Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1011/79424.html    Veröffentlicht: 16.11.2010 11:39    Kurz-URL: https://glm.io/79424

Für eine Milliarde Dollar

Ende des Streits zwischen Intel und Nvidia in Sicht

Unbestätigten Berichten von US-Medien zufolge könnten sich Intel und Nvidia im Zwist um Chipsatzlizenzen bald außergerichtlich einigen. Dafür soll Intel eine Milliarde Schadensersatz an Nvidia zahlen und dem Grafikspezialisten Zugang zu eigenen Technologien gewähren - auch eine x86-Lizenz steht zur Debatte.

Unabhängig voneinander berichten Hothardware und SemiAccurate, dass der seit drei Jahren schwelende Konflikt zwischen Intel und Nvidia bald zu einem Ende kommen könnte. Außer einem von Semiaccurate zitierten Analysten gibt es jedoch keine namentlich genannten Quellen. Die weiteren Angaben beider Medien decken sich jedoch: Intel soll - ohne irgendeine Schuld anzuerkennen - eine Milliarde US-Dollar an Nvidia zahlen, das dafür seine Klage zurückzieht. Beide Unternehmen sollen zudem wechselseitig Lizenzen für eigene Technologien an den jeweils anderen vergeben.

Für Nvidia scheinen auf den ersten Blick die Busse der aktuellen Intel-Prozessoren mit integriertem Speichercontroller am interessantesten - daran hatte sich der Streit schließlich entzündet. Laut Intels Meinung besitzt Nvidia dafür keine Lizenzen, Nvidia sieht das anders. Die beiden Unternehmen hatten 2005 nach ebenfalls langem Streit ein Lizenzabkommen geschlossen, so dass Nvidia auch Chipsätze für Intel-Prozessoren anbieten konnte. Seit der Core-i-Generationen gibt es solche Produkte von Nvidia für die aktuellen Intel-CPUs aber nicht mehr.

Keine neuen Nvidia-Chipsätze? Dennoch soll Hothardware zufolge Nvidia keinen großen Wiedereinstieg in das Geschäft mit Chipsätzen für PCs planen, was auch für AMD-CPUs gelten soll. Hier hatte wiederum AMD angekündigt, für die eigene Plattform 100 Prozent Marktanteil erreichen zu wollen. In den vergangenen Jahren ist auch das Angebot an AMD-Chipsätzen, wo Nvidia mit den Nforce-Produkten recht stark war, kontinuierlich zurückgegangen.

Da sich Nvidia zudem mit den Tegra-SoCs schon auf ARM-Kerne für mobile Geräte festgelegt hat, ist eine x86-Lizenz weniger begehrenswert als noch vor zwei Jahren. Nicht erst seitdem gibt es immer wieder Gerüchte, dass Nvidia einen eigenen PC-Prozessor entwickeln wolle. Da inzwischen schon Intel und bald auch AMD CPUs mit integrierter Grafik anbieten, scheint Nvidias Chance in diesem Segment auch immer kleiner zu werden.

Welche Technologien die beiden Unternehmen also wechselseitig lizenzieren könnten, ist damit noch nicht abzusehen. Mit SLI hat Nvidia immerhin noch ein Produkt, für das Intel fleißig Lizenzgebühren bezahlen muss, denn: Für jedes Mainboard, das nicht mit einem Nvidia-Chipsatz arbeitet und trotzdem SLI unterstützt, sind Zahlungen an Nvidia zu entrichten. Nvidia hatte diese Technologie erst 2008 auch für Mainboards mit Intel-Chipsätzen geöffnet.

Sehr hoch erscheint aber auch trotz eines möglichen Wegfalls der SLI-Zahlungen der Preis der Einigung. Nach jahrelangem Konflikt zwischen Intel und AMD um mögliche wettbewerbswidrige Praktiken im Prozessormarkt hatte Intel an AMD 1,25 Milliarden US-Dollar gezahlt. Eine Milliarde für Nvidia wäre ob des viel kleineren Volumens des Chipsatzmarktes vergleichsweise eine sehr hohe Summe.  (nie)


Verwandte Artikel:
HP Omen X VR im Test: VR auf dem Rücken kann nur teils entzücken   
(20.02.2018, https://glm.io/132852 )
Nvidia sucht Öffentlichkeit im Chipsatzstreit mit Intel   
(26.04.2010, https://glm.io/74729 )
Sicherheitslücke: Spectre-Angriff kann Intel SGX überwinden   
(07.03.2018, https://glm.io/133209 )
Wacom Cintiq Pro Engine: Steckkassette macht Stiftdisplay zum Grafiker-PC   
(28.02.2018, https://glm.io/133061 )
Core-i-Prozessoren: Intel bestätigt gravierende Sicherheitsprobleme in ME   
(22.11.2017, https://glm.io/131288 )

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/