Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78561.html    Veröffentlicht: 11.10.2010 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/78561

Autonomes Fahren

Roboterautos kurven durch Niedersachsen und Kalifornien

Der Fahrer legt die Hände in den Schoß, das Auto fährt: Google und die Technische Universität in Braunschweig haben Roboterautos im öffentlichen Straßenverkehr getestet.

Autos ohne Fahrer - was nach Science Fiction klingt, ist in Kalifornien und Niedersachsen schon Realität: Google hat eine Reihe von autonom fahrenden Autos entwickeln lassen und diese auf den Straßen des US-Bundesstaates ausgiebig getestet. In Braunschweig fährt ein robotischer VW Passat durch die Straßen.

Steil und kurvig

Die Flotte von Roboterautos, die auf dem Prius, dem Hybridauto von Toyota basieren, haben bereits über 225.308 Kilometer auf kalifornischen Straßen absolviert. Darunter waren auch Langstreckenfahrten von San Francisco über Los Angeles zum an der Grenze zum US-Bundesstaat Nevada gelegenen Lake Tahoe sowie die kurvige und steile Lombard Street in San Francisco.

Die Autos verfügen über eine Reihe von Sensoren, die andere Fahrzeuge erfassen und für die Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Der auffälligste befindet sich auf dem Dach des Robo-Prius: Ein rotierender Laser, ein sogenanntes Light Detection and Ranging-System (Lidar), erfasst andere Autos. Hinzu kommen vier Radarsensoren, drei vorne und einer hinten, sowie eine Videokamera hinter den Windschutzscheibe. Letztere soll Fußgänger und Radfahrer erkennen, denen das Auto ausweichen soll, sowie Verkehrsschilder und Ampeln. Für die Navigation verfügen die Autos über GPS.

Mensch als Sicherheit

Zur Sicherheit sitzt bei solchen Fahrten immer auch ein Mensch im Auto, der im Notfall eingreifen kann. Zudem sei die lokale Polizei stets über die Testfahrten informiert gewesen, so Google.

Für die Entwicklung der Autos hat Google den aus Deutschland stammenden Robotiker Sebastian Thrun, engagiert. Thrun hat bereits einschlägige Erfahrungen mit Roboterautos gesammelt: 2005 gewann der von ihm und seinem Team der Universität von Stanford entwickelte Stanley den von der Darpa ausgerichteten Wettbewerb Grand Challenge. Kürzlich hat Thrun auf der von Nvidia veranstalteten Konferenz GTC einen Vortrag über die Entwicklung autonom fahrender Autos gehalten.

Larry Page und Sergey Brin hätten Google gegründet, um Probleme mit Hilfe von Technik zu lösen. Eines der großen Probleme derzeit sei die Sicherheit und die Effizienz von Autos. "Wir wollen helfen, Verkehrsunfälle zu vermeiden, den Menschen mehr Zeit schenken und die Kohlendioxidemissionen senken - indem wir Nutzung von Autos grundlegend verändern", schreibt Thrun im Google-Blog.

Autonom in Braunschweig

Die Google-Autos sind nicht die einzigen, die ohne Fahrer über öffentliche Straßen fahren: In Braunschweig hat ein Team der Technischen Universität einen autonom agierendes Auto gebaut, das Probefahrten auf den Straßen der niedersächsischen Stadt unternommen hat. Leonie beruht auf einem robotischen VW Passat und ist eine Weiterentwicklung des Roboterautos Caroline, mit dem die Braunschweiger 2007 bei der Darpa Grand Challenge angetreten sind.

Wie die Robo-Toyotas verfügt auch Leonie über Laserscanner und Radarsensoren, mit denen das Auto andere Verkehrsteilnehmer erkennt. Seine Position bestimmt das Auto über GPS. Anders als die Google-Autos erkennt Leonie Ampeln noch nicht selbst. Dafür ist neben dem Sicherheitsfahrer noch ein zweiter Mensch an Bord, der die Ampelphase eingibt. Für die Testfahrten hatten die Braunschweiger eine Ausnahmegenehmigung der niedersächsischen Landesbehörden beantragt.

Derzeit sind zwei autonom fahrende Autos, die von Wissenschaftlern der Universität im italienischen Parma entwickelt wurden, auf dem Weg von Mailand nach Shanghai, wo sie Ende des Monats eintreffen sollen. Auch die Italiener haben für das Projekt auf Erfahrungen in den Darpa-Wettbewerben zurückgreifen können.

Auffahrunfall

Wie sehr Verkehrssicherheit ein Thema ist, zeigt eine Episode von einer der Google-Testfahrten: Eines der Roboterautos wurde in einen Unfall verwickelt: Ein von einem Menschen gesteuertes Autos fuhr an einer Ampel von hinten auf das Google-Auto auf.  (wp)


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