Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1012/80102.html    Veröffentlicht: 14.12.2010 11:48    Kurz-URL: https://glm.io/80102

Jeopardy

Für IBMs Watson wird es im Februar 2011 ernst

Das auf Power7-Prozessoren basierende IBM-System Watson tritt am 14., 15. und 16. Februar in der US-Quizsendung Jeopardy gegen Ken Jennings und Brad Rutter an, die in der Ratesendung bislang besonders gut abgeschnitten haben. Geplant sind jeweils zwei Partien.

Bereits im April 2009 hatte IBM angekündigt, mit einer Maschine in der Quizsendung Jeopardy antreten zu wollen. Das Watson genannte System soll in der Lage sein, menschliche Gegner zu schlagen. Damals steckten bereits zwei Jahre Arbeit von IBM-Wissenschaftlern in dem System zur Beantwortung von Fragen, denn um zu gewinnen muss Watson komplexe Fragen schnell und präzise beantworten. Das große Themenspektrum und der hohe Zeitdruck bei Jeopardy seien eine große Herausforderung für eine Maschine, so IBM. Denn Watson muss dazu die vagen und subtilen, zum Teil ironischen Hinweise korrekt analysieren. Etwas, was Menschen traditionell viel besser können als Maschinen.

Das nach IBM-Gründer Thomas J. Watson benannte System tritt gegen Ken Jennings und Brad Rutter an: Jennings hält den Jeopardy-Rekord für die meisten gewonnenen Spiele in Serie. Er gewann 2004 und 2005 74 mal in Serie und gewann dabei rund 2,5 Millionen US-Dollar. Brad Rutter hat bei Jeopardy als Einzelspieler bislang die höchste Gewinnsumme eingefahren: 3.255.102 US-Dollar. Er nahm erstmals 2002 an der Show teil, es folgten dann aber weiter Auftritte in speziellen Jeopardy-Tournieren.

Im Wettbewerb mit Watson können die beiden nochmals bis zu einer Million US-Dollar gewinnen, die für den ersten Platz ausgelobt sind. Der Zweitplatzierte erhält immerhin noch 300.000 US-Dollar, der Dritte 200.000 US-Dollar. Allerdings haben Jennings und Rutter bereits angekündigt 50 Prozent ihres Gewinns für gemeinnützige Zwecke zu spenden. IBM will Watsons Gewinn komplett spenden.

Im Herbst hat Watson bereits 50 Übungsrunden Jeopardy gespielt und den für alle Jeopardy-Kandidaten obligatorischen Test absolivert, mit dem sich menschliche Kandidaten für die Teilnahme an der regulären Sendung qualifizieren müssen. Aufnahmen der Übungsrunden will IBM in den kommenden Wochen unter ibmwatson.com veröffentlichen.

Die Watson zugrundeliegende Forschung soll zu großen Fortschritten bei der Computerintelligenz und Mensch-zu-Computer-Kommunikation führen. IBM sieht kommerzielle Anwendungen in den Bereichen Business Intelligence, Analytik und Informationsmanagement. Denn Watson soll letzendlich in der Lage sein, Semantik, also die Bedeutung hinter Wörtern, zu erkennen und so zwischen relevanten und irrelevanten Inhalten zu unterscheiden sowie Fragen in Unterfragen aufzuspalten. Dabei berechnet Watson auch das Konfidenzintervall der Antworten, gibt also an, mit welcher Wahrscheinlichkeit diese korrekt sind. Da das System dazu nur Sekunden benötigt, soll es in der Lage sein, bei Jeopardy ernsthaft mitzuspielen.

Die dem zugrundeliegende massiv-parallele Architektur in Kombination mit der von IBM entwickelten Software könnte aber auch bei medizinischen Diagnosen eingesetzt werden oder helfen, die Qualität von Service-Hotlines zu verbessern, so IBM.

Die Idee, die Leistungsfähigkeit von Computersystemen in Spielsituationen zu demonstrieren, ist für IBM nicht neu: 1997 gewann beispielsweise IBMs Deep Blue gegen Schachweltmeister Garry Kasparow. Das System war in der Lage, 200 Millionen Schachzüge pro Sekunde zu berechnen. Während Deep Blue nur ein eng begrenztes Problem zu bewältigen hatte, soll Watson nun Probleme ohne klare Grenzen lösen. Damit will IBM vor allem demonstrieren, wozu Software heute in der Lage ist.  (ji)


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