Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78743.html    Veröffentlicht: 22.10.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/78743

Spieletest Final Fantasy 14

Auf der Suche nach dem Spielspaß

Final Fantasy 14 lädt PC-Onlinerollenspieler in die Fantasywelt Eorzea ein - und vergrault sie gleich wieder.

Bis der Käufer die Welt von Final Fantasy 14 entdecken kann, muss er sich erst einmal unnötig kompliziert anmelden. Es ist nicht damit getan, die Software zu installieren, das Patchen des Clients abzuwarten, einen Account anzulegen und die Seriennummer des Spiels einzugeben. Zusätzlich muss noch der Charakterslot in der Accountverwaltung aktiviert werden, erst dann darf das Spiel betreten werden.

Den Charakterslot gibt es nur nach Angabe einer Kreditkartennummer oder durch Freischalten mit der Square-Enix-Währung Crysta. Kostenpflichtig werden die Charaktere und die Spielzeit aber erst nach dem Ablauf der mittlerweile zwei Freimonate. Dennoch verwundert das Vorgehen, es verkompliziert, schreckt ab und ist auch bei anderen Spielen in dieser Ausprägung nicht zu finden.

Unverständlich

Square Enix gelingt es, diese Irritation durchgängig beizubehalten. Bei der Charaktererstellung ist beispielsweise nicht klar, was die spielerischen Unterschiede zwischen den Klassen und Völkern ausmachen und welche Kombinationen weniger sinnvoll sind. Wenn der Spieler den Helden schließlich aus den schlecht erklärten Optionen zusammengeklickt hat, wird er nach einer kurzen Zwischensequenz in einer Stadt ausgesetzt und muss dann erst einmal herausfinden, was zu tun ist.

Andere Onlinerollenspiele versuchen, dem Spieler den Eintritt in die fremde Onlinewelt zu erleichtern. Final Fantasy 14 lässt den Spieler hingegen weitgehend alleine und offenbart sich als zutiefst bürokratische Fantasywelt. So muss die Einleitungsquest erst einmal gefunden werden, dann lässt es den Spieler ohne sinnvolle Hinweise durch die Spielwelt irren. Die in hohen Auflösungen zu kleinen Textfenster und die fehlenden Markierungen auf der Karte tragen ein Übriges dazu bei, das Spiel als unwirtlich zu erleben.

Kampf- und Magiesystem bergen keine Überraschungen und entsprechen weitgehend dem auch bei anderen Onlinerollenspielen Üblichen. Gekämpft wird etwa durch Aktivieren verschiedener Fertigkeiten, respektive Waffen. Handwerker, die in Final Fantasy 14 eine eigene Klasse sind, müssen sich auf Langeweile einstellen: So mutet beispielsweise das Angeln eher wie ein ödes Textadventure an, an dessen Ende jeweils ein Geschicklichkeitstest steht.



Auf der Suche nach Spielern

Die verschiedenen Server von Final Fantasy 14 sind keinen Sprachen zugeordnet, so dass Fremdsprachenkenntnisse vorhanden sein sollten, um sich mit Mitspielern verständigen zu können. Außerdem scheint es keine Server in Deutschland oder Europa zu geben, was mitunter zu Verzögerungen (Lag) führen kann. Am Spieleransturm kann das nicht liegen, denn nur wenige Server können als gut besucht bezeichnet werden.

Die monatlichen Kosten für den Basiszugang zum Spiel betragen rund 10 Euro, für jeden angelegten Helden kommen monatlich 3 Euro hinzu. Wer das Spiel neu kauft, bekommt ein Kontingent von Crysta zum Ausgeben, der Basiszugang muss für zwei Monate nicht bezahlt werden - eigentlich nur für einen Monat, aber Square Enix hat wegen des aktuellen Spielzustands viel Kritik von Nutzern einstecken und darauf reagieren müssen.

Final Fantasy 14 startete im September 2010 für PC-Spieler. Eine PS3-Version soll im nächsten Jahr folgen. Dass Square Enix weiterhin mehr auf Konsolen zu Hause ist, merkt ein Windows-Nutzer sofort. Das Spiel startet automatisch im Fenstermodus, die Konfiguration der Grafikdetails erfordert ein Verlassen des Spiels und die Nutzung eines separaten Programms. Eine Analyse der Hardware nimmt die Software nicht vor, sie bietet lediglich einige Pull-Down-Menüs, mit denen Einsteiger überfordert sein könnten. Läuft das Spiel dann im Vollbildmodus, versucht es einen Taskwechsel zu verhindern; der Aufruf des Taskmanagers führte während des Tests zum sofortigen Absturz von FF14.

Fazit

Final Fantasy 14 ist wie eine schmerzvolle Reise in die Vergangenheit der Onlinerollenspiele - Square Enix hat offenbar ignoriert oder nicht gemerkt, dass sich das Genre weiterentwickelt und neue Wege gefunden werden müssen, um Spieler bei Laune zu halten. Bei Final Fantasy 14 ist die Präsentation nur Mittelmaß, die Einführung in die Welt eher zum Weglaufen und es fehlt eine mitreißende Story. Oder überhaupt irgendetwas, das zum Verweilen einlädt - etwa weil es Spaß macht, und nicht weil es erforderlich ist.

Wer mit Final Fantasy 14 glücklich werden will, muss sich wohl oder übel durchbeißen, höhere Level erreichen und dann noch hoffen, dass Square Enix irgendwann das Versprechen einlöst, mehr High-Level-Inhalte anzubieten und aus Final Fantasy ein Onlinerollenspiel der nächsten Generation zu machen. Wenn Final Fantasy 14 nicht noch drastisch weiterentwickelt und umkonzipiert wird, werden wohl nur geduldige Hardcore-Fans Square Enix die Treue halten. Alle anderen werden das Weite suchen.  (ck)


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