Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/77948.html    Veröffentlicht: 14.09.2010 14:40    Kurz-URL: https://glm.io/77948

Spieletest Halo Reach

Nobel geht Halo zu Ende

Es winkt kein Sieg und auch kein Master Chief - trotzdem hat Bungie mit Halo Reach einen krönenden Abschluss für seine Actionserie entwickelt. Den Spieler verschlägt es mit einem Trupp von Elitesoldaten mitten in einen düsteren Feldzug gegen die außerirdischen Horden der Allianz.

Jede Schlacht ist vergebens: In Halo Reach steht vom ersten Moment an fest, dass der Spieler kämpfen kann wie ein Weltmeister - der von 700 Millionen Kolonisten und Militärs bevölkerte Planet Reach ist dem Untergang geweiht. Das Actionspiel von Bungie erzählt als (vorläufigen) Abschluss seiner Actionserie, wie es überhaupt im 2002 veröffentlichten Erstling zum außerirdischen Angriff auf die Ringwelt Halo kam. Und noch etwas ist ungewohnt: Statt des Übersoldaten Master Chief steuert der Spieler einen zwar ebenfalls schlagkräftigen, aber eben nicht besonders besonderen Helden mit dem Kampfnamen Noble 6.

Der ist das neue Mitglied im Noble-Team, mit dessen Mitgliedern der Spieler die meiste Zeit in den zehn Kapiteln - die jeweils für eine große Mission stehen - unterwegs ist. Zu den Kumpels gehören noch der Teamführer Carter, die Scharfschützin Jun, die hübsche Ausrüstungsexpertin Kat sowie die bärbeißigen Kollegen Jorge und Emile, die ähnliche Funktionen wie Noble 6 haben. Um die Steuerung der Kameraden muss sich der Spieler nicht kümmern, das erledigt vollständig und sehr überzeugend die künstliche Intelligenz.

Die grundsätzliche Bedienung hat sich gegenüber den Vorgängern wenig geändert: Nach wie vor ist der Spieler in der Ich-Perspektive unterwegs. Er kämpft sich in großen und offen wirkenden, aber letztlich doch linearen Leveln durch Horden von Außerirdischen. Der Großteil der Bewaffnung ist bereits aus dem Vorgänger bekannt - vom Sturmgewehr bis zum Nadelwerfer. Und auch die Feinde sind, bis auf die neuen drachenköpfigen Scavenger, die alten - allerdings hat es der Spieler seltener als früher mit den kleinen Aliens zu tun. Stattdessen bekommt er öfters beispielsweise die dicken Brute vor die Flinte.

Nobel im Warthog

Auch in den bekannten Vehikeln darf der Spieler erneut durch das Abenteuer fahren und fliegen, einige sind allerdings dezent überarbeitet, etwa der Warthog mit integriertem Raketenwerfer. Im Verlauf der Kampagne gibt es sowohl bei den Fahr- und Flugzeugen als auch bei den Einsatzorten allerdings ein paar nette Überraschungen.

Die größte echte Neuerung sind Ausrüstungsgegenstände, mit denen der Spieler auf Knopfdruck für kurze Zeit besonders flott springen kann, sich unverwundbar oder unsichtbar macht oder einen beweglichen holographischen Köder in die Landschaft stellt. Nobel 6 hat jeweils nur eines dieser Objekte in seinen Kampfanzug eingebaut, an bestimmten Stellen darf er wechseln. Besonders groß sind die Auswirkungen der Extras übrigens nicht - im normalen Schwierigkeitsgrad gibt es nur wenige Stellen, an denen sie wirklich nötig sind, um die Kampagne in sechs bis acht Stunden ohne größere Probleme zu bewältigen.

