Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1012/80125.html    Veröffentlicht: 15.12.2010 06:01    Kurz-URL: https://glm.io/80125

Radeon HD 6950 und 6970 im Test

AMDs schnellste GPU - knapp an der Spitze vorbei

Als neue Architektur hatte AMD die GPU Cayman versprochen - herausgekommen ist aber nur eine Überarbeitung des Grafikprozessors von Radeon 5870 und 5850. Dennoch gibt es innovative Funktionen, mehr Tempo und verhältnismäßig kleine Preise. Die Treiber bieten aber noch Raum für Verbesserungen.

Nach zwei für das hektische Grafikgeschäft reibungsarmen Neuvorstellungen der Serien Radeon 4000 und 5000 ist nun auch AMD ins Stolpern gekommen. Nachdem die GPU Cypress der Radeon 5870 bis zum Erscheinen von Nvidias dauerverspätetem Fermi sogar der schnellste Grafikprozessor war, konnte AMD seine ehrgeizigen Pläne diesmal nicht mehr einhalten.

Mit den Radeon HD 6870 und 6850 (Barts-GPU) kamen Ende Oktober 2010 die ersten Grafikkarten mit neuen GPUs noch pünktlich auf den Markt, im November sollten 6970 und 6950 folgen. Das verschob das Unternehmen aber kurzfristig mit Verweis auf die starke Nachfrage nach der Serie 5800. Dabei hatte ein AMD-Mitarbeiter gegenüber Golem.de schon im Oktober geäußert, Cayman sei einfach noch nicht fertig.

Bei der Vorstellung aller neuen Grafikkarten der Serie 6000 hatte AMD schon Details der Architektur angedeutet, gab jedoch zur Zahl der Rechenwerke der 6970 und den Takten nur "TBD" (wird noch bestimmt) an. Herausgekommen sind nun 1.536 ALUs, die sich zu 24 SIMD-Einheiten verbinden lassen. Gerüchte waren, wie bei der 5870, von 1.600 Rechenwerken ausgegangen - durch eine andere Anordnung ist die GPU aber auch mit weniger Einheiten leistungsfähiger. Dass es nicht 1.600 geworden sind, deutet auf Fertigungsprobleme hin - die aber auch Nvidia hatte: Die ersten professionellen Fermis besaßen 512 Einheiten, die Spiele-Grafikkarten nur 480, inzwischen sind beide Versionen gleich ausgestattet.

Ebenso muss AMD auch an den Takten noch bis zur letzten Minute geschraubt haben. Die in der Bildergalerie wiedergegebenen Folien der Launch-Veranstaltung vom Oktober sahen bis zu 5 Gbps für die Speichertransferrate vor, nun gibt der Chiphersteller 5,5 Gbps an. Gleiches gilt für den Takt der GPU. Hier hatten die Auguren wie bei der 5870 noch 850 MHz vorausgesagt, nun sind es aber 880 MHz für die 6970. All das mag auch Nvidias überraschend schneller und effizienter GTX 580 geschuldet sein.

Wir testen im Folgenden die Referenzmodelle der 6950 und 6970, die den Verkaufsversionen entsprechen sollen. Die Preisempfehlungen dafür liegen um 260 beziehungsweise 330 Euro. Für das größere Modell war zuvor von 450 US-Dollar plus Mehrwertsteuer ausgegangen worden - auch hier scheint AMD noch Anpassungen vorgenommen zu haben. Erfahrungsgemäß werden die Karten nur kurz von einigen Händlern zu diesen Preisen angeboten werden und dann vorerst teurer werden.

Cayman-Architektur mit 4D-Shadern

Der Aufteilung von sehr kleinen Rechenwerken, die in großer Zahl eine SIMD-Einheit bilden, ist AMD treu geblieben. 64 der winzigen ALUs bilden einen SIMD-Block. Voll funktionsfähig sind jedoch nur vier der Rechenwerke zusammen, um gemischte Befehle und Daten verarbeiten zu können. Schon seit der Radeon 4000 arbeitet AMD mit diesen MIMD-Blöcken (Multiple Instruction, Multiple Data), die dann zusammen die parallele Anwendung eines Befehls auf fortlaufenden Daten (Single Instruction, Muliple Data) ermöglichen.

