Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/1008/77571.html    Veröffentlicht: 30.08.2010 17:38    Kurz-URL: https://glm.io/77571

Studie

E-Books haben in Deutschland Startschwierigkeiten

Das Angebot ist zu gering, das Produkt zu wenig bekannt und zu teuer - das Geschäft mit den digitalen Büchern läuft hierzulande noch schleppend. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie zu E-Books. In wenigen Jahren soll das Geschäft an Fahrt gewinnen. Allerdings droht der deutsche Buchhandel dabei leer auszugehen.

Auch wenn inzwischen eine größere Anzahl von E-Book-Readern erhältlich ist, wissen viele Deutsche immer noch nichts mit dem Begriff E-Book anzufangen. Zu dem Ergebnis kommt die Studie "E-Books in Deutschland - Eine neue Gutenberg-Ära?" von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Dennoch werden sich, so das Beratungsunternehmen, die digitalen Bücher in den kommenden Jahren hierzulande etablieren.

Zu wenig E-Books

Derzeit hätten die E-Books hierzulande noch einen schweren Stand - anders als etwa in den USA und Großbritannien. Grund dafür sei, dass das Angebot an E-Books "noch zu gering" sei. Es stünden zwar über 100.000 Titel in digitaler Form zur Verfügung, was immerhin acht Prozent aller lieferbaren Bücher entspreche. Aber im ePub-Format, dem offenen Format, das von den meisten E-Book-Readern dargestellt werden kann, sind es nur rund 8.000. Viele Titel, die legal nicht als E-Book zur Verfügung stehen, gibt es dennoch im Internet - kostenlos in den Tauschbörsen.

Hinzu kommt, dass die elektronischen Bücher im Vergleich zu den gedruckten recht teuer sind. Der Kunde müsse für die digitale Ausgabe eines Bestsellers im Schnitt 15,50 Euro bezahlen - das seien nur etwa 3 Euro weniger als für die gebundene. Ist das Buch schon als Taschenbuch erschienen, liegt die Ersparnis bei gerade mal etwa 40 Cent.

Zu teuer

Damit gehe, so PwC, "die Preisgestaltung eindeutig an den Vorstellungen der Käufer vorbei." Zieht man die Anschaffungskosten für das Lesegerät in Betracht, sind die elektronischen Bücher gegenüber den gedruckten nicht sehr attraktiv - im Gegensatz etwa zu den USA, wo die Händler die E-Books deutlich günstiger anbieten als die Bücher aus Papier.

Entsprechend wird der Umsatz mit E-Books aus dem Bereich Belletristik laut PwC in diesem Jahr voraussichtlich bei rund 20 Millionen Euro liegen. PwC ist jedoch optimistisch, dass sich die digitalen Bücher nach einem etwas schleppenden Start etablieren werden. 2015 soll der Umsatz aus dem Verkauf von E-Books auf 350 Millionen Euro ansteigen.

Farbbildschirm und Internet

Bis dahin werden, so die Schätzungen des Beratungsunternehmens, in Deutschland rund 2,5 Millionen E-Book-Reader verkauft werden. Bislang seien erst etwa 50.000 bis 80.000 Geräte im Umlauf. Wichtige Faktoren für eine weitere Verbreitung seien zum einen der Preis, der sinken müsse, zum anderen mehr Funktionen wie Farbbildschirm oder ein drahtloser Internetzugang.

Ein Grund für die geringe Verbreitung der E-Books ist ihre mangelnde Bekanntheit: In einer Umfrage, die im Rahmen der Studie durchgeführt wurde, sagten mehr als die Hälfte der 1.000 Befragten, sie wüssten nicht genau, was ein E-Book ist. Mit dem Begriff E-Reader konnten sogar nur 20 Prozent der Befragten etwas anfangen.

Papier statt E-Paper

"E-Books werden sich in Deutschland durchsetzen, wenn auch langsamer als in den USA oder Großbritannien", sagt Werner Ballhaus, der bei PwC den Bereich Technologie, Medien und Telekommunikation leitet. Doch legten Leser hierzulande noch großen Wert auf das haptische Erlebnis. "Das elektronische Lesegerät wird trotz scharfer und kontrastreicher Bildschirme nicht als gleichwertige Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert. Doch dürfte sich dies auch angesichts der wachsenden Mobilität der Konsumenten ändern: Für die Lektüre unterwegs und zwischendurch sind E-Books eine interessante Alternative", resümiert Ballhaus.

Er warnt jedoch, dass "die deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen." Er rät ihr dringend, Geschäftsmodelle für die digitalen Bücher zu entwickeln. Andernfalls drohte sie das Geschäft an internationale Anbieter wie Amazon oder sogar an branchenfremde Unternehmen wie Google oder Apple zu verlieren.  (wp)


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