Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1010/78449.html    Veröffentlicht: 06.10.2010 09:54    Kurz-URL: https://glm.io/78449

Android

Google weist Oracles Klage zurück

Google hat Oracles Patentklage wegen Android in allen Punkten zurückgewiesen. Doch Googles Antwort geht über das übliche Maß hinaus.

Android verletze die von Oracle genannten Patente entweder nicht, oder sie seien ungültig beziehungsweise nicht durchsetzbar. So weist Google im Groben die Klage von Oracle zurück. Das entspricht dem üblichen Vorgehen in solchen Verfahren. Doch Google geht noch einen Schritt weiter und bezieht die freie Java-Implementierung Apache Harmony in das Verfahren ein.

Android enthält Teile der Open-Source-Java-Implementierung des Harmony-Projekts, das früher mit Sun stritt und heute mit Oracle. Kern ist die Lizenzpolitik von Sun bei Java. So kündigte Sun zwar an, Java als Open Source freizugeben und veröffentlichte auf der einen Seite auch entsprechenden Code sowie die notwendige Spezifikation, band auf der anderen Seite die Vergabe der entsprechenden Patentlizenzen aber an eine Kompatibilitätsprüfung. Diese Prüfung ist nur mit Suns Technology Compatibility Kit (TCK) möglich, das Sun aber eben nicht als Open Source veröffentlicht hat.

Das führte zum Streit, denn Sun bot dem Harmony-Projekt zwar das TCK an, aber nur mit erheblichen Einschränkungen für den Einsatz der Software des Harmony-Projekts. Die Verwendung auf mobilen Endgeräten war explizit untersagt. Oracle, damals noch nicht Besitzer von Sun, stellte sich wiederholt auf die Seite des Harmony-Projekts, änderte seine Position aber mit dem Kauf von Sun.

Damit räumt Google implizit ein, dass es unlizenzierte Technik von Sun beziehungsweise Oracle verwendet, sollte Oracle auch nur in einem Punkt seiner Klage recht bekommen. Google betont, die von Android verwendete Dalvik VM sei eben keine Java VM und überhaupt sei der Erfolg von Android vor allem durch dessen Open-Source-Charakter zu erklären.

Oracle unterstrich in einer Stellungnahme seine Position: Google habe Java ohne Lizenz verwendet und darüber hinaus so modifiziert, dass die Software nicht mit Javas grundlegendem Designprinzip "write once and run anywhere" vereinbar sei. Googles Code schade nicht nur Oracle, sondern auch Endkunden und Geräteherstellern.  (ji)


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