Die SIMD-Verarbeitung ist der Kern der hohen Parallelität in GPUs, daher eignen sich diese Prozessoren auch zunehmend für allgemeine Rechenaufgaben. Bei Cayman hat AMD eine eingebaute Begrenzung des Konzepts aufgehoben. Beim Vorgänger Cypress (Radeon 5870) gab es für je fünf ALUs (oder einen MIMD-Block) noch eine so genannte T-Unit. Das für "transcendental" stehende T beschreibt nur, dass diese Einheit fest verdrahtet auch transzendente Funktionen wie Sinus oder Cosinus auflösen kann.

Daneben kann die T-Unit aber auch je eine Aufgabe der vier anderen Einheiten ausführen, sie lässt sich quasi zuschalten - sind aber nur transzendente Funktionen gefordert, steht die T-Unit alleine da. Das kommt mit modernem Code offenbar so häufig vor, dass eine T-Unit für vier andere ALUs wohl als Bremse gewirkt hat.

Folglich hat AMD die T-Unit gestrichen und ihre Funktionen allen ALUs spendiert. Mit weniger Chipfläche für einen gesamten Block soll sich so mehr Leistungsfähigkeit ergeben. Dennoch ist die GPU größer geworden: Cayman misst 380 Quadratmillimeter, Cypress kam noch mit 334 Quadratmillimetern aus. Die neuen ALUs und die anderen Funktionen wie die Video-Einheit UVD 3 belegen wohl mehr Platz.

Insgesamt will AMD zehn Prozent mehr Rechenleistung pro Quadratmillimeter Chipfläche erreicht haben, obwohl Cayman noch mit 40 Nanometer-Technik gefertigt wird. Beiden neuen Radeons spendiert AMD 2 GByte GDDR5-Speicher, was extremen Filterfunktionen und dem GPU-Computing zugute kommt.



Schnellere Tesselation und GPU-Computing

Weitere Vorteile der neuen Architektur sind verbesserte Render-Back-Ends und Dispatch-Prozessoren, die asynchron arbeiten können. Die Dispatcher verteilen die Threads auf die SIMD-Einheiten. AMD stellte schon bei Barts, also 6850 und 6870, heraus, dass es zwei statt wie bei Cypress einen Dispatcher geben solle - unbestätigten Angaben zufolge verfügte aber auch schon Cypress über diese Zweiteilung.

Richtig effektiv dürften die Dispatcher aber erst mit Cayman geworden sein, arbeiten sie doch nun bidirektional über die Caches mit den Speichercontrollern zusammen. Die Bandbreite zum Hauptspeicher ist für Rechenanwendungen noch wichtiger als bei Grafik: Die CPU muss ständig Aufgaben an die GPU liefern. Bei Spielegrafik kann der Grafikprozessor, sobald Texturen und Geometrie geladen sind, längere Zeit alleine arbeiten. Insgesamt will AMD die GPGPU-Leistung so gesteigert haben, dass sich nun ein Viertel der Rechenleistung bei doppelter Genauigkeit gegenüber einfacher Genauigkeit einstellt. Nvidia kommt dabei aber eigenen Angaben zufolge bei hoch optimiertem CUDA-Code schon auf die Hälfte.

Was Nvidia ebenfalls stets herausstellt, ist die höhere Tesselationsleistung seiner Fermi-GPUs - und die war, vor allem bei synthetischen Tests wie Heaven, AMD bisher deutlich überlegen. Mehr als doppelt so schnell sollen die Tesselatoren bei Cayman nun sein, aber: nur etwa bis zur achtfachen Unterteilung der Dreiecke. AMD zufolge war das eine bewusste Entscheidung, weil Spiele bisher noch höhere Tesselationsfaktoren nicht nutzen.

Mindestens ein Drittel mehr Leistung soll sich mit Spielen wie Metro2033 und Stalker - Call of Pripyat durch die neuen Tesselatoren erzielen lassen. Dennoch kostet die Technik immer noch viel Performance, wie früher bei Anti-Aliasing lässt sich von halbierten Frameraten bei extremer Tesselation ausgehen. In den Spielen lässt sich das bisher aber nicht immer einstellen, sodass Ausprobieren angezeigt ist.



