Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1011/79048.html    Veröffentlicht: 01.11.2010 15:32    Kurz-URL: https://glm.io/79048

Schadensersatz

Oracle will mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar von SAP

Im Rechtsstreit um die frühere SAP-Tochter Tomorrownow hat Oracle hohe Schadensersatzforderungen erhoben. SAP sprach von Schikanen, die sich gegen einen Konkurrenten richten.

In dem heute beginnenden Prozess um Tomorrownow, ein früheres Tochterunternehmen von SAP, fordert der Kläger Oracle Schadensersatz in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg aus Gerichtsunterlagen.

Der Prozess beginnt heute vor einem Bundesgericht in Oakland, Kalifornien, mit der Auswahl der Geschworenen. Morgen folgt das Eröffnungsplädoyer von Oracle. Die Verhandlung könnte bis zu vier Wochen dauern. SAP hatte zuletzt für den Rechtsstreit mit dem Konkurrenten die Rücklagen von 100 Millionen US-Dollar auf 160 Millionen US-Dollar erhöht.

SAP übernahm Tomorrownow im Jahr 2005 für 10 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen war Spezialist für Wartungs- und Supportdienstleistungen für Peoplesoft- und JDE-Produkte des Konkurrenten Oracle. SAP habe über seine ehemalige Tochter "Diebstahl in großem Stil" begangen, so der Vorwurf Oracles, der später um Urheberrechts- und Vertragsverletzung erweitert wurde. Tomorrownow-Beschäftigte sollen Zugangsdaten von Oracle-Kunden genutzt haben, um tausende von Softwareprodukten und andere vertrauliche Dokumente von Oracles Servern herunterzuladen. SAP räumte im Juli 2007 "unangemessene Downloads" von Oracle-Supportmaterial ein, auch wenn Tomorrownow berechtigt gewesen sei, im Auftrag ihrer Kunden Material von Oracle zu laden. Ende Oktober 2008 hatte SAP den Geschäftsbetrieb von Tomorrownow eingestellt.

Oracles Schadensschätzungen seien "stark übertrieben" und die Klage sei als Schikane gegen Konkurrenten aufzufassen, so die SAP-Anwälte.

Oracle-Chef Larry Ellison hatte wegen des Streits die Ernennung des früheren SAP-Chefs Léo Apotheker zum neuen Vorstandschef von Hewlett-Packard kritisiert. "Ein Großteil dieser Industriespionage und Diebstahl geistigen Eigentums passierte, als Léo Chef von SAP war", so Ellison. Oracles Anwälte wollen Apotheker in den Zeugenstand rufen.  (asa)


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