Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/78229.html    Veröffentlicht: 24.09.2010 16:31    Kurz-URL: https://glm.io/78229

Ballett

Roboter tanzt den sterbenden Schwan

Ein schwedischer Wissenschaftler hat einen robotischen Schwan konstruiert. Eine Choreographin hat dem Roboter dann beigebracht, ein klassisches Ballett zu tanzen.

Schwanensee dürfte eines der bekanntesten Ballette überhaupt sein. Das von Pjotr Iljitsch Tschaikowski komponierte Werk gehört zum Standardrepertoire des Tanztheaters, der sterbende Schwan zu den Traumrollen von Ballerinas. In Schweden hat jetzt ein Roboter den sterbenden Schwan getanzt.

Schwanenroboter

Konstruiert wurde die Roboballerina von Lars Aplund von der Mälardalen Universität in Västerås, ungefähr 100 km westlich der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Konsequenterweise hat die etwa einen Meter große Roboterdame auch die Form eines Schwans.

Der Schwanenroboter basiert auf einem modularen Robotersystem, das Studenten der Universität entwickelt haben. Der Roboter hat in seinen Flügeln, dem Hals, den Füßen und dem Schnabel 19 Gelenke, die ihm ein hohes Maß an Flexibilität verleihen. So kann er das teilweise getragene, teilweise schnelle Stück tanzen.

Choreographin leitet Roboter an

Die Idee zu dem Projekt hatten Asplund und seine Kollegin Kerstin Gauffin, die auch am Theater der Universität aktiv ist. Gauffin bat die Tänzerin und Choreographin Åsa Unander-Scharin, eine Choreographie für den Roboter zu entwickeln und mit ihm einzustudieren. Der Steuerungscomputer des Roboters speicherte die Bewegungen und ist beim Auftritt in der Lage, diese als Abfolge auszuführen. Die Arbeit mit dem Roboter war für Unander-Scharin nichts Neues, da sie selbst gern moderne Technik auf der Bühne einsetzt.

Das Projekt sollte zeigen, welche neuen Einsatzmöglichkeiten es für Roboter gibt. "Wir wollen erkunden, wo die Grenzen dessen liegen, was ein Roboter tun kann, welche menschlichen Ausdrucksformen er nachahmen kann. Und wir wollen erkunden, wie Menschen Roboter wahrnehmen, wenn diese in der Kunst und im Tanztheater in Erscheinung treten", erklärt Lars Asplund.

Roboter in der Oper

Das Ballett ist nicht die einzige klassische Kunst, in der Roboter zum Einsatz kommen: Am heutigen Freitag hat in Monaco die Oper Death and the Powers des US-Komponisten Tod Machover Premiere, in der ebenfalls Roboter auftreten. Der japanische Konzern Toyota hat mehrere musikalische Roboter entwickelt: Die einen spielen Trompete, ein anderer Geige.

Premiere hatte das robotische Ballett am 23. September 2010 auf der Bokmässan, der schwedischen Buchmesse, die noch bis zum 26. September in Göteborg stattfindet.  (wp)


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