Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78909.html    Veröffentlicht: 26.10.2010 14:01    Kurz-URL: https://glm.io/78909

Spieletest Fable 3

Abenteuer Revolution (Update)

Der eigene Bruder ist ein böser König? Hinweg mit dem Tyrannen - in Fable 3 geht der Spieler als Prinz oder Prinzessin in den Widerstand, um selbst den Thron zu erklimmen. Lionheads jüngstes Werk sorgt mit Action, Humor und erstaunlich düsteren Momenten für gute Unterhaltung.

Wer muss sterben: Die geliebte Freundin - oder ein Trupp Revoluzzer? Diese Entscheidung muss der Spieler gleich in den ersten Minuten von Fable 3 treffen, und Schuld an der Qual der Wahl ist auch noch der eigene Bruder. Der ist nämlich König von Albion - aber leider kein gütiger Herrscher, sondern ein Tyrann, der seine Untertanen mit eiserner Faust regiert, ständig die Steuern erhöht und Aufrührer ohne viel Federlesens hinrichtet. Um ihn zu stoppen, gibt es nur eine Möglichkeit: Der Spieler muss möglichst viele Verbündete für eine Revolution finden, und dann selbst Platz auf dem Thron nehmen.

In Fable 3 übernimmt der Spieler die Rolle des wahlweise männlichen oder weiblichen Helden; letztere stellt in Sachen Oberweite übrigens Lara Croft locker in den Schatten. Gemeinsam mit dem bärbeißigen Onkel Walter geht es dann durch eine Handlung, in deren Verlauf sich ein Volksstamm nach dem anderem bereit erklären soll, den Spielehelden zu unterstützen. In rund acht bis zehn Stunden gibt es Abstecher in eine Winterwelt, in düstere Märchenwälder und in die dunklen Ecken der Hauptstadt.

Der Ablauf der Kampagne ist weitgehend festgelegt, spielerische Freiheit gibt es vor allem bei der Auswahl einiger Missionen. Die haben es dafür in sich, sie sind liebevoll und extrem abwechslungsreich gestaltet. So darf der Spieler in Theaterstücken mitspielen, als Huhn verkleidet andere Federviecher einsammeln oder in einem Tabletop-Brettspiel mitmischen - ein Abenteuer, das mit zahlreichen Seitenhieben auf die Spielentwicklung gespickt ist. Die Handlungsmöglichkeiten des Spielers beschränken sich zwar auf Kämpfe und gelegentliches Knöpfchendrücken, aber der Unterhaltungswert ist trotzdem hoch.

Einfach kämpfen

Das Kampfsystem ist einfach gehalten - macht aber wegen der eingängigen Steuerung und aufgrund schicker Animationen und Effekte Spaß. Der Spieler kann den Monsterhorden mit Schwert oder Hammer im Nahkampf den Garaus machen, per Gewehr im Fernkampf oder mit Magie. Werte und Statistiken gibt es so gut wie gar nicht, dafür aber gewinnt etwa ein Säbel ebenso wie ein Zauber bei regelmäßiger Verwendung an Durchschlagskraft. Zuerst lernt der Held einen einfachen Feuerzauber, später kann er seine Feinde auch per Stromschlag lahmlegen oder mit Eissplittern beharken. Mana spielt keine Rolle.

Für erledigte Feinde und Missionen gibt es "Gildensiegel"-Punkte, die der Spieler auf der sogenannten Siegesstraße - quasi einem begehbaren Talentbaum - in Upgrades seiner Kampf- und Magiekenntnisse oder für sonstige Fähigkeiten investiert. So kann er lernen, immer besser mit Passanten zu schäkern, Gebäude und Betriebe zu kaufen oder in simplen Minispielen, etwa Kuchen backen oder Laute spielen, möglichst viel Geld zu verdienen. Ebenso neu ist ein fast jederzeit aufrufbares Versteck mit Butler - letztlich ein begehbares Inventar. Dort kann der Spieler wählen, mit welcher Waffe, in welcher Kleidung und mit welchem aktivierten Zauber er durch Albion reist.

