Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1012/79874.html    Veröffentlicht: 03.12.2010 14:05    Kurz-URL: https://glm.io/79874

TurboHercules

Microsoft investiert in Open-Source-Unternehmen

Microsoft hat in aller Stille in das Open-Source-Unternehmen TurboHercules investiert. Die französische Firma will mit Hercules, einem quelloffenen Emulator für IBM-Mainframe-Betriebssysteme, Geld verdienen. Vor der Europäischen Kommission streitet Microsoft deshalb mit Big Blue.

Microsoft hat Anteile an dem französischen Open-Source-Unternehmen TurboHercules gekauft. "Microsoft hat einen Betrag in unser Unternehmen investiert", gab die Firma in Paris bekannt. Angaben zur Höhe der Einlage wurden nicht gemacht.

Microsoft sagte der Tageszeitung Le Monde: "Microsoft teilt die Ansicht von TurboHercules, dass mehr Offenheit und Wahlfreiheit für die Kunden auf dem Mainframe-Markt nötig ist. Kunden sagen uns, dass sie eine bessere Interoperabilität der Mainframe-Plattformen wünschen, Windows Server eingeschlossen. Aus diesem Grund investieren wir weiterhin in Unternehmen wie TurboHercules, die solche Lösungen für unsere gemeinsamen Kunden entwickeln." Microsoft hat bereits einigen Firmen Geld gegeben, die IBM im Geschäftsfeld Mainframe-Software angreifen.

Hercules ist ein Emulator für IBM-Mainframe-Betriebssysteme, mit dem Programme, die für IBM-Großrechner geschrieben wurden, auf PC-Hardware laufen. Projektgründer Roger Bowler wollte eine Lizenzvereinbarung mit IBM treffen, was IBM jedoch abgelehnt hat. Der IT-Konzern habe viele Jahre Entwicklungszeit und Milliarden US-Dollar in die z-Architektur investiert. Hercules emuliere signifikante Teile von IBMs proprietärem Befehlssatz, wodurch viele von IBM gehaltene Patente verletzt würden, erklärte IBM.

Am 26. Juli 2010 leitete die Europäische Kommission zwei Wettbewerbsverfahren gegen IBM ein. Eine der Untersuchungen ging auf Beschwerden der Emulator-Softwareanbieter T3 und TurboHercules zurück, die dem Konzern vorwarfen, IBM kopple seine Mainframe-Hardware an sein Mainframe-Betriebssystem. In den Beschwerden wird geltend gemacht, dass dadurch Anbieter von Emulationstechnologie verdrängt würden, die es Nutzern ermöglichen könnte, grundlegende Anwendungen auf nicht von IBM stammender Hardware auszuführen. Für neue Hardware und Betriebssysteme für Großrechner würden 2009 weltweit rund 8,5 Milliarden Euro und im Europäischen Wirtschaftsraum rund 3 Milliarden Euro ausgegeben, erklärte die Wettbewerbsbehörde.  (asa)


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