Neuer Video-Dekoder und Anti-Aliasing

Mit dem neuen Video-Decoder namens UVD3 bearbeitet AMD nun alle wichtigen Codecs mit eigenen Einheiten in der GPU - das entlastet die CPU und spart Strom. MPEG-2 und die Blu-ray-Codecs VC-1 sowie H.264 gab es schon mit dem UVD2 von Cypress, neu ist vor allem MPEG-4 part 2. Dieses Profil wird unter anderem von DivX und xVid verwendet. Die Multi-View-Codes für Blu-ray 3D, bei denen die Bilder für jedes Auge teils in einen Frame gequetscht werden, kann AMDs neue GPU nun auch dekodieren.

Das Morphologische Anti-Aliasing, das schon 6850 und 6870 hatten, befindet sich immer noch im Experimentalstadium - die Liste der Spiele, bei denen es Bildfehler erzeugt, ist in den Relase-Notes der AMD-Treiber lang. Dennoch steigert es, wenn es denn keine Nebenwirkungen hat, die Bildqualität, wie das zuvor nur die ersten Anti-Aliasing-Modi vermochten.

Das morphologische Anti-Aliasing arbeitet wie ein globaler Weichzeichner, der das Bild aber dank den heutigen hohen Auflösungen kaum unschärfer aussehen lässt. Treppen auch an an harten Kanten lassen sich so kaum noch ausmachen.

Was ohne Bildfehler klappen sollte, ist das "Enhanced Quality Anti-Aliasing" (EQAA). Dabei werden jeweils doppelt so viele Samples zu benachbarten Pixels berechnet wie es der Anti-Aliasing-Faktor eigentlich vorsieht. 4x-Anti-Aliasing kann so wie 8x bei weit weniger Rechenanforderungen aussehen. Möglich wird das unter anderem durch die gesteigerte Speicherbandbreite. Der neue Modus lässt sich im Catalyst-Control-Center einstellen.

Wie schon bei den Radeon 6800 lassen sich drei digitale Monitore parallel betreiben, davon muss aber einer per DisplayPort angeschlossen werden. Alle erweiterten Monitorfunktionen der Serie 6800 beherrschen auch die Radeon 6900.



PowerTune als regelbarer Drehzahlbegrenzer

Seit AMD mit der Radeon 5870 bei GPU-Quälprogrammen wie Furmark und OCCT die Takte der GPUs drosselt, um sie vor Überhitzung zu bewahren, steht das Unternehmen in der Kritik. Diese Anwendungen treiben die Leistungsaufnahme so in die Höhe, wie es kein Spiel kann, weil sie fortwährend dieselben sehr leistungshungrigen Befehle ausführen.

Solche auch als "Power Virus" bezeichneten Programme sind für Stabilitätstests sinnvoll, entsprechen aber nicht den Anforderungen in der Praxis an eine GPU. Dennoch empfanden es manche Anwender als Mogelei, weil sich die tatsächliche maximale - und theoretische - Leistungsaufnahme einer Grafikkarte nicht mehr unmittelbar feststellen ließ. Nvidia geißelte diese "Application Detection" zunächst, hat sie mit der GTX 580 aber selbst eingeführt.

AMD geht nun in die Offensive und hat mit "PowerTune" eine Begrenzung der Takte eingeführt, die vom Anwender aber regelbar ist. Wie bei Intels Turbo-Boost sitzen in der GPU Sensoren für Spannung, Stromstärke und Temperatur, welche den Betriebszustand des Chips überwachen. Werden - nicht bekannte - Grenzwerte überschritten, taktet sich der Prozessor herunter.

Das führt auch dazu, dass sich die Angaben der Leistungsaufnahme immer auf den aktiven PowerTune-Modus beziehen - er kann aber vom Anwender von -20 bis +20 Prozent geregelt werden.

Die 6970 soll laut AMDs Daten bei Spielen typischerweise 190 Watt aufnehmen, bei voll aufgedrehtem PowerTune aber 250 Watt. Dieses Verhalten können wir bestätigen: 340 Watt für das Gesamtsystem mit Furmark 1.80 stehen 394 Watt bei 20 Prozent mehr Spielraum für PowerTune gegenüber.

Gleiches gilt für den Test "Perlin Noise" aus 3DMark Vantage, ebenfalls recht leistungszehrend. Hier sind es 277 zu 321 Watt. Das schlägt sich auch in der Leistung nieder: Im Performance-Profil kommt der Test auf 145 gegenüber 188 Bilder pro Sekunde. Umgekehrt kann PowerTune auch zum Stromsparen verwendet werden. Steht der Regler auf -20 Prozent, braucht der Rechner nur noch 215 Watt und erreicht 115 fps.

