Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/77932.html    Veröffentlicht: 14.09.2010 10:10    Kurz-URL: https://glm.io/77932

Atom E6xx

Autos mit Atom-Antrieb

Intels SoC mit dem bisherigen Codenamen "Tunnel Creek" ist fertig. Der Chip mit Atom-Kern soll unter anderem in der Automobilelektronik und in Tablets zum Einsatz kommen. Dafür gibt es ein cleveres System, das Langlebigkeit garantieren soll.

Tunnel Creek basiert auf der auch von Netbooks bekannten Plattform Pine Trail, Intel hat das SoC bereits auf dem letzten IDF in Peking vorgestellt. Ausgeliefert wird die Serie Atom E6xx im vierten Quartal 2010. Auf dem derzeit in San Francisco stattfindenden IDF will Intel den Chip am Dienstag (Ortszeit) ausführlich vorstellen. Im Messeteil der Veranstaltung, dem Technology Showcase, sind jedoch schon etliche Tunnel Creeks zu sehen. Und von anderer Seite gibt es auch schon einige Daten.

So soll das SoC bei 0,6 bis 1,6 GHz unter 1 bis zu 2 Watt TDP aufweisen und damit deutlich sparsamer als die bisherigen Atoms sein. Auch die für automobile Anwendungen entscheidenden Temperaturbereiche von -40 bis +85 Grad Celsius hält der Chip aus.

Für größtmögliche Flexibilität beim Einsatz in Automobilelektronik bringt der E6xx eine abgespeckte Southbridge mit und als Bus wird nur PCI-Express aus dem 1-Chip-Chipsatz EG20 geführt. Darüber können die Gerätehersteller dann die zahlreichen anderen Busse anbinden, die in Autos üblich sind. Sie bauen dafür üblicherweise eigene Backplanes, die über mehrere Generationen nahezu unverändert bleiben.

In diese Backplanes kommen dann Single-Board-Computer (SBC), wie sie auf dem IDF beispielsweise Kontron zeigt. Das Gerät im Format Nano-ETX ist nur rund halb so groß wie eine Postkarte. Es nimmt insgesamt unter 5 Watt auf. Die Trennung der Recheneinheiten von den Bussen hat den wesentlichen Vorteil, dass die jährlich neuen Atom-Plattformen durch einen einfachen Wechsel des SBC aufgerüstet werden können. Der Rest des Systems kann dabei dann gleich bleiben, was den Entwicklungsaufwand reduziert.

Oki und Rohm liefern Zusatzbausteine für Atom E6xx

Um die Zusatzbausteine für den Embedded-Atom kümmern sich beispielsweise Oki und Rohm, die Taktgeber (Clock Generator IC, CGIC), eine Power Management IC (PMIC) oder die klassische Southbridge (Input/Output Hub, IOH) liefern, um diverse Komponenten anzuschließen.

Bei Rohm und der Tochter Oki waren Geräte zu sehen, die mit Windows, Android oder Meego betrieben wurden. Allerdings zunächst nur zu Demozwecken. Welches Betriebssystem letztendlich eingesetzt wird, ist den Partnern überlassen, die auf die Plattform setzen. Zu sehen war in erster Linie Computerhardware für den Automobilbereich. Navigationssysteme oder Unterhaltungssysteme werden angestrebt. Bei Oki rechnet man mit ersten Produkten in diesem Bereich in etwa zwölf Monaten.

Sehr viel schneller ist die Firma Uniden, die vorab bereits mit der Plattform arbeiten durfte und eine Kommunikationsplattform auf Basis des Atoms innerhalb von drei Monaten entwickelt haben will. In Europa ist die Firma nicht direkt aktiv und daher kaum bekannt. Die Media Phone genannte Kommunikationsplattform könnte unter der Marke Sinus auch hierzulande angeboten werden, denn Uniden arbeitet mit Siemens zusammen.

Das DECT-basierte System besteht aus einem Tablet und einem mobilen Heimtelefon. Dazu gehört eine Basisstation, die etwa per Wimax, LTE oder 3G-Techniken wie CDMA (EV-DO) oder W-CDMA (UMTS/HSPA) die letzte Meile übernimmt. Die anderen Geräte kommunizieren mit der Basisstation per DECT, WLAN oder auch Bluetooth miteinander.

Das Tablet nennt sich LCD Media Handset und könnte, je nach Szenario und Kundenwünschen, selbst als Basisstation agieren und mit einem Atom E6xx mit 600 MHz, 1 GHz oder 1,6 GHz bestückt sein. Auf dem 8,9-Zoll-Display sind 1.024 x 768 Pixel untergebracht, es gibt eine Kamera und 512 MByte oder 1 GByte internen Speicher. Die Audio- und Videofähigkeiten werden je nach Produkt unterschiedlich ausfallen. Mit einem 22-Wh-Akku will Unibody Akkulaufzeiten zwischen 2 und 3 Stunden erreichen. Das Betriebssystem kann Android, Windows oder Meego sein. [von Andreas Sebayang und Nico Ernst]  (nie)


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