Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/78318.html    Veröffentlicht: 29.09.2010 18:23    Kurz-URL: https://glm.io/78318

Tausende betroffen

Telekom legt Standorte zusammen

Die Deutsche Telekom zentralisiert hierzulande ihren Mittelstandsvertrieb und die IT-Infrastruktur. Insgesamt müssen 5.140 Beschäftigte umziehen. Verdi protestiert.

Tausende Beschäftigte der Deutschen Telekom müssen künftig in einer anderen Stadt arbeiten, weil der Konzern seinen Mittelstandsvertrieb und seine IT-Infrastruktur zentralisiert. Das berichtete die Süddeutsche Zeitung. Die Telekom hat den Bericht bestätigt, betroffen seien mehr als 5.000 Mitarbeiter. Standorte in den Städten Trier, Osnabrück, Wiesbaden, Frankfurt/Oder, Würzburg, Münster und Rosenheim verschwinden. Die IT-Standorte sollen von 96 auf fünf Einrichtungen verringert werden.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hält die Pläne für komplett untauglich: "Die Zentralisierung rüttelt an den Existenzgrundlagen vieler Beschäftigter. Sie ist unnötig und schädlich für das Unternehmen", kritisierte Verdi-Bundesvorstand Lothar Schröder. "Damit kehrt die Deutsche Telekom zum überwunden geglaubten Konfliktkurs zurück."

Der Konzern plane, beim Mittelstandsvertrieb 113 Standorte in 58 Städten zu schließen und auf die verbleibenden 28 Orte zusammenzufassen. Den Beschäftigten drohten Umzüge in oft teurere Regionen, sagte Schröder. Für ein Unternehmen, das für vernetztes Leben und Arbeiten eintrete, sei dies beschämend. "Offenbar soll die Nähe zum Kunden und zum Sachverstand vor Ort künftig keine Rolle mehr spielen", so der Gewerkschaftsführer. "Wir werden den Protest auf die Straße tragen."

Die Telekom hat bestätigt, ihren Mittelstandsservice und -vertrieb umzustrukturieren sowie die IT in Deutschland regional neu aufzustellen. "Ziel ist es, im stark umkämpften Markt wettbewerbsfähiger zu werden und die eigene Marktposition zu stärken, sowie Beschäftigung zu sichern. Dies erfordert eine Anpassung der unzeitgemäßen, kleinteiligen Flächenstruktur." Das Unternehmen baue dazu in den kommenden Jahren bundesweit neun Vertriebs- und Servicezentren sowie zusätzlich 28 Vertriebsbüros auf. Gleichzeitig führe es seine IT-Teams in fünf IT-Innovationszentren zusammen. In beiden Bereichen garantiere die Telekom den Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz. "Uns ist die Verantwortung für diesen Balanceakt sehr bewusst", sagte Dietmar Welslau, Personalgeschäftsführer Telekom Deutschland. Für den Umbau habe das Unternehmen 45 Millionen Euro vorgesehen.

Etwa 3.640 Beschäftigte des Geschäftskundenservices und Mittelstandsvertriebs würden ihren Arbeitsort bis Ende 2012 wechseln: Zum jetzigen Zeitpunkt verteilten sich die Mitarbeiter auf 43 Büros mit weniger als zehn Beschäftigten. Hinzu kämen 83 Außenstellen mit durchschnittlich 44 Mitarbeitern. An 14 Standorten arbeiteten mehr als 100 Personen. Dazu kämen etwa 1.500 der rund 2.800 IT-Beschäftigten, die ebenfalls ihren bisherigen Arbeitsplatz bis Ende 2012 wechseln müssten. Ein Telekom-Sprecher bestätigte Golem.de, dass insgesamt 5.140 Beschäftigte von den beiden Umstrukturierungsplänen betroffen seien.  (asa)


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