Dual-BIOS mit kleiner Falle

Mit Programmen wie GPU-Z lässt sich das Verhalten von PowerTune überwachen. Bei Furmark drosselte unsere 6970 sich nach wenigen Minuten von 880 MHz auf Werte zwischen 650 und 800 MHz. War PowerTune auf +20 Prozent eingestellt, lief die Karte auch zehn Minuten bei großem Lärm mit 880 MHz. Dieses Verhalten kann aber von GPU zu GPU unterschiedlich ausfallen.

In den Benchmark-Diagrammen zur Leistungsaufnahme geben wir die Werte mit PowerTune-Regler in Mittelstellung an. Sie entsprechen so dem Auslieferungszustand von Grafikkarte und Treibereinstellung, also dem von AMD empfohlenen Wert. Bei Experimenten mit PowerTune sollte man sehr vorsichtig zu Werke gehen, wie auch bei allen anderen Übertaktungs-Experimenten. Ein Schaden durch PowerTune ist laut AMD nicht von der Gewährleistung abgedeckt, Kartenhersteller können hier abweichende Bedingungen stellen.

Ein genauer Blick empfiehlt sich auch auf den kleinen Schalter, der oben an den Radeon 6900 neben den CrossFire-Anschlüssen sitzt. Er kann zwischen zwei BIOS-Versionen wechseln. Eine ist bei den Serienkarten nicht vom Anwender veränderbar, die zweite kann geflasht werden. Das Herumbasteln an Grafik-BIOSen ist inzwischen bei Übertaktern - meist mit erhöhten Spannungen für die GPU - populär geworden.

Dabei lauert jedoch eine kleine Falle. Der Schalter ist so klein und leichtgängig, dass er sich beim Transport oder beim Auspacken der Karten verstellen kann. Das ist einigen Testern auch bei den Referenzkarten passiert, wie AMD mitteilte. Viel zu niedrige Werte bei Spiele-Tests - nicht aber bei synthetischen Tests - waren die Folge.

Der Grund: Das Reserve-BIOS der Referenzkarten war auf einem veralteten Stand, bei den Serienkarten soll es dem entsprechen, was die Referenzmodelle als aktuelle Version kennen. Die Stellung des BIOS-Schalters ist also bei den Testkarten genau umgekehrt wie von AMD beschrieben. Zudem ist der Reservespeicher auch nicht schreibgeschützt.

Die richtige BIOS-Version der Referenzkarten lautet AMD zufolge für die 6850 113-C2160100-105 und für die 6970 113-C2000100-107. Diese Nummern, die sich im Treiber unter "Information" abrufen lassen, können von den Kartenherstellern aber geändert werden. Zumindest das Reserve-BIOS sollte aber diesen Angaben entsprechen. Die richtige Stellung für den Schalter auf die vom Anbieter eingespielte - und flashbare - Version ist die Ziffer 1, also in Richtung des Endes der Karte. Die Idee des Dual-BIOS verfolgen im Übrigen Mainboard-Hersteller wie Gigabyte schon seit Jahren.



Testsystem und Verfahren

Als Antrieb für die Grafikkarten kommt unsere Testplattform für Grafikkarten zum Einsatz. Als Mainboard dient das Asus P6T Deluxe 1.0 mit X58-Chipsatz und einem Core i7 975 mit 3,33 GHz nominalem Takt. 6 GByte DDR3-1.333-Speicher von Corsair werden von Windows 7 Ultimate in der 64-Bit-Version voll genutzt.

Das Netzteil, ein Dark Power Pro von BeQuiet mit 850 Watt Nennleistung, blieb folglich auch unverändert, es ist mit Zertifizierung nach 80+ recht effektiv - kleinere Netzteile können jedoch auch insgesamt geringere Leistungsaufnahmen ergeben. Intels SSD-X25 lieferte die Daten, eine Barracuda ES.2 von Seagate diente für Patches und Images.

Die Spieletests führen wir in der praxisnahen Einstellung mit achtfacher anisotroper Filterung und vierfachem Antialiasing durch. Höhere Einstellungen bringen beim Spielen auf hochauflösenden Monitoren mit 22 oder 24 Zoll nur geringe Verbesserungen der Bildqualität. Einige synthetische Benchmarks wie "Heaven" geben ein Abschalten des Antialiasing vor, da sonst die Werte noch niedriger werden. Wir haben deshalb diese Einstellung beibehalten.

