Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1101/80523.html    Veröffentlicht: 06.01.2011 11:16    Kurz-URL: https://glm.io/80523

Mobile Telefonie

Telefonieren ohne offizielle Frequenzzuteilung

In den USA erprobt das Unternehmen xG Technology ein neuartiges Funknetz, das ohne offizielle Frequenzzuteilung auskommt. Stattdessen wird dort das freie Frequenzband um 900 MHz verwendet.

Das Frequenzband um 900 MHz ISM-Band wird in den USA normalerweise von schnurlosen Telefonen und Babyfones verwendet. Das Unternehmen xG Technology hat eine Plattform entwickelt, die freie Bandfrequenzen für die Telefonie, den SMS- und Datenversand nutzt. Das Unternehmen bezeichnet das System als ein kognitives Funknetzwerk (Cognitive Radio Networking).

Spezielle Basisstationen und Endgeräte suchen alle 33 Sekunden nach einem freien Bereich im Spektrum. Gerät ein Mobiltelefon während eines Gesprächs in den Bereich einer belegten Frequenz, stellen sich Basisstation und Endgeräte auf eine neue Frequenz ein, ohne das Gespräch zu unterbrechen. Für einen Radius von vier Kilometern müssen etwa sechs Funkstationen aufgestellt werden.

Für den Empfang werden spezielle Endgräte benötigt. Bevor eine Frequenz geändert wird, ermitteln die Geräte aus einer Vielzahl von Messungen einen Trend. Laut Unternehmen sind die freien Frequenzen trotz Belastung durch schnurlose Telefone oder Radios nur bis zu 15 Prozent ausgelastet. Die xG-Technologie teilt die Frequenzen in 18 Segmente, die jeweils 30 Millisekunden lang sind, um so Lücken zu finden, in denen die Signale gesendet werden können.

Die Technologie ist dem Unternehmen zufolge aber frequenzunabhängig. Sie kann überall eingesetzt werden. Derzeit läuft ein Feldversuch in Fort Lauderdale in Florida. Denkbar wäre, dass später auch Mobiltelefone mit dem entsprechenden System ausgestattet werden.

Das kognitive Funknetzwerk soll aber bestehende Technologien nicht ersetzen, sondern ergänzen, so das Unternehmen. In den USA plant die FCC, in den nächsten zehn Jahren 500 MHz an Frequenzbereichen freizuräumen. Inzwischen hat auch das Militär den Nutzen der Technologie erkannt und setzt das Cognitive Radio Networking in dem Stützpunkt Fort Bliss in Texas ein.  (jt)


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