Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/78020.html    Veröffentlicht: 16.09.2010 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/78020

Spieletest NHL 11

Mehr Physik auf dem Eis

Realismus, Kampf, Dramatik: Im zwanzigsten Jahr seines Bestehens will Electronic Arts die Messlate für Eishockeyspiele auf Konsolen wieder einmal nach oben verschieben. Die Spielmechanik NHL 11 ist zwar altbekannt, Überraschungen gibt es trotzdem.

An den Spielmodi von NHL 11 konnte Electronic Arts nicht mehr viel verbessern, die Möglichkeiten sind ebenso umfangreich wie in den Vorgängern. Schnelles Spiel oder ganze Saison, Turniere und Play Offs - je nach Zeit und Lust wird alles Denkbare geboten. Online sieht es genauso aus: Einzelne Herausforderungen oder Meisterschaften, aber auch komplette Mehrspielerligen oder der aus anderen EA-Sportspielen bekannte Ultimate-Team-Modus, in dem Teams mit Spielerkarten zusammengestellt und erweitert werden, sorgen für Abwechslung. Auch der Lizenzumfang ist gewohnt groß, neben der NHL sind mehrere europäische Topligen mit an Bord. Deutsche Spieler freuen sich über die DEL-Teams, erstmals können auch die Mannschaften der CHL ausgewählt werden.

Die ersten Minuten auf dem Eis gleichen den Partien in NHL10 deutlich - dieselben geschmeidigen Animationen, dieselbe perfekte Spieler- und Puckkontrolle. Nach ein paar Checks, Pässen und Torschüssen werden die Verbesserungen und die neue Physikengine aber offensichtlich - der Spielablauf ist tatsächlich realistischer und weniger vorhersehbar. Der Puck prallt auf überraschende Art und Weise von Spielern oder Toren ab, Schläger brechen und produzieren unvorhergesehene Wendungen oder zwingen Spieler, auch mal den Fuß zu Hilfe zu nehmen.

Die KI verhält sich schlauer und nicht mehr völlig berechenbar. Bandenkämpfe sind vielseitiger und spannender, und auch Checks wirken sich immer wieder unerwartet aus - weil nicht nur der getroffene, sondern auch der aggressive Spieler von der Physik beeinflusst wird. Der Schwierigkeitsgrad steigt zudem merklich an - intelligenteres Verteidigungsverhalten inklusive Zustellen der Passwege und heftigen Checks sowie nicht mehr so wie im Vorgänger funktionierende Spielautomatismen sorgen selbst bei Profis für ein paar ungewohnte Probleme. Damit einher geht ein etwas niedrigeres Spieltempo sowie die Notwendigkeit, bei Pässen mehr Wert auf Genauigkeit und Timing zu legen.

Wenig Neues bei der Grafik

Abseits der Steuerung der gesamten Mannschaft darf der Spieler im Be-A-Pro-Modus wie gewohnt das Schicksal eines einzelnen Spielers in die Hand nehmen. Der startet als Rookie und muss in ein paar Vorbereitungsmatches zunächst sein Können beweisen, bevor - gute Leistung und ausreichend Erfahrungspunkte vorausgesetzt - die Karriere in einem renommierten NHL-Team wartet.

Wer die Managementseite nicht der KI überlassen will, verdingt sich als Teamchef, gibt Training und Taktik vor und kümmert sich um Vertragsverhandlungen und Transfers. Dieser Bereich wurde im direkten Vergleich zum Vorgänger etwas ausgebaut und wirkt nun realistischer, verlangt aber auch mehr Einarbeitungszeit.

Während die inneren Werte teils spürbar überarbeitet wurden, sind Verbesserungen an der Außenhülle wenn überhaupt nur marginal. NHL 11 sieht bis auf wenige Ausnahmen aus wie NHL 10 - zweifellos immer noch gut, aber ein paar Veränderungen hätte es durchaus geben dürfen. Ähnliches gilt für den altbekannten Kommentar.

NHL 11 ist für Playstation 3 und Xbox 360 erhältlich, hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten und kostet etwa 60 Euro. Eine PC-Version ist nicht angekündigt.

Fazit

Auf den ersten Blick kaum verändert, im Spielverlauf aber immer wieder überraschend: NHL 11 schafft es, den hohen Realismusgrad der Vorgänger noch zu übertreffen und um eine gute Prise Unberechenbarkeit zu bereichern. Der Status der Genrereferenz ist nicht gefährdet, sondern wird so eindrucksvoll erneut bestätigt.  (tw)


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