Um die Grafikkarten zu fordern, wird der Lasttest mit 3DMark Vantage bei 16xAF und 8xAA durchgeführt (Voreinstellung "Extreme"), das Warten auf den Bildaufbau (VSync) ist bei allen Tests per Treiber ausgeschaltet. Die Einstellungen für die Filterfunktionen finden sich auch stets in den Bildunterschriften der Diagramme.

Wir unterscheiden bei den Diagrammen nach Programmen für DirectX-10 und solchen für DirectX-11. Bei den Spielen mit DirectX-11-Funktionen werden nur die Grafikkarten getestet, welche diese Schnittstelle auch schon unterstützen.



Synthetische Benchmarks und Tessellation

Der synthetische Test von 3DMark Vantage - wir bewerten den GPU-Score - arbeitet mit fast allen Effekten von DirectX-10. Da sich das Programm seit Erscheinen in den Grafikroutinen nicht verändert hat, kann hier mit Treiberoptimierungen herumgespielt werden, was aber beide Hersteller beherrschen. Die 6970 gibt hier schon vor, was sich durch viele Tests ziehen wird: Sie ist nur rund 20 Prozent schneller als die 5870. Sie reicht aber auch an die GTX 570 heran.

Der neue 3DMark 11 arbeitet mit DirectX-11, aufgrund des kurzen Testzeitraums konnten nur die drei neuesten Karten damit vermessen werden. 6970, 6950 und GTX 570 liegen eng beisammen, in der Einstellung "Extreme" kann die 6970 aber auch die 570 klar schlagen.

Seit seinem Erscheinen ist Heaven von Unigine das Aushängeschild für die neue DirectX-11-Funktion der Tessellation. Nvidia hatte vor dem Marktstart der GTX 480 stets betont, AMD in diesem Punkt überlegen zu sein. Seit Heaven 2.0, den wir für bessere Vergleichbarkeit noch verwenden, kann der Grad der Tessellation auch bestimmt werden, auch wenn die Einstellung "Extreme" dutzendfache Unterteilungen vornimmt, die bisher kein Spiel verwendet.

Die verbesserten Tesselatoren der Radeon 6900 wirken sich deutlich aus, ebenso wie die höhere Geometrieleistung - sie liegt ohne Tesselation fast auf dem Niveau der GTX 580. Diese bricht aber bei aktivierter Unterteilung bei weitem nicht so stark ein. Der Abstand zur 5870 ist dennoch deutlich. Heaven ist im Übrigen kein rein theoretischer Benchmark, Unigine zufolge befinden sich über 20 Spiele mit dieser Engine in Entwicklung.



DirectX-10: Crysis und Far Cry 2

Zwei der grafisch eindrucksvollsten Shooter aus der DirectX-10-Ära müssen zeigen, was sie mit modernen Grafikarchitekturen zu leisten imstande sind. Der Benchmark-Klassiker Crysis, für den es bei vollem Detailgrad zum Erscheinungstermin nötig war, zwei GPUs zu verwenden, skaliert noch immer nicht ideal mit mehr Grafikleistung.

Far Cry 2 kann wesentlich besser mit mehr GPU-Power umgehen. Das Spiel ist sogar so schnell, dass bereits Karten der Mittelklasse für hohe Auflösungen mit Filterfunktionen ausreichen. Die Serie 6900 ist mit diesem Spiel deutlich schneller geworden, dennoch harmoniert es immer noch besser mit Nvidia-Karten.



DirectX-10: Call of Duty MW 2 und Anno 1404

Zwei aktuellere Titel mit DirectX-10 dienen dem Vergleich der Leistung bei 1.920 x 1.200 Pixeln, also auf den seit einiger Zeit recht günstig gewordenen 24-Zoll-Monitoren. Bei Call of Duty verwenden wir dafür eine Sequenz am Anfang der Mission "Teamspieler", die hohe Bildraten liefert - diese können sich im weiteren Verlauf des Spiels aber auch halbieren.

Auch dafür sind die getesteten Grafikkarten aber schnell genug; wie viele "The way it's meant to be played"-Spiele ist auch das bis zum Erscheinen von Black Ops aktuelle Call of Duty auf Nvidia-Karten viel schneller als auf AMD-Geräten. Nur rund zehn Prozent schneller ist die 6970 als die 5870.