Sehr praktisch: Im Versteckt gibt es einen Kartentisch, der Albion von oben zeigt und mit dem sich der Spieler auf Knopfdruck zum nächsten Einsatzort beamen kann - diese Funktion steht allerdings nicht immer zur Verfügung. Über die Karte kann der Spieler außerdem Gebäude kaufen, oder nach dem eigentlichen Spielende eine Übersicht über alle verfügbaren Quests aufrufen, um noch nicht erledigte Aufgaben nachzuholen.

Nach dem Ende der Kampagne sitzt der Spieler auf dem Thron. Die Story ist dann noch nicht ganz vorbei - mehr möchten wir darüber nicht verraten. Sonderlich viele interessante Handlungen kann der frischgebackene König allerdings nicht mehr vornehmen: Er nickt eine Reihe von Entscheidungen ab, beispielsweise ob die zerstörte Altstadt wieder aufgebaut wird, oder ob die Staatskasse für andere - wichtige - Zwecke geschont wird. Nach echter Macht fühlt sich das selten an.

Heiraten und andere Abenteuer

Abgesehen von den Pflichtaufgaben kann der Spieler aber noch mehr tun in Albion. Beispielsweise, wie in den Vorgängern, in etwas seltsam animierten Kontakt mit der Bevölkerung treten und mit den Damen und Herren tanzen, Klatschspiele veranstalten oder Liebesabenteuer und Heiraten anvisieren - amüsant, aber nicht weiter wichtig. Auch der Hund ist erneut mit dabei, er hilft wie zuvor im Kampf und bei der Suche nach Schätzen.

Die Grafik macht einen etwas durchwachsenen Eindruck: Animationen und Zwischensequenzen sind größtenteils sehr liebevoll gestaltet, die Welt und die Figuren wirken detailreicher als früher. Weniger schön sind aber die oft verwaschenen Texturen sowie ab und an auffällige Popups.

Fable 3 erscheint am 29. Oktober 2010 für Xbox 360 zum Preis von rund 60 Euro. Eine Version für Windows-PC soll Ende Februar 2011 auf den Markt kommen. Das Programm ist nicht geschnitten, gelegentlich gibt es gewalthaltige Darstellungen, etwa wenn der Spieler einem Monster das Schwert in den Rachen stößt. Die USK hat eine Freigabe ab 16 erteilt. Das Programm ist aufwendig synchronisiert, auf Wunsch kann der Spieler die englische Tonspur - in der übrigens John Cleese (Monty Python) den Butler des Spielers spricht - runterladen. Das Spiel bietet einen Koopmodus, der zum Testzeitpunkt noch nicht über Xbox Live freigeschaltet war.

Fazit:

Ein packend erzähltes Abenteuer, teils richtig witzige Missionen und trotzdem Momente von großer Tragik: Glanzstück von Fable 3 ist die mit tollen Dialogen, überraschenden Wendungen und stimmigen Figuren erzählte Geschichte. Es macht Spaß, sich von der Story in die lebendige Welt von Albion entführen zu lassen und sich mit Walter und anderen Rebellen durch Monsterhorden zu kloppen. Zwar hätte das Kampfsystem etwas mehr Komplexität vertragen können - aber während der (zu kurzen) Haupthandlung fällt das gar nicht mal so sehr ins Gewicht.

Schade, dass Fable 3 dies alles nicht ganz bis zum Schluss durchhält. Das Leben als König erinnert eher an das Abnicken von Entscheidungen in Echtwelt-Parlamenten, denn an wahre monarchische Machtfülle. Trotzdem: Wer die Vorgänger mochte, sollte vor allem wegen der tollen Handlung erneut zugreifen.

Nachtrag vom 26. Juni 2010 um 16 Uhr:

Auf Wunsch des Entwicklerstudios Lionhead dürfen wir das Testvideo zu Fable 3 vorerst leider nicht mehr zeigen. Wir stellen es - ohne Änderungen - am Erscheinungstag des Spiels (Freitag, 29. Oktober 2010) wieder online.  (ps)


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