Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/77982.html    Veröffentlicht: 15.09.2010 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/77982

WeTab

Endgerät mit Lüfter und Meego

Das WeTab soll kommende Woche in die Regale kommen. Golem.de hat einen Blick auf die vorerst endgültige Version des Tablet-PCs werfen können. Der Unterbau wechselte von Ubuntu auf Meego, die Benutzeroberfläche bleibt das eigene WeTabOS auf Qt-Basis.

Das Berliner Unternehmen WeTab zeigt eine Woche vor dem offiziellen Marktstart ein fast fertiges Gerät, das mit Softwareupdates im Laufe der Zeit um neue Funktionen erweitert werden soll. Da beim ersten Start nach wie vor eine Onlineregistrierung erforderlich ist, wird dabei wohl auch gleich ein Update für das Betriebssystem WeTabOS eingespielt. Updates sollen später alle drei Monate zur Verfügung gestellt werden.

Denn laut den Entwicklern fehlen immer noch einige Komponenten, darunter die von den Anwendern vermisste und im Gegenzug von WeTab versprochene 360-Grad-Rotation des Bildschirms. Zumindest für den Browser und für den Bildbetrachter soll in der endgültigen Version das Drehen des Bildschirms möglich sein. Im Bildbetrachter soll die Bildschirmsteuerung auch multitouchfähig sein, Fotos können mit zwei Fingern vergrößert oder verkleinert werden.

Meego für die Hardware

Die Benutzeroberfläche ist inzwischen auf Qt portiert worden, nachdem bereits Mitte April 2010 die Entscheidung gefallen war, in der endgültigen Version auf Meego zu setzen. Laut den Entwicklern war der Hauptgrund die Optimierung des Betriebssystems für Intel-Prozessoren. Im WeTab kommt ein mit 1,66 GHz getakteter Atom N450 zum Einsatz. Für die Kühlung sorgt ein von außen nicht zu hörender Lüfter. Zusätzlich wurde 1 GByte RAM auf der Hauptplatine verbaut. Für beschleunigte Videowiedergabe kommt ein nocht näher spezifizierter Crystal-Chip von Broadcom zum Einsatz.

Tablet oder Netbook?

Das Display besteht aus einem 11,6-Zoll-Standard-TN-Panel mit einer Auflösung von 1.366 x 768 Bildpunkten. Das WeTab wird es in zwei Varianten geben, eine mit 16 GByte Flash-Speicher ohne UMTS für 449 Euro und eine mit 32 GByte Speicherplatz mit UMTS und HDMI-Ausgang für 569 Euro. Die 16-GByte-Variante soll 995 Gramm wiegen, die größere Version 1020 Gramm. Der Speicher kann per SDHC-Karte um weitere 32 GByte erweitert werden. Beide unterstützen WLAN 802.11a/b/g/n und Bluetooth 2.1. Das 3G-Modell ist zusätzlich mit einem GPS-Modul ausgestattet.

Das Gerät verfügt über eine eingebaute Webcam mit 1,3 Megapixeln sowie über Lautsprecher und einen Audioausgang sowie ein Mikrofon und soll damit auch für den Einsatz von Videotelefonie-Software, etwa Skype, geeignet sein. Das Display erhellt oder verdunkelt sich automatisch per Lichtsensor. Außerdem wurde ein Beschleunigungssensor eingebaut. Zusätzlich bietet das WeTab zwei USB-Anschlüsse. Die Laufzeit gibt WeTab mit 6 Stunden an, die Standbyzeit soll bei 70 Stunden liegen.

Bedienung mit zwei Händen

Angesichts der Größe ist das von WeTab entwickelte Bedienkonzept für zwei Hände durchaus schlüssig, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Rechts und links befindet sich auch in der neuen Version der Software jeweils eine Leiste, die über die Daumen bedient werden kann. Rechts oben liegt das Einstellungsmenü sowie die Übersicht über vier virtuelle Desktops, auf die sich die Starter-Icons der Anwendungen und Weblinks verteilen. Die Applet-Starter sind in Qt programmiert, die Entwickler stellen hierfür ein eigenes SDK bereit.

