Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1012/80237.html    Veröffentlicht: 20.12.2010 12:06    Kurz-URL: https://glm.io/80237

Netzsperren

Großbritannien plant globalen Pornofilter

Medienberichten zufolge plant die britische Regierung, den Internetprovidern der Inseln die Auslieferung pornografischer Inhalte generell zu verbieten. Surfer, die sie dennoch sehen wollen, müssen sich in einem Opt-In-Verfahren dafür freischalten lassen. Das soll für besseren Jugendschutz sorgen.

Einem Bericht der Times zufolge will der konservative britische Minister für Medien, Kultur und Kommunikation Edward Vaizey im Januar 2011 eine Konferenz mit den Providern des Landes einberufen. British Telecom, Talktalk und andere sollen sich dabei verpflichten, künftig pornografische Inhalte nicht mehr an private Internetanschlüsse zu übermitteln. Erst wenn die Kunden das ausdrücklich wünschen, soll der Zugang zu solchem Material gewährt werden.

Dabei sollen die Surfer entweder eine Liste von Webseiten angeben, die sie sehen möchten, oder sich nach der ebenfalls in Großbritannien geplanten Alterseinstufung von Webseiten richten. Der Provider Talktalk will ab 2011 bereits freiwillig einen solchen Service namens "bright feed" für seine Kunden anbieten.

Wie schon bei den auch rechtlich umstrittenen Verträgen in Deutschland, die Provider im Vorfeld des Gesetzes zu Netzsperren unterzeichnen sollten, soll auch in Großbritannien diese Selbstverpflichtung einer gesetzlichen Regelung vorausgehen. Erst, wenn sich die Provider weigern oder nicht an die Vereinbarung halten, sollen im Inselreich entsprechende Gesetze erlassen werden.

Wildwest im Internet?

Derzeit herrschten im Internet "Zustände wie im Wilden Westen", sagte die konservative Abgeordnete Claire Perry der Times. Die Parlamentarierin, die sich schon früher für mehr Regulierung im Internet ausgesprochen hatte, meinte weiter: "Wir betrachten das nicht aus einer Anti-Porno-Perspektive. Wir wollen nur sicherstellen, dass unsere Kinder nicht über Dinge stolpern, die wir sie nicht sehen lassen wollen."

Die aktuellen Vorstöße zu einer umfassenden Regulierung der durch Provider übermittelten Inhalte folgen auf eine aufgeregte Diskussion in Großbritannien, die im Sommer 2010 durch einen Bericht einer psychologischen Fachzeitschrift ausgelöst worden war. Der Studie zufolge hatten bereits 30 Prozent der untersuchten britischen Kinder von zehn Jahren Pornografie im Internet gesehen.

Zudem, so die Times, sorgten sich die Politiker um die fortschreitende Vernetzung, die Internetinhalte auch auf Fernseher und andere Geräte bringe. Deshalb, so betonte eine Sprecherin von Virgin Mobile, biete ihr Unternehmen schon einen freiwilligen Pornofilter für Handys an.

Der britische Providerverband ISPA nahm zu den Forderungen der Politik noch nicht Stellung, die britische Technologie-Site The Next Web nannte gegenüber der Times die Vorschläge aber "verrückt", weil sie nicht nur technisch schwer umsetzbar seien, sondern auch ein altbekanntes Problem aufwerfen würden: "Wenn man Seiten sperrt, die sich neben anderen Themen auch mit Pornografie beschäftigen, wo hört man dann auf? Das könnte durch die Hintertür eine Internetzensur mit sich bringen".  (nie)


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