnitten. Bei anderen Betriebssystemen verhält sich die Maus wie eine generische Maus mit zwei Tasten. Das schließt alte Windows-Versionen genauso ein wie Mac OS X.

Die Maus kann mehr als Microsoft will

Prinzipiell ist die Maus noch zu viel mehr in der Lage. Die Anzahl der registrierten Touchpunkte soll über fünf liegen, obwohl nur drei benutzt werden. Microsoft setzt weitere Gesten nicht um, um den Anwender nicht zu verwirren. Ein ähnlicher Ansatz, den wohl auch Apple mit der Magic Mouse verfolgt, die weniger kann als das Magic Trackpad. Bei Apple haben einige Entwickler sich des Eingabegeräts angenommen, um weitere Gesten zu ermöglichen. Es wird spannend zu verfolgen, ob die Entwickler auch aus Microsofts Touch Mouse mehr herausholen werden. Microsoft gab beispielsweise im Gespräch an, dass eine dritte Maustaste prinzipiell umsetzbar wäre.

Die Batterielaufzeit konnte noch nicht ermittelt werden. Geschätzt werden derzeit vier bis sechs Monate.

Fazit

Insgesamt machte die Maus beim Ausprobieren einen sehr guten Eindruck. Wenn Microsoft jetzt noch, wie versprochen, am Scrollen arbeitet, dann eignet sich die Maus gut fürs normale Arbeiten. Typische Windows-7-Funktionen lassen sich mit dieser Maus schneller nutzen. Spieler sollten aber definitiv von der Maus absehen.

Rund anderthalb Jahre vergingen vom ersten Prototyp bis zur jetzigen Version der Touch Mouse. Trotzdem kann die Maus noch nicht erworben werden. Erst im Juni 2011 soll das Eingabegerät in Europa und den USA verkauft werden. Der US-Preis liegt bei rund 80 US-Dollar. Preise für Europa sind noch nicht bekannt.  (ase)


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