Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1009/77919.html    Veröffentlicht: 13.09.2010 17:19    Kurz-URL: https://glm.io/77919

Bestechungsvorwürfe

Telekom bestätigt Hausdurchsuchung bei Obermann (Update)

Die Wohnung von Telekom-Chef Obermann ist durchsucht worden. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt in einem lange zurückliegenden Bestechungsfall bei der ungarischen Tochter Magyar Telekom. Obermann nannte die Vorwürfe haltlos.

Die Deutsche Telekom hat bestätigt, dass die Wohnung von Konzernchef René Obermann durchsucht worden ist. Das geht aus einer Stellungnahme des Konzernsprechers Andreas Middel an Golem.de hervor. Die Wirtschaftswoche hatte berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Bonn gegen Obermann wegen Verdachts der Bestechung ermittle. Dabei sei bereits Ende August 2010 die Wohnung des Konzernchefs durchsucht und umfangreiches Material beschlagnahmt worden.

"Das aktuelle Vorgehen der Behörden ist der Deutschen Telekom unklar", so Middel zu Golem.de. Die Staatsanwaltschaft Bonn habe im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens aus den USA bei der Telekom ermittelt. Es geht dabei um Vorwürfe gegen die ungarische Tochter Magyar Telekom aus dem Jahr 2005. Obermann war zu der Zeit Chef von T-Mobile International. Die Vorwürfe und Ermittlungen der US-Behörden seien bereits seit 2006 von der Telekom öffentlich dargestellt worden. Obermann stelle ausdrücklich fest, dass die Vorwürfe der Bestechung gegen ihn haltlos seien und sich dies auch in Kürze zeigen werde, so Middel.

Mobilfunklizenzen in Mazedonien und Montenegro

Laut dem Bericht der Wirtschaftswoche seien von Magyar Telekom Schmiergelder an Regierungsbeamte gezahlt worden, um sich bei der Marktregulierung und bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen in Mazedonien und Montenegro Vorteile zu verschaffen. Dabei seien Beträge im einstelligen Millionenbereich geflossen.

Die Telekom hält mit fast 60 Prozent die Mehrheit an Magyar Telekom.

Nachtrag vom 15. September 2010, 15:09 Uhr

a Die Süddeutsche Zeitung berichtet, die Staatsanwaltschaft in Bonn habe ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung oder Beihilfe gegen acht Manager und Mitarbeiter der Telekom eingeleitet, das sich auch gegen Obermann richtet. Für Ungarn sei zur Tatzeit ein anderes Vorstandsmitglied zuständig gewesen, heißt es aus Konzernkreisen. Von der ungarischen Telekom-Tochter eingeschaltete Wirtschaftsprüfer und Anwälte seien auf etwa 25 verdächtige Beraterverträge und andere Abkommen mit einem Volumen von insgesamt gut 30 Millionen Euro gestoßen.  (asa)


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