Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78451.html    Veröffentlicht: 06.10.2010 10:30    Kurz-URL: https://glm.io/78451

Postville Refresh und Lyndonville

Intels verschlüsselte SSDs von 80 bis 600 GByte

Nachdem Solid-State-Discs mit Sandforce-Controllern den Intel-SSDs langsam den Rang ablaufen, will der Chiphersteller in der nächsten Generation gleichziehen. Die unter den Codenamen Postville Refresh und Lyndonville geführten Laufwerke sollen viel schneller und sicherer werden.

Bei Anandtech sind die ersten Spezifikationen zu Intels neuen SSDs aufgetaucht. Demnach werden die beiden Serien X25-M für den Mainstream und X25-E für Enterprise-Anwendungen unter diesen Namen weitergeführt. Beide Linien bekommen aber ein Update, bei dem nicht nur Flash-Bausteine in 25 Nanometern Strukturbreite, sondern auch neue Controller eingesetzt werden.

Die größte Neuerung: Beide Modellreihen unterstützen die vollständige Verschlüsselung der Daten (Full Disc Encryption) per Hardware mit AES-128. Diese schon seit längerem unter anderem von Seagate verfügbare Technik gibt das Laufwerk vor dem Booten des Betriebssystems erst nach Eingabe des richtigen Passworts frei. Auch eine gestohlene SSD an einen anderen Rechner anzuschließen ist so nutzlos. Die Lebensdauer will Intel mindestens vervierfacht haben, 30 bis 60 Terabyte sollen auf die X-25M geschrieben werden können. Den Trim-Befehl erwähnt Anandtech nicht, er ist aber inzwischen eine Standardfunktion von SSDs und dürfte auch von Intels neuen Laufwerken unterstützt werden.

Angaben zur Geschwindigkeit bei FDE liegen noch nicht vor, die restlichen Daten zum Tempo lassen aber auf Konkurrenz für die Sandforce-Controller schließen. So soll auch die X25-M nun beim kontinuierlichen Lesen und Schreiben 250 und 170 MByte/s erreichen, das schaffte bisher nur die teurere X25-E. Noch wichtiger: Die Zahl der IO-Operationen pro Sekunde (IOPS) soll beim Schreiben von 4 KByte großen Blöcken von 35.000 bis 8.600 auf 50.000 bis 40.000 gesteigert worden sein. Vor allem beim Schreiben vieler kleiner Dateien wurden Intels Mainstream-SSDs bisher recht langsam.

Gepufferter Schreibcache

Beiden neuen Serien ist gemein, dass der Controller nun mit einem Schreibcache arbeitet, dessen Größe aber noch unbekannt ist. Dieser Power Safe Write Cache soll, wie der Name schon sagt, seine Daten auch bei einem Stromausfall nicht verlieren. Vermutlich hat Intel ein DRAM mit einem kleinen Akku oder Kondensator gepuffert, um die Daten des Caches zu sichern. Der Cache dürfte einer der Hauptgründe für das gesteigerte Tempo sein.

X25-E jetzt ohne SLC-Flash

Die geplanten Preise der neuen X-25M G3 alias Postville Refresh kennt auch Anandtech noch nicht. Intel will die Laufwerke in Größen von 80, 160, 300 und 600 GByte anbieten. Wenn sie dabei im Vergleich günstig werden, könnten sie auch als Erstausrüstung von professionellen Notebooks interessant werden, hier hat Intel im Vergleich zu Anbietern wie Samsung oder Toshiba bisher das Nachsehen. Die X25-M soll weiterhin im 1,8- oder 2,5-Zoll-Formfaktor angeboten werden, was sie auch für Subnotebooks attraktiv macht.

Nur als 2,5-Zoll-Laufwerk wird es die neue X25-E geben, die intern Lyndonville genannt wird. Sie wird nicht mehr aus dem teuren SLC-Flash, sondern aus eMLC hergestellt. Diese "Enterprise MLC-Flash" sollen wesentlich mehr Schreibvorgänge als die Variante ohne vorgestelltes e aushalten. Laut den inoffiziellen Daten vertragen die neuen Enterprise-SSDs mindestens 900 geschriebene Terabyte und beim 200-GByte-Modell bis zu 2 Petabyte.

Sequenzielles Lesen und Schreiben beherrscht Lyndonville mit 250 und 200 MByte/s, bei den IOPS gibt Anandtech aber nur 50.000 bis 5.000 Operationen pro Sekunde an. Diese Angaben sollen sich aber nicht direkt mit der X25-M vergleichen lassen, schreibt Andand Lal Shimpi. Intel soll die Enterprise-SSDs mit anderen Methoden testen als die Mainstream-Modelle. Bisher war die E-Serie auch beim verteilten Schreiben deutlich schneller als die M-Serie. FDE beherrscht die neue X25-E ebenfalls, es wird sie aber nur in Größen von 100, 200 oder 400 GByte geben - das deutet auf weiterhin hohe Preise für die professionellen Laufwerke hin.

Wann die neuen SSDs auf den Markt kommen, steht noch nicht genau fest. Laut anderen inoffiziellen Roadmaps soll die X-25M G3 schon im vierten Quartal 2010 erscheinen, Anfang 2011 dann die neue X-25E.  (nie)


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