Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/77949.html    Veröffentlicht: 14.09.2010 13:48    Kurz-URL: https://glm.io/77949

Techno-Oper

US-Komponist bringt Roboter auf die Bühne

Alte Kunstform auf modern getrimmt: In der Oper Death and the Powers spielt Technik ein große Rolle. US-Komponist Tod Machover lässt unter anderem einen Chor von Robotern durch die Handlung führen. Die Oper handelt von einem uralten Menschheitstraum, der durch Technik wahr werden soll.

Moderne Technik und Oper - das scheint nicht unbedingt zusammenzupassen. Doch genau das macht Tod Machover in seiner Oper Death and the Powers: Deren Stars sind nicht nur menschliche Sänger, sondern auch ein Roboterchor, lebende Wände und ein futuristischer, musikalischer Kronleuchter.

Neue Oper, altes Thema

Das Thema der modernen Oper ist uralt: Unsterblichkeit. Der Einakter erzählt die Geschichte von Simon Powers, einem erfolgreichen Geschäftsmann und Erfinder. Am Ende seines Lebens angekommen, sucht er nach einer Möglichkeit, sich unsterblich zu machen. Als Hilfsmittel dazu sollen ihm technische Geräte dienen. "The System" nennt er diese Ausrüstung, auf die er seine Persönlichkeit und seine Erinnerungen im Moment des Todes überträgt. Das System - seine Wohnung, seine Möbel, seine Bücher - wird er. Die Oper erzählt, wie seine Familie und seine Freunde sich mit dieser neuen Form der Anwesenheit Powers' auseinandersetzen müssen. Ein Chor aus Robotern, den Operabots, führt durch die Handlung.

Gesteuert wird das System von Disembodied Performance. Das ist ein technisches System, das zwei Mitglieder von Opera of the Future, Machovers Arbeitsgruppe am Massachusetts Institute of Technology (MIT), für die Oper konstruiert haben. Disembodied Performance, auf Deutsch etwa körperlose Aufführung, besteht aus Sensoren, die Daten von Powers-Darsteller James Maddalena sammeln, und einer Software, die diese analysiert und an Powers' System übertragt.

Körperlose Präsenz

Maddalena verschwindet nach der ersten Szene von der Bühne, als seine Figur stirbt. Disembodied Performance nimmt Maddalenas bewusste Äußerungen wie seinen Gesang und seine Gesten, aber auch Unbewusstes wie Muskelspannung und Atemrhythmus auf und überträgt sie an die Bühnentechnik - im Form von Bewegungen der Wände und des Kronleuchters, von Lichtsignalen oder Tönen. So ist Hauptfigur Powers auch nach seinem Bühnentod für die Zuschauer präsent.

Aufgeführt wird das Werk vom 24. bis 26. September 2010 in Monaco. Zur Premiere am 24. wird der Regent, Fürst Albert II., anwesend sein. Weitere Aufführungen sind für das kommende Frühjahr in Boston und Chicago geplant.

Grundlagen für Musikspiele

Machover, der zehn Jahre an Death and the Powers gearbeitet hat, ist Komponist und lehrt am Media Lab des MIT. Er hat auch schon spezielle Instrumente, sogenannte Hyperinstrumente, für Musiker wie Yo-Yo Ma und Prince entwickelt. Die Arbeit an den Hyperinstrumenten bildete auch die Grundlage für die bekannten Computerspiele Guitar Hero und Rock Band.

Machovers Roboter sind übrigens nicht die einzigen kunstsinnigen Maschinenwesen: Toyota hat vor einigen Jahren musikalische Roboter entwickelt: Die einen spielen Trompete, ein anderer lässt gefühlvoll den Bogen über die Geigensaiten gleiten.  (wp)


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