Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1011/79776.html    Veröffentlicht: 30.11.2010 15:23    Kurz-URL: https://glm.io/79776

Amazons Cyber Monday

Verbraucherzentrale spricht von Lockvogelwerbung

Die Bundesverbraucherzentrale ist sich sicher, dass Amazons erster Cyber Monday in Deutschland eine unzulässige Lockvogelwerbung war. Kaum ein Kunde habe die stark verbilligten Produkte wirklich erhalten. Doch der Gesetzgeber lässt solche Verkaufsaktionen zu.

Amazons Cyber Monday am 29. November 2010 war nach Ansicht des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) eine unzulässige Lockvogelwerbung. Kerstin Hoppe vom VZBD sagte Golem.de auf Anfrage, nur ein Bruchteil der Menschen habe die angebotenen Waren wirklich bekommen. Das hätten Käufer dem VZBV berichtet.

Im Test von Golem.de waren Produkte wie die Spielekonsole Playstation 3 für 177,77 Euro und der Fernseher Sony Bravia KDL-32EX500 für 333,33 Euro bereits wenige Sekunden nach Aktionsbeginn ausverkauft. Amazon-Deutschland-Sprecherin Christine Höger sagte Golem.de am Montag: "Da viele Tausend Kunden die Angebote direkt in den ersten Sekunden zum Start der jeweiligen Aktionen wahrnehmen und kaufen, sind die Produkte erwartungsgemäß sehr schnell vergriffen."

Verbraucherschützer sprechen grundsätzlich von einer unzulässigen Lockvogelwerbung, wenn mit einem verbilligten Artikel geworben wird, der nicht verfügbar ist. Da der Gesetzgeber aber die Rechtslage zu Ungunsten der Verbraucher verändert habe, könne dagegen juristisch schwer etwas unternommen werden, sagte die VZBV-Referentin für kollektiven Rechtsschutz. "Wir können das abmahnen, aber der Abgemahnte kann dann immer sagen, dass er mit dieser hohen Nachfrage nicht rechnen musste und aus seiner Sicht ausreichend bevorratet hat. Das wird uns ganz oft in den Prozessen entgegengehalten".

Die Verbraucherschützer brauchten auch mehrere Kundenbeschwerden, um in einem solchen Fall aktiv werden zu können. Doch auch dann sei die Gefahr noch groß, dies vor Gericht "aus der Hand geschlagen" zu bekommen, betonte Hoppe.

Für die Handelskonzerne bestehe keine Pflicht, die Menge der angebotenen Sonderangebotsartikel öffentlich zu machen. Das ließe sich nur mit einer Auskunftsklage erzwingen, sagte Hoppe. Eine Sonderaktion wie den Cyber Monday habe es aber in Deutschland noch nicht gegeben, weshalb der Händler sich damit herausreden könne, dass mit einer so hohen Anfrage nicht zu rechnen gewesen sei. Auch eine Pflicht, die Verfügbarkeit eines Sonderangebots für einen bestimmten Zeitraum abzusichern, sieht der Gesetzgeber nicht.

Amazon hatte angekündigt, die Cyber-Monday-Angebote "stark limitiert und jeweils für maximal zwei Stunden und nur solange der Vorrat reicht" anzubieten. Doch eine solche allgemeine Ankündigung reiche nicht. "Dazu gibt es gerichtliche Entscheidungen", sagte Hoppe. Das stünde in jedem Aldi-Katalog, dennoch würde der VZBV dagegen vorgehen.  (asa)


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