Deutlich länger lädt der Multiplayermodus zum Spielen ein. Der bietet jede Menge an Inhalt: So lässt sich die Kampagne mit bis zu drei Mitstreitern bewältigen - wahlweise per Internet oder im Splitscreenmodus an einem Monitor; dann schaltet die Grafik allerdings einen unschönen Low-Detail-Modus. Um schlagkräftige Teams zusammenzustellen, gibt es eine neue, sehr einfach zu bedienende Freundesfunktion. Allerdings schade: Die virtuellen Kumpels können nicht jederzeit in eine Partie einsteigen, wechseln und aussteigen. Außerdem passt sich der Schwierigkeitsgrad nicht selbstständig an die veränderte Feuerkraft an.

Den erstklassigen Firefight-Modus aus Halo 3 ODST, in dem bis zu vier Spieler gegen Wellen von feindlichen Aliens kämpfen, hat Bungie erheblich erweitert, insbesondere lässt er sich jetzt besser an die Kampfkraft der Spieler anpassen. Außerdem gibt es zwölf weitere Spieltypen, die sich mit Hilfe der Optionen ebenfalls sehr weitgehend an individuelle Wünsche anpassen lassen. Kräftig überarbeitet haben die Entwickler den Welteneditor Forge (in der deutschen Version "Schmiede"), der mehr Physikeffekte bietet und insbesondere beim Bau in die Höhe mehr Möglichkeiten bietet. Mit den in Multiplayerpartien verdienten Credits kann der Spieler seinen Charakter nach und nach mit schicken Rüstungsteilen aufhübschen - was teils imposant aussieht, aber keine Auswirkungen auf Werte hat.

Grafik nur leicht verbessert

Die Grafik erinnert sichtbar an den immerhin drei Jahre alten Vorgänger, allerdings wirken die Animationen teils wesentlich aufwendiger und die Texturen detailreicher. Zwar machen einige der Effekte einen dezent angestaubten Eindruck, aber unterm Strich gibt es erstaunlich viele positive Aha-Momente, insbesondere wenn der Spieler volle Sicht über riesige Gebiete hat und sich das Gefühl einstellt, das Alter Ego stehe tatsächlich in einer Kampfarena auf einem fremden Planeten.

Die Sounduntermalung ist zwiespältig: Der orchestrale Soundtrack und die Waffengeräusche, Explosionen sowie die sonstigen Effekte sind erstklassig gelungen. Die deutsche Sprachausgabe hingegen ist, wie in den Vorgängern, eine große Enttäuschung. Die Sprecher wirken lustlos, dazu gesellen sich unglückliche Übersetzungen von Redewendungen - etwa "Ins Gesicht", wenn ein im Original ein rotziges "In your face" als Siegesjubel gemeint ist. Die deutsche Version bietet keine englische Tonspur, nur wahlweise Untertitel.

Halo Reach ist nur für Xbox 360 erhältlich und kostet rund 60 Euro. Eine Limited Edition ist für 80 Euro erhältlich, ein Bundle mit einer Sonderversion der Xbox 360 kostet rund 350 Euro. Die USK hat dem nicht geschnittenen Spiel eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Fast könnte einem der Master Chief leidtun: Ausgerechnet im bislang besten Halo ist er nicht mit dabei. Trotzdem schön, dass Bungie seiner Actionreihe mit Reach einen wirklich krönenden Abschluss spendieren konnte. Zwar wirkt vieles sehr vertraut - aber die Handlung rund um das Noble Team ist klasse inszeniert, die Missionen durchgehend spannend gestaltet und schön abwechslungsreich. Nicht nur in den Zwischensequenzen, sondern vor allem auf dem Schlachtfeld kommt viel von der Atmosphäre eines intergalaktischen Krieges herüber. Dazu gesellt sich ein Multiplayermodus, der schlicht eine Klasse für sich ist und locker Spaß für Monate bietet. Allerdings: Spieler mit guten Englischkenntnissen sollten zur US- oder UK-Version greifen, weil die deutsche Fassung unverständlicherweise wieder lustlos klingt.  (ps)


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