Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78849.html    Veröffentlicht: 23.10.2010 08:32    Kurz-URL: https://glm.io/78849

Iraq War Logs

Wikileaks veröffentlicht Irak-Protokolle

Die Veröffentlichung der Irak-Protokolle ("The Iraq War Logs") ist laut Wikileaks die größte Enthüllung der US-Militärgeschichte. Die rund 400.000 Berichte dokumentieren den Krieg im Irak, wie er von US-Soldaten geschildert wurde, einschließlich Berichten über 109.032 Tote.

Bei den Irak-Protokollen handelt es sich um bisher geheim gehaltene Feldberichte von US-Soldaten, in denen Kriegserlebnisse aus dem Irak-Krieg zwischen Mai 2004 und März 2009 geschildert werden. Einige Medien, darunter Spiegel, Guardian, New York Times und Al Jazeera, hatten auch in diesem Fall vorab Zugriff auf die Dokumente und haben diese zum Teil interaktiv aufbereitet. Eine umfassende Dokumentation der Irak-Protokolle hat das Bureau of Investigative Journalism unter iraqwarlogs.com veröffentlicht.

Jeder einzelne der 391.832 Berichte stellte laut Wikileaks eine nennenswerte Kriegshandlung (SIGACT, Significant Action) dar.

Beim Spiegel klingt das etwas anders: Demnach zeigen die Dokumente "den Alltag des Konflikts, wie US-Soldaten ihn erlebt haben". Außerdem haben die Dokumente Schwächen, "sie sind einseitig und subjektiv, kaum verifizierbar und vielfach auf dem Schlachtfeld entstanden, so dass sich schnell Fehler einschleichen konnten", heißt es beim Spiegel weiter. Sämtliche Dokumente sind als "geheim" eingestuft, nicht als "streng geheim".

Im Einzelnen belegen die Berichte 109.032 Tote, darunter 66.081 Zivilisten, 23.984 "Feinde" und 15.196 tote irakische Soldaten.

Laut Guardian belegen die Protokolle, dass die US-Behörden in hunderten von Fällen Berichten von Missbrauch, Folter, Vergewaltigung und Mord durch die irakische Polizei und Soldaten nicht nachgegangen sind. Zudem sei erwiesen, dass mehr als 15.000 Zivilisten aus ungeklärten Gründen zu Tode kamen, obwohl von offiziellen Stellen der USA und Großbritanniens bislang bestritten wurde, dass Opferzahlen vorliegen.

Viele neuen Erkenntnisse bieten die Irak-Protokolle nicht, zu diesem Schluss kommen die vorab eingeweihten Medien. Durchweg wird vor allem der Fakt aufgegriffen, dass die Behörden der USA und Großbritanniens viele ihnen bekannte Hinweise auf Missbrauch und Folter nicht verfolgt haben. "Die USA waren blind gegenüber Folter", titelt beispielsweise Al Jazeera.

Für 10 Uhr am Samstagvormittag hat Wikileaks zu einer Pressekonferenz in Europa geladen.  (ji)


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