Umgekehrt ist die Leistung mit Anno 1404. Das Spiel, das bei Veröffentlichung auf AMD-Karten schwere Bildfehler produzierte, ist inzwischen auf diesen Geräten schneller als bei Nvidia-Karten - auch als die 580. Da dieser Titel aber insgesamt nicht sehr fordernd für die Grafikkarte ist, reichen auch günstige Modelle aus.



DirectX-11: Stalker - Call of Pripyat und Dirt2

In der Einstellung "Ultra" ist das dritte Stalker-Spiel - das an den ersten Teil anschließt - eine moderne Grafikdemo im typischen Stil der russischen Entwickler. Als einer der ersten DirectX-11-Titel wurde das Programm auf AMD-Grafikkarten entwickelt, was der Chiphersteller inzwischen auch bestätigt hat.

Das zeigt sich deutlich: Das Spiel ist auf der 5870 etwas schneller als mit der GTX 480, die 580 gewinnt aber auch hier. Wie schwer es mit der eigenwilligen Engine von Stalker ist, mehrere GPUs anzusprechen, zeigt das Drittel an Mehrleistung, das die zweite GPU der 5970 bringt. Dass die 6970 gegen die 5870 verliert, dürfte an noch nicht voll optimierten Treibern liegen.

Dirt2, eines der immer noch am besten aussehenden Rennspiele, skaliert sehr gut mit Grafikleistung. Die Entwickler nutzten dafür mit DirectX-11 unter anderem Physik, Partikelsysteme und Tessellation für Wasser und Zuschauer. Bei geringer Auflösung ist die Radeon 6970 hier mit ihren hohen Takten und mehr Dreiecks-Performance Sieger unter den AMD-Karten, unschlagbar bleibt aber die GTX 480 und erst recht die 580 mit ihrer hohen Tessellationsleistung. Gegenüber der 5870 macht aber auch die 6970 Fortschritte.



Leistungsaufnahme und Lautstärke

An der schon seit der Serie 5000 guten niedrigen Leistungsaufnahme der Radeon-Karten auf dem Windows-Desktop hat sich nichts geändert. Die Karten sind zudem dabei fast unhörbar. Die 6970 fordert mit dem Rest des PCs genau die 110 Watt, die schon die 5870 aufnahm.

Anders sieht das mit 3D-Anwendungen aus, für die wir den zweiten Grafiktest in "Extreme"-Einstellung des 3DMark Vantage wegen perfekter Reproduzierbarkeit heranziehen. Mit 278 Watt für das Gesamtsystem nimmt die 6870 deutlich mehr auf als die 243 Watt für eine 5870. Die schnellsten Fermi-Karten sind hier aber weiterhin die schlimmsten Stromschlucker.

Wie sehr die Lasten schwanken können, zeigt der Worst-Case-Test mit Furmark 1.80. Da inzwischen sowohl AMD als auch Nvidia hier die Leistung drosseln (siehe den Abschnitt 'PowerTune' dieses Tests) geben wir die Werte in den vom Hersteller vorgegebenen Einstellungen an.

Die 6970 ist mit 340 Watt sogar knapp stromhungriger als die GTX 580, AMD hat das letzte Quäntchen Rechenleistung auf Kosten der Leistungsaufnahme aus dem Chip gequetscht. Die 6950 ist mit 286 Watt wesentlich sparsamer, unter den Mittelklasse-Karten ist die 6850 mit 241 Watt unter schlimmsten Bedingungen die wesentlich vernünftigere Alternative.

Wie schon im Video zum Geräuschvergleich zwischen GTX 480 und Radeon 5870 gezeigt, unterscheidet sich der Eindruck der Lüfter von AMD und Nvidia auch bei den neuen Radeons deutlich. Sie zeigen unter Last ein eher metallisches Geräusch mit hohem Obertonanteil, alle Geforce-Karten fallen durch ein gleichmäßiges Rauschen auf.

Alle Karten der Serien 6800 und 6900 sind unter Last auch aus einem geschlossenen PC deutlich herauszuhören.



Grafikempfehlungen zu Weihnachten

Da mit den Radeon 6900 die letzten erwarteten Grafikkarten des Jahres 2010 vorgestellt sind, bietet sich ein preisbezogener Vergleich an. Wer noch keine DirectX-11-Karte besitzt, hat nun eine breite Auswahl von beiden Herstellern. Alle Markenpräferenzen außen vor, erscheinen vor allem drei Karten unter 300 Euro besonders interessant.

