Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/77971.html    Veröffentlicht: 15.09.2010 11:12    Kurz-URL: https://glm.io/77971

Palmisano

IBM-Chef zieht über HP her

Hewlett-Packard hat aufgehört, in Forschung und Entwicklung zu investieren. So lautet der Vorwurf des IBM-Chefs an den Konkurrenten. Beim Abgang von Mark Hurd und dessen Wechsel zu Oracle habe sich HP zudem dumm angestellt.

Sam Palmisano, Chef von IBM, hat den Konkurrenten Hewlett-Packard öffentlich angegriffen. "Hewlett-Packard war einst ein sehr innovatives Unternehmen", sagte Palmisano dem Wall Street Journal. Doch der frühere HP-Konzernchef Mark Hurd habe den Bereich Forschung und Entwicklung kaputtgespart.

IBM hätte niemals einen so hohen Preis für den Cloud-Server-Hersteller 3Par gezahlt, so Palmisano. Hewlett-Packard hatte Dell im Bieterwettstreit um 3Par überboten und 2,1 Milliarden US-Dollar bezahlt. Doch Hewlett-Packard habe "keine andere Wahl" gehabt, urteilt der IBM-Chef. "Hurd hat mit Forschung und Entwicklung aufgehört".

Als Hurd die Führung bei Hewlett-Packard übernahm, senkte er das Budget für Forschung und Entwicklung von 3,5 Milliarden US-Dollar auf 2,8 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Umsatzanteil von 2,5 Prozent statt zuvor 4 Prozent. IBM gab unter Palmisano 6 Prozent seines Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus, im letzten Jahr waren es 5,8 Milliarden US-Dollar.

Hurd war Anfang August 2010 nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung und Untreue als Vorstandvorsitzender bei Hewlett-Packard zurückgetreten. Auslöser war die Schauspielerin Jodie Fisher gewesen, die als Marketing Consultant für Hewlett-Packard gearbeitet hatte. Hurd erzielte zwar mit der Schauspielerin einen Vergleich, er habe aber gegen die Richtlinien des Konzerns verstoßen, als er Geschenke für Fisher auf Firmenkosten abgerechnet hatte, ergab eine Untersuchung von Anwälten für Hewlett-Packard. Bei Hewlett-Packard bekam Hurd laut einem früheren Bericht des Wall Street Journals ein Abfindungspaket über circa 35 Millionen US-Dollar. Insgesamt verdiente er bei Hewlett-Packard im letzten Geschäftsjahr 30,3 Millionen US-Dollar. Trotzdem wechselte Hurd als President in die oberste Chefetage des Konkurrenten Oracle, wo er die Expansion in den Serverbereich leiten soll.

Palmisano kritisierte den Umgang von Hewlett-Packard mit der Personalie Hurd. "Das ist keine gute Verwendung des Geldes der Aktionäre", sagte er. "Es ist nicht im besten Interesse der Aktionäre gehandelt worden."

Die meisten Sorgen macht Palmisano der Konkurrent Oracle, er werde längerfristig zur größten Bedrohung für IBM. "Oracle investiert", sagte Palmisano, der zugleich Oracle-Chef Larry Ellison lobte. IBM konkurriert mit Oracle im Bereich Datenbanken, verkauft aber Oracle-Produkte an seine Kunden. Oracle hatte IBM bei der Übernahme von Sun Microsystems überboten und in diesem Jahr den Server- und Softwarehersteller für 7,4 Milliarden US-Dollar gekauft.

Palmisano wird im kommenden Jahr 60, denkt aber nicht ans Aufhören. "Ich gehe nirgendwohin", sagte er in dem Interview.  (asa)


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