Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78877.html    Veröffentlicht: 25.10.2010 14:24    Kurz-URL: https://glm.io/78877

Qimonda-Insolvenz

Milliardenvergleich mit US-Töchtern erzielt

Im Streit um den insolventen Chipkonzern Qimonda hat sich das Management in den USA jetzt mit dem Insolvenzverwalter geeinigt. Infineon dürfte davon wenig profitieren.

Der Qimonda-Insolvenzverwalter Michael Jaffé hat sich mit seinen US-Töchtern Qimonda North America und Qimonda Richmond über Milliardenforderungen geeinigt. Das gab das Unternehmen bekannt. "Dieser Vergleich ist für uns ein wichtiger Meilenstein", sagte Jaffé.

Die Gläubigerausschüsse sowie das für die US-Gesellschaften zuständige Insolvenzgericht in Delaware hätten dem Vergleich bereits zugestimmt. Die Qimonda-Chipfabrik in Dresden mit 3.900 Beschäftigten war zum Jahresende 2009 stillgelegt worden, weltweit hatten bei der Infineon-Tochter 12.000 Menschen gearbeitet.

Die US-Qimonda-Töchter, die sich in einem separaten Insolvenzverfahren nach Chapter-11 befinden, hatten insgesamt Forderungen von über 2,1 Milliarden US-Dollar gegen die deutsche Qimonda AG erhoben. Der Mutterkonzern konterte mit Forderungen von 1,7 Milliarden US-Dollar, wogegen die US-Unternehmen sich mit einer Klage vor einem Insolvenzgericht in Delaware geeinigt hatten. Nach mehrtägigen Verhandlungen in London haben die früheren Partner nun eine "Einigung hinsichtlich der wechselseitigen Forderungen erzielen können", hieß es.

Zu den finanziellen Konditionen wurden keine Angaben gemacht. Golem.de hat aus informierten Kreisen erfahren, dass die finanziellen Forderungen aber nicht ganz fallengelassen wurden.

Weiterer Streitpunkt mit den US-Gesellschaften waren über 800 Patente und Patentanmeldungen, die die deutsche Qimonda für sich reklamiert. Auch hier wurde nun ein Vergleich geschlossen, nachdem alle Ansprüche der Konzernmutter anerkannt werden. "Hierdurch wurde ein wesentliches Verwertungshindernis für die Vermarktung und Lizenzierung beseitigt", so Jaffé weiter. Die Patente sollen jetzt mit Hochdruck weiterverkauft oder lizenziert werden. Die darauf erzielten Erlöse fließen in die Insolvenzmasse ein, was den Gläubigern zugute kommt. Infineon selbst dürfte davon wenig profitieren, da Darlehen oder Forderungen des früheren Hauptaktionärs eher nachrangig behandelt werden.  (asa)


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