Für unter 200 Euro gibt es mit der GTX 460 solide Leistung, wenn auch nicht in höchsten Auflösungen und mit allen Filterfunktionen. Die Radeon 6850 ist schon zu ähnlichen Preisen zu haben, auf die neuen Funktionen wie Dual-BIOS und PowerTune muss dann aber verzichtet werden. Dafür ist die Karte in allen Bereichen viel sparsamer als gleichteure Konkurrenz.

Bleibt nur die 6950, wenn die aktuellen AMD-Features gewünscht werden - dann sind aber mindestens 260 Euro gefordert. Die empfehlenswerte Grafikkarte an der Schmerzgrenze von 300 Euro gibt es im Moment kaum - aber Restposten der Radeon 5870, die ab rund 250 Euro zu haben sind. Die verbesserte Tessellation, die höhere Geometrieleistung und die neuen Funktionen von AMD stehen dann aber nicht zur Verfügung.

Mit Preisen um 350 Euro für GTX 570 und Radeon 6970 sowie deutlich höherer Leistungsaufnahme bei Spielen beginnt nun schon das High-End - GTX 580 und erst recht die Doppel-GPU-Karte 5970 sind nochmals wesentlich teurer und stromhungriger und nur etwas für kompromisslose Technikfans.

Bei all diesen Überlegungen gilt es zu beachten, dass die Preise für kein Produkt so sehr im Fluss sind, wie für Grafikkarten. Die empfohlenen Preise werden direkt nach dem Marktstart oft nur kurz und von wenigen Händlern eingehalten, da neue Karten schnell vergriffen sind. Dann steigen die Preise, bis sie sich nach einigen Wochen auf ein Niveau einpendeln. Und dann sind, je nach den Verkaufszahlen und dem Verhalten der Konkurrenz, oft auch schon die ersten Preissenkungen wahrscheinlich.

Den optimalen Zeitpunkt zum Kauf einer Grafikkarte gibt es somit nicht. Wie bei jeder Hardware gilt: Dann kaufen, wenn sie wirklich nötig ist.



Fazit

Knapp daneben ist auch vorbei - anders als bei der 5870 kann AMD diesmal nicht die schnellste GPU vorlegen. Dieser Titel gebührt der GTX 580. Das ist aber eher für Nvidias Marketing wichtig, nicht für den Spieler, der sich an echter Spieleleistung orientiert. Und hier sind alle aktuellen Karten ab 200 Euro auch für aktuelle Spiele schnell genug.

Gemessen an ihren Preisen von rund 260 Euro für die Radeon 6950 und 330 Euro für die 6970 sind AMDs Neue faire Angebote. Sie sind im Schnitt 10 bis 30 Prozent schneller als ihre direkten Vorgänger - das ist allerdings nicht das, was man von einer nach Angaben des Hersteller neuen Architektur erwarten darf.

Die Zeiten, in denen sich die Geschwindigkeit von GPUs jedes Jahr verdoppelte, sind aber ohnehin vorbei. Daher stellt auch der Cayman der beiden neuen AMD-Karten eher einen Refresh des Cypress dar, bei dem wichtige Erweiterungen wie bessere Tessellations- und GPGPU-Leistung vorgenommen wurden.

Mit PowerTune zeigt AMD, wie ein für den ambitionierten Anwender transparenter Kompromiss zwischen Überhitzungsschutz und Tuning aussehen kann. Gepaart mit dem doppelten BIOS sind die Radeon 6900 eine Spielwiese für Übertakter und Bastler.

In den Benchmarks zeigt sich dennoch ein leichtes Ungleichgewicht zwischen synthetischen Tests und Spielen - stabil laufen die Treiber zwar, sie scheinen aber noch viel Luft für Optimierungen zu haben.

Spannend bleibt die Frage, wie AMD mit der hohen Leistungsaufnahme der 6970 aus der Cayman-GPU die schon angekündigte Doppel-GPU-Karte 6990 im Rahmen der ATX-Spezifikationen bauen will. Diese schreiben 300 Watt für eine Grafikkarte als Maximum vor. Dies konnte AMD schon bei der 5970 nur mit gesenkten Takten einhalten - bei der 6990 könnten die Reduzierungen noch deutlicher ausfallen.

 (nie)


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