Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1012/79992.html    Veröffentlicht: 08.12.2010 18:26    Kurz-URL: https://glm.io/79992

Netbook-Betriebssysteme

Jolicloud 1.1 verlängert Laufzeit

Die aktuelle Version 1.1 der Linux-Distribution Jolicloud für mobile Rechner startet dank aktuellen Ubuntu-Unterbaus schneller als seine Vorgänger und läuft länger im Batteriebetrieb.

Die aktuelle Version 1.1 der Linux-Distribution wurde bereits auf dem eigenen Jolicloud-Netbook ausgeliefert, jetzt ist sie auch auf der Webseite als Download verfügbar. Seit Version 1.0 haben Tariq Krim und sein Entwicklerteam die Basis von Ubuntu 9.04 auf Ubuntu 10.04 aktualisiert. Damit fährt Jolicloud dank Upstart und Plymouth schneller hoch. Statt der Anmeldeverwaltung von Gnome nutzt Jolicloud Slim, was die Anmeldung beschleunigt. Zusätzlich soll Jolicloud mit Ubuntu 10.04 und Gnome 2.30 deutlich ressourcensparender sein: Im Batteriebetrieb sprechen die Entwickler von einer Verlängerung der Laufzeit um 15 Prozent.

Mit dem Linux-Kernel 2.6.35.4 wurde auch die Unterstützung aktueller Rechnerkomponenten erweitert. Der Kernel hat neue Treiber für WLAN-Adapter, Soundkarten und Webcams. Zusätzlich haben die Entwickler geschlossene Treiber für Grafikkarten von Nvidia und Intel mit Poulsbo-Chipsatz integriert, sie müssen nicht mehr aus dem Internet nachinstalliert werden. Auch für Netzwerkchips von Broadcom haben die Entwickler Treiber und Firmware integriert. Auf Systemen mit Intels Atom N450 und N550 verwendet Jolicloud einen optimierten Linux-Kernel, der auch 1080p-Videos ruckelfrei abspielen soll.

Neue Themes für das Dashboard

Als Loginmanager verwendet Jolicloud 1.1 den Simple Login Manager (Slim), statt wie bisher GDM aus der Gnome-Kollektion, um die Anmeldezeit am System zu verkürzen. Die grafische Oberfläche lässt sich mit neuen Themes optisch umgestalten. Zusätzlich haben die Entwickler auf Wunsch der Benutzer die Einstellungen auf der Dashboard genannten Benutzeroberfläche platziert, um sie leichter zugänglich zu machen. Zudem können Starter lokal installierter Anwendungen ebenfalls auf dem Dashboard abgelegt werden.

Die Benutzeroberfläche wurde schon in Version 1.0 auf HTML portiert und verwendet seitdem eine eigene Variante des Chrome-Browsers von Google. Der Nickel-Browser dient auch als Instanz für die zahlreichen Webapps, die die Entwickler für Jolicloud bereitstellen. In der Vorgängerversion wurden Webapps noch in Mozillas Prism oder Adobes AIR eingebettet.

Eng verzahnt mit dem Internet

Jolicloud ist für den Einsatz auf Netbooks gedacht und soll diese nahtlos an das Internet anbinden. Dafür bieten die Jolicloud-Entwickler nicht nur Webapps und Zugänge zu Onlinediensten für die Datenspeicherung an, sondern bringen auch gleich einen eigenen Dienst mit, in dem installierte Apps registriert und gespeichert werden. Bei einer erneuten Anmeldung mit einem frisch installierten System werden die Applikationen automatisch nachinstalliert. Die Anmeldung an dem Jolicloud-Dienst ist kostenlos. Eine Anmeldung ist Pflicht, denn nur über den Dienst kann der Anwender die Installation der Apps vornehmen und Updates für das System erhalten.

In der Joli-Wolke kann der Anwender weitere Jolicloud-Benutzer einladen, um sich "verfolgen" zu lassen, wie die Entwickler den Dienst im englischen Original bezeichnen (Follow). Einmal als Follower etabliert, berichtet Jolicloud anderen Benutzern über das Installations- und Updateverhalten auf dem eigenen Netbook. Eine Suchfunktion für angemeldete Benutzer gibt es bereits, ebenso wie eine Liste aktuell hinzugekommener Anmeldungen. Die Webapps werden von dem Dienst nach Beliebtheit bewertet. Weitere soziale Netzdienste, etwa Chat oder Datentausch, bietet Jolicloud selbst bislang nicht an. Sollte Jolicloud später eigene Dienste anbieten, könnte sich die Linux-Distribution zu einer ernsthaften Alternative zu Googles Chrome OS entwickeln.

Zahlreiche Installationsmöglichkeiten

Jolicloud lässt sich auf einer Windows-Partition installieren. Dazu verwendet es den von Ubuntu verwendeten Wubi-Installer, der direkt in eine Jolicloud-ISO-Datei eingebettet wurde. Die 640 MByte große, ausführbare Windows-EXE-Datei steht zum Download auf den Projektseiten von Jolicloud bereit. Der Installer erstellt dabei eine Containerdatei samt virtuellem Laufwerk und trägt einen Starter in den Bootmanager von Windows ein. Der Vorteil: Jolicloud lässt sich ohne Partitionierung oder Linux-Bootmanager installieren und auch restlos entfernen. Der Nachteil ist jedoch, dass Jolicloud in dem Dateisystem der Containerdatei nicht ganz so zügig läuft wie in einer eigenen Partition.

Alternativ liegt Jolicloud auch als ISO-Datei vor. Für die Installation auf diesem Weg eignet sich entweder der Start von CD oder USB-Stick. In Ermangelung eines optischen Laufwerks kann das ISO-Image auch auf einen USB-Stick oder eine SD-Karte übertragen werden. Die Jolicloud-Entwickler haben dafür ein Miniprogramm entwickelt, das die ISO-Datei auf einen portablen Datenträger kopiert und diesen bootfähig macht. Der Jolicloud USB Creator steht für Windows, Mac OS X und Linux zum Download bereit.  (jt)


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