Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78532.html    Veröffentlicht: 08.10.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/78532

Spieletest A New Beginning

Abenteuer Klimakatastrophe

Globale Erwärmung und erneuerbare Energien sind normalerweise keine Themen, die nach spannender Unterhaltung klingen. Trotzdem gelingt Daedalic mit A New Beginning das Kunststück, in einem klassischen Adventure Umweltbewusstsein und Klimakatastrophe zu thematisieren - und dabei richtig viel Spaß zu machen.

Der Ingenieur Bent erwartet nichts mehr vom Leben. Jahrzehntelang hat er sich vergeblich der Erforschung alternativer Energien gewidmet, bis ein schwerer Schicksalsschlag ihn zu einem einsamen Mann machte und ihn dazu zwang, seinen Lebensabend antriebs- und lustlos in einer norwegischen Fischerhütte zu verbringen. So richtig glauben kann er es daher nicht, als eines Tages eine junge Frau vor ihm steht - und ihm zu erklären versucht, dass sie aus der Zukunft kommt und Bent die letzte Chance ist, die Zerstörung der Erde zu verhindern.

Nach anfänglicher Skepsis, ersten Dialogen und einem bereits spielbaren Ausflug in die Zukunft lässt sich Bent von der schönen Fay zur Zusammenarbeit bewegen. Fortan setzen beide alles daran, die Menschheit von ihrem verschwenderischen Umgang mit Ressourcen abzubringen, Wert auf die Erhaltung der Natur und die Nutzung neuer Energien zu legen und Kontrahenten wie einen übermächtigen Atomkonzern zu bekämpfen, um die Zukunft zu verändern.

Den Entwicklern gelingt es bei der spannenden Story, einen guten Kompromiss aus Endzeitszenario, Informationsgehalt und Spielspaß zu finden - und dank viel Humor bei aller Ernsthaftigkeit des Themas nie zu pädagogisch zu wirken. Wenn Fay etwa auf das Fehlverhalten der Menschheit und zahlreiche Ökosünden hinweist, kommentiert das Bent oft schnippisch. Zahlreiche Nebenfiguren sind zudem drastisch überzeichnet - und bilden so einen gelungenen Kontrast zu den Weltuntergangspassagen und den Bildern der zerstörten Erde.

Klassische Adventuretugenden

Spielerisch setzt A New Beginning auf altbewährte Adventurestärken: Multiple-Choice-Gespräche führen, Gegenstände untersuchen, einsammeln und miteinander kombinieren und ab und zu mal eine kleine Bastelaufgabe lösen. Wer schon einmal ein ähnliches Spiel ausprobiert hat, wird sich auch hier schnell zurechtfinden. Der Inventarinhalt ist meist übersichtlich, die Rätsel allerdings teils abstrus - an mancher Stelle muss der Spieler wild kombinieren, bis er die Lösung findet.

Die Präsentation ist traditionell, aber trotzdem hervorragend: Die wunderschön gezeichneten 2D-Welten haben zahllose gelungene Details zu bieten. Die Zwischensequenzen, die im Comic-Fenster-Look daherkommen, wirken zunächst ungewöhnlich, haben aber ebenfalls viel Charme. Auch die deutsche Sprachausgabe ist weitgehend gelungen: Bent und Fay wurden sehr gut vertont, mancher Nebencharakter wirkt allerdings lieblos.

A New Beginning ist für Windows-PC erhältlich und kostet etwa 35 Euro. Die Hardwareanforderungen sind moderat: Eine Grafikkarte mit 256 MByte, 1 GByte Arbeitsspeicher und 3,5 GByte Festplattenspeicher reichen aus.

Fazit

Ungewöhnliches Szenario, aber gewohnt gutes Spiel: Nach Edna Bricht Aus und The Whispered World überzeugt Daedalic auch mit A New Beginning im Adventuregenre. Die Kombination aus Endzeitszenario, Umweltdrama und einem guten Gespür für Humor und liebevolle Details geht auf, Bedienung und Grafik überzeugen. Trotz einiger verquerer Rätsel sinkt die Motivationskurve kaum - dafür sind Atmosphäre und Charaktere zu überzeugend.  (tw)


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