Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1012/79942.html    Veröffentlicht: 07.12.2010 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/79942

Zahlungsstopp

Visa und Mastercard sperren Wikileaks (Update)

Die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa haben Wikileaks gesperrt. Die Organisation kann keine Spenden mehr über die Karten der beiden Unternehmen entgegennehmen. US-Behörden sperren den Zugang zu den Seiten von Wikileaks.

Der Organisation Wikileaks drohen finanzielle Probleme: Das Kreditkartenunternehmen Mastercard werde keine Geldtransaktionen mehr für Wikileaks durchführen, berichtet der US-Branchendienst Cnet. Mastercard ergreife Maßnahmen, um sicherzustellen, dass Wikileaks keine Zahlungen mehr über seine Karten entgegennehmen könne, teilte das Unternehmen mit.

In illegale Handlungen verwickelt

Das US-Kreditkartenunternehmen begründete den Schritt damit, dass Wikileaks in illegale Handlungen verwickelt sei. Die Bedingungen des Unternehmens untersagten es Kunden, sich direkt oder indirekt an unrechtmäßigen Aktionen zu beteiligen oder diesen Vorschub zu leisten, erklärte ein Sprecher.

Mastercard ist nicht der erste Zahlungsdienstleister, der Wikileaks die Dienste kündigt: Der Onlinebezahldienst Paypal hat Wikileaks vor einigen Tagen das Konto gesperrt. Der britische E-Payment-Dienstleister Moneybookers hatte das Konto der Organisation bereits im August eingefroren.

Damit ist die Finanzierung der Organisation ernsthaft in Gefahr. Hinzu kommt, dass einer der größten Geldgeber von Wikileaks, die deutsche Wau-Holland-Stiftung, derzeit wegen eines fehlenden Geschäftsberichts Schwierigkeiten mit einer Aufsichtsbehörde hat.

US-Behörden sperren Wikileaks, ...

Doch nicht nur Finanzdienstleister blockieren Wikileaks: Das US-Energieministerium (Department of Energy, DOE) verwehrt einem Teil seiner Mitarbeiter den Zugang zu den Seiten der Organisation. Betroffen sind mehrere der Forschungseinrichtungen des DOE, die den Zugang zu der Wikileaks-Seite sowie zu deren zahlreichen Spiegelseiten gesperrt haben.

Mark Leininger, der Sicherheitsbeauftragte des in Batavia im US-Bundesstaat Illinois ansässigen Fermilab, begründete die Maßnahme mit dem Schutz der Mitarbeiter. Es bestehe ein Risiko für die Wissenschaftler, die im Auftrag der Regierung forschten, wenn diese als vertraulich eingestufte Daten einsähen oder besäßen, schreibt er in einer internen E-Mail, die Cnet vorliegt.

Die Kongressbibliothek hat nach eigenen Angaben am vergangenen Freitag den Zugang zu Wikileaks gesperrt. Als Bundeseinrichtung sei sie an geltendes Recht gebunden, das sie dazu verpflichte, vertrauliche Informationen zu schützen, begründete Matt Raymond, Leiter der Kommunikationsabteilung, den Schritt. "Die unberechtigte Veröffentlichung vertraulicher Dokumente ändert nicht deren Status oder führt automatisch zur Freigabe."

... Facebook und Twitter nicht

Facebook hingegen hat mitgeteilt, das Unternehmen sehe keine Grund, die Wikileaks-Seite in dem sozialen Netz zu schließen. Auf der Seite befinde sich kein Material, das gegen die Bedingungen von Facebook verstoße, antwortete das Unternehmen auf eine Anfrage des US-Blogs Readwriteweb. Der Microbloggingdienst Twitter sagte, er werde Wikileaks nicht zensieren.

Die Blogger hatten die beiden Web-2.0-Dienste gefragt, wie sie mit Wikileaks künftig umgingen. Sie kommentierten die Stellungnahmen jedoch: "Erwarten Sie nicht, dass dies die letzten Worte der beiden Unternehmen in dieser Angelegenheit sind."

Nachtrag vom 7. Dezember 2010, 16:50 Uhr

Nach Mastercard will auch Konkurrent Visa keine Zahlungen mehr für Wikileaks abwickeln, berichtet die BBC. Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis die Sperrung in Kraft tritt, sagte eine Sprecherin des Kreditkartenunternehmens. Das Unternehmen wolle dann prüfen, ob Wikileaks gegen die Geschäftsbedingungen verstoße.  (wp)


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