Einige Anwendungen sind an die Verwendung mit Touchscreens angepasst, etwa der Dateibrowser mit seinen Icons. Der selbst entwickelte Browser lässt sich - auch dank des großen Displays - leicht bedienen, entweder mit dem Wischen des Fingers oder mit dem linken Daumen in der Vorschauleiste. Bei anderen Anwendungen fehlt die Anpassung der Symbole an den Touchscreen gänzlich, etwa in der Bürosuite Openoffice.org. Die Icons dort sind in der Originalgröße gehalten, die Bedienung mit den Fingern ist alles andere als einfach. Auf dem Vorführgerät reagierte das Touchscreen bisweilen träge, manche Engaben musste wir mehrmals wiederholen.

Hilfe von der Community

Laut Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen steht WeTab bereits in Kontakt mit den Entwicklern, um die Benutzeroberflächen für das WeTab zu optimieren. Bis zum Erscheinungstermin am 21. September 2010 werden sie aber wohl nicht fertig. Außerdem appellierte Hoffer von Ankershoffen an die Open-Source-Gemeinde, sich an der Entwicklung von Anwendungen für das WeTab zu beteiligen.

Als Audioplayer haben sich die Entwickler für Banshee entschieden. Das WeTab unterstützt die Musikformate MP3, WAV, OGG, WMA oder AAC. In HD-Qualität spielt das WeTab Videos nur auf der teureren G3-Version ab. Zu den unterstützten Videoformaten zählen H.264, AVI, WMV, DivX, OGM, FLV und MP4.

Üppige Einkaufsmöglichkeiten

Weitere Applikationen sollen über verschiedene App Stores angeboten werden, darunter ein eigener von WeTab mit dem Namen Metastore. Mit dem Wechsel zu Meego werden auch Applikationen aus Intels Appup ab dem 4. Quartal 2010 zur Verfügung stehen. Dann sollen auch Applikationen über Adobes Air Market Place für das WeTab verfügbar sein. Laut WeTab verbietet Google das Einbinden seines Android Market Place, da das WeTab keine Telefonfunktionen bietet. Hier sollen Drittanbieter in die Bresche springen, die bislang aber nicht näher bekannt sind.

Für das Ausführen von Android-Apps haben die Entwickler das Smartphone-Betriebssystem in eine virtuelle Maschine unter Virtualbox verfrachtet. Die Navigationsleiste auf der rechten Seite dient dann zur Steuerung der Android-App. Wie leistungsfähig die Apps in einer solchen Umgebung funktionieren, konnten wir auf der Vorabversion noch nicht prüfen. Für weitere Apps stehen Java- und Adobe-Air-Frameworks zur Verfügung. Einige Silverlight-Applikationen sollen dank Moonlight 2.0 ebenfalls laufen.

Intel als Partner

Ursprünglich auch als Contentplattform für Printmedien angekündigt, können auf dem WeTab die E-Book-Formate ePub, PDF, Mobipocket und das eigene Webookpremium-Format angezeigt werden.

Wetab will sein Tablet-PC unter allen Umständen zum 21. September 2010 liefern. Dafür nimmt es in Kauf, später Updates für WeTabOS nachzuliefern - eine Praxis, die nicht unüblich ist. Auf dem Intel Developer Forum IDF in San Francisco durfte 4tiitoo-Entwickler Stephan Odörfer das WeTab als Erster vorstellen. WeTab ist bereits vor einiger Zeit im Zuge der Meego-Entwicklung eine Partnerschaft mit Intel eingegangen. Intel kündigt entsprechend das WeTab als "erstes Tablet mit Meego" an. Das Touchscreen-Framework ist eine Eigenentwicklung der 4tiitoo-Entwickler.

Im Oktober 2010 will WeTab eine Dockingstation nachreichen, die 69 Euro kosten soll. Bleibt zu hoffen, dass spätestens bis dahin die letzten Softwareupdates eingespielt worden sind. Hoffer von Ankershoffen sieht das WeTab übrigens nicht als Konkurrenz zum iPad: "Wir sind nicht der Apple-Killer, wir sind eine tolle Alternative", sagte er Golem.de im Rahmen des Linuxtags 2010. Wie der von der Presse einst heraufbeschworene iPad-Konkurrent wirkt das WeTab in dieser Form noch nicht. Während aber Apple auf ein weitgehend geschlossenes System für den Massenmarkt setzt, legt Wetab Wert auf maximale Offenheit, was aber auch einige zusätzliche Schwierigkeiten mitbringt.

Das WeTab wird ab dem 21. September über Amazon und wenige Tage später bei der Handelskette Media Markt erhältlich sein. Ab November 2010 werden auch die Warenhäuser Conrad und Otto den Tablet-PC im Sortiment führen